Citybike oder gebrauchte Unterhose? - Was im April im Arnstädter Rathaus unter den Hammer kommt

Matthias Haupt vom Rechts- und Ordnungsamt Arnstadt mit einer gefüllten Damenhandtasche, die im April komplett versteigert wird.
 
Ein Blick in die "Asservatenkammer".
Arnstadt: ... |

Von der Zahnprothese bis zum Kinderwagen - der Blick in die "Asservatenkammer" eines Fundbüros lohnt sich.

Liegen die Fundsachen dort ein halbes Jahr, gehen sie in das Eigentum der Stadt oder Behörde über und werden meist versteigert. Matthias Haupt, Sachbearbeiter des Rechts- und Ordnungsamtes in Arnstadt, hat den Schrank für AA-Autorin Jana Scheiding geöffnet.


Bin ich eigentlich verpflichtet, eine Fundsache abzugeben?
Ja. Sonst ist es eine Unterlassung. Sie können ja trotzdem Eigentümer der Sache werden, wenn sich der rechtmäßige Besitzer nicht innerhalb einer bestimmten Frist meldet.

Was bringen die Leute zu Ihnen?
Alles mögliche: Handys, Fahrräder, Gepäckstücke, Fahrräder, Kinderwagen.

Kinderwagen? Wie kann man so etwas verlieren?
Hier unterscheiden wir zwischen Fundsachen und herrenlosen Sachen, wie zum Beispiel einem Kinderwagen. Den verliert man ja nicht. Viele Menschen stellen solche Dinge irgendwo ab und geben damit den Besitz freiwillig auf.

Wo, außer bei Ihnen, kann man noch Fundsachen abgeben?
Überall. Wenn die Ordnungsbehörde geschlossen hat, bei der Polizei. Ansonsten in Kaufhäusern, Kliniken, Geschäften. Das ist einerseits gut, für uns aber auch problematisch. Die Sachen werden dort nicht katalogisiert, sondern gesammelt und irgendwann zu uns gebracht. Wenn wir dann jemanden die Geldbörse mit sämtlichen Karten und Ausweisen zurückgeben, ist der nicht etwa glücklich, sondern stinksauer. In der Zwischenzeit hat er nämlich für viel Geld alles neu beschafft.

Es wäre also besser, Ihnen die Fundsachen sofort zu übergeben?
Ja. Ein Anruf genügt, wir würden die Sachen sogar abholen.

Erinnern Sie sich an ungewöhnliche Fundstücke?
Zwei Eheringe. Die Gravuren verrieten, dass die Ringe gar nicht zusammengehörten. Wir stellten sie in einer Radioliveschaltung vor. Mit Erfolg, wie ich mich erinnere.

Versteigern Sie alles, was Ihnen gebracht wird?
Nein. Prothesen, Lebensmittel oder Schlüssel werden nicht versteigert. Spritzbestecke für Diabetiker bringen wir in die Apotheke, Lesebrillen zum Optiker. Und Tiere sind natürlich auch ausgenommen.

Was sind die Spitzenreiter?
Das sind seit Jahren die Fahrräder - vom Diamant bis zum hochwertigen Citybike. Da kann man zur Versteigerung wirklich Schnäppchen machen. Wir versteigern auch etliche Handys. Wenn vor wenigen Jahren jemand ein Smartphone verloren hat, standen hier die Telefone nicht mehr still. Heute fragt kaum noch jemand nach, weil man sehr schnell an ein neues Gerät gelangt. Interessant sind auch unsere Black Boxes. Gepäckstücke, in denen entweder ein kleiner Schatz oder gebrauchte Klamotten stecken.

Gebrauchte Klamotten? Eine unappetitliche Vorstellung....
Das wissen die Leute ja nicht. Und Neugier weckt Begehrlichkeiten.

Was passiert mit den Einnahmen der Versteigerung?
Das sind jedes Jahr zwischen 600 und 800 Euro, die in den städtischen Haushalt fließen.

Wer nimmt an den Versteigerungen teil?
Die Schnäppchenjäger sind meist jung. Die Älteren sind eher neugierig und wollen etwas erleben. Unsere Auktionen sind Unterhaltung, die kein Geld kostet.


Zur Sache:
Grundlage für die Versteigerung von Fundsachen ist § 973 BGB. Er besagt, dass Fundsachen sechs Monate aufbewahrt werden müssen. Hat sich der Besitzer bis Fristablauf nicht gemeldet, geht die Sache in den Besitz der Behörde über. In Arnstadt werden die Fundsachen meistbietend versteigert.
Termin: 6. April, 10 Uhr, Rathaussaal
2015 wurden 150 Fundsachen abgegeben, 2016 bis Februar 22.
Bis zum 5. April können Empfangsberechtigte ihre Rechte im Fundbüro der Stadt Arnstadt geltend machen (§§ 980, 981, 983). Versteigert werden unter anderem Handys, Smartphones, Schmuck und etwa 30 Fahrräder. Alle Fundsachen sind am Tag der Versteigerung ab 9 Uhr im Rathaus einsehbar.
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