Backen bis zur Krönung: Mein Mann schaut Fußball und ich schwenke die Backschüssel, sagt Gisela Wedel und möchte um nichts in der Welt tauschen

Gisela Wedel mit Backkrone und preisgekrönter Preiselbeerschnitte in ihrer Küche in Crawinkel.
Crawinkel ist stolz. Der Ort zwischen dem Ilm-Kreis und dem Landkreis Gotha hat seit Oktober nicht nur einen neuen Bürgermeister, sondern auch eine Königin der Backschüssel.
Wenn Gisela Wedel mit Ehemann Manfred bei Freunden und Bekannten eingeladen ist, schenkt sie weder Blumen noch Wein, Strümpfe oder „Stehrumchen“. Konfekt schon eher. Aber selbst gemacht. In der Weihnachtszeit kommen die Plätzchen aus eigener Produktion auf den Gabentisch - nach Butter und Zartbitterschokolade duftend. Schon jetzt lauert die Familie auf die Kilogrammpackung von Oma Wedel. Am 10. Dezember feiert die 72-Jährige ihr 50. Backjubiläum. Zu Hause - mit einer riesigen Tafel quer durch das Haus.
“Backen ist meine Leidenschaft“, sagt Gisela Wedel und ihre Wangen leuchten vor glühender Begeisterung. „Mein Mann schaut Fußball und arbeitet im Garten - mein Fußball ist die Backschüssel.“ Mit 22 Jahren hat die gelernte Fachverkäuferin unter Anleitung der Mutter ihren ersten Stollen gebacken. Überhaupt stammen viele ihrer Rezepte aus der mütterlichen Feder. Gisela Wedel hat die Überlieferungen lediglich ein wenig aufgepeppt, mit Zutaten von heute. „Meine Mutter war Meisterin“, erzählt sie. „Und das zu einer Zeit, in der es an Rohstoffen mangelte.“
In der Wohnung finden sich Regale voller Rezeptbücher, aber Gisela Wedel backt fast alles aus dem Kopf. Nur beste Zutaten kommen in die Schüssel: Butter, frische Eier, Rum, Schokolade, Sahne. Ihr Lieblingskuchen ist der Trüffelkuchen - mit Trüffelschokolade, Zitrone und Kakao. Der Reißer auf jeder Feier, sagt sie.
Verzückt, beinahe zärtlich, schaut die Hobbybäckerin auf ihre Backkrone, die - liebevoll auf einem Tablett drapiert - auf dem Tisch steht. Gefertigt hat das filigrane Kunstwerk die Arnstädter Designerin Mandy Zentgraf für den Herbst- und Bauernmarkt, wo die 1. Arnstädter Backkrone für den besten Kuchen verliehen wurde. Für Gisela Wedel bedeutet diese Würdigung unendlich viel. „Ich habe mich bei der Jury noch gar nicht richtig bedankt“, meint sie zerknirscht. Wann denn auch? - Tagelang nach der Verleihung hatten die Telefone unentwegt geklingelt. Gisela Wedel kam vom Festnetz nicht weg, Ehemann Manfred hatte heiße Ohren vom Handydisplay. Auf den Sieg setzte die Bäckerin nicht, als sie ihre drei Kreationen - Trüffelkuchen, Mohnkuchen und Sahne-Preiselbeerschnitte - bei der Jury einreichte, die sich durch insgesamt 16 Kuchen futtern musste. „Ich hatte mich nur beworben, weil ich eben leidenschaftlich gerne backe.“
Als Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill dann die silberne Krone auf einem Samtkissen zur Bühne trug, dachte Gisela Wedel: „Wer mag wohl die Glückliche sein?“ Als wenig später ihr Name fiel, war sie wie vom Donner gerührt. „Spontan bin ich dem Bürgermeister um den Hals gefallen. Er musste herhalten, weil mein Mann gerade die Bleche zum Auto brachte.“ Ohne Vorwarnung entschwindet Gisela Wedel in die Küche und kehrt mit einem Tablett voller Kuchen zurück: die preisgekrönte Preiselbeerschnitte. Ein Traum aus schneeweißer Sahne, Preiselbeergelee und -beeren, Rum, Kakao - mehr will die Künstlerin nicht verraten. Die Schnitte ist ein Rendezvous der Sinne. Sanft nimmt sie Gaumen und Zunge für sich ein. Warum in aller Welt hat Mandy Zentgraf eigentlich keine goldene Krone entworfen.
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5 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.11.2013 | 17:51  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 19.11.2013 | 22:08  
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Renate Jung aus Erfurt | 19.11.2013 | 23:56  
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Antje Hellmann aus Jena | 20.11.2013 | 10:25  
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Renate Jung aus Erfurt | 20.11.2013 | 21:47  
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