Das Klassentreffen oder 60 Jahre nach der Schulentlassung

Arnstadt: Alteburg | Das Klassentreffen

Erinnerungen an die Schulzeit vor 60 Jahren

ARNSTADT. Es gibt Geschichten, welche das Leben schreibt. So auch die der 29 Jungen, welche in schweren Zeiten die Knabenbürgerschule in Arnstadt besuchten.
Die Schuleinführung fand am 1. September 1944 die Schulentlassung 1952 statt.
In der Zwischenzeit sind 60 Jahre vergangen, sind die Buben von damals zu gereiften Männern geworden.

„Von Jahr zu Jahr werden wir immer weniger und vor allem älter“, erzählt Klaus Henniger, der zusammen mit Horst Habekost, Martin Bechstein und Roland Mengs das Klassentreffen anlässlich des 60. Jahrestages der Schulentlassung vorbereitet.
Von den Klassenkameraden sind heute noch 23 am Leben. Deshalb trifft man sich jetzt in jedem Jahr, solange es vor allem gesundheitlich noch möglich ist.
Im Gespräch miteinander werden immer mehr Erinnerungen wach.

„Obwohl es eine harte Zeit für uns als Nachkriegskinder war, möchten wir die Zeit nicht missen“, betont Horst Habekost. „Wir waren Jungs, die auch Flausen im Kopf hatten“, fügt Martin Bechstein an.
Der Unterricht von damals ist mit dem heutigen kaum vergleichbar. Außerdem waren die Ausgangssituationen ganz anders gelagert. In die Klasse gingen Jungs von Einheimischen, von Umsiedlern und Aussiedlern. Oftmals waren die Väter im Krieg geblieben oder kehrten erst 1947/48 aus der Gefangenschaft heim. Die Mutter war auch Vaterersatz. „Jede von unseren Müttern hätte für ihre Aufopferung einen Orden verdient“, berichtet Roland Mengs.
Trotzdem hatte alles seine Ordnung. Die Unterrichtszeit umfasste sechs Stunden. „Ab und zu musste wir auch mal am Nachmittag nachsitzen“, so die Erinnerungen. Es herrscht Ordnung und Pünktlichkeit an der Schule. Hände in den Hosen oder heimlich rauchen in der Pause, so etwas gab es nicht. „Wir waren manchmal wahrlich auch keine Waisenknaben. Dann gab’s eine mit dem Stöckchen aufs Pfötchen oder wer geschwatzt hatte musste vor die Tür“, erzählt Klaus Henniger.

Gelehrt wurden zunächst Lesen und Schönschreiben und natürlich Sport. „Wir Jungs waren damals sehr sportlich, obwohl wir oftmals richtig Kohldampf geschoben haben“, so heute die reifen Herren.

Es gab Schiefertafeln, Schwamm und Griffel und auf den Pulten standen später Tintenfässchen. Nach 1945 gab es für Bedürftige eine Art Schulspeisung. Milch und Brötchen und mit ein wenig Glück auch einmal eine Tasse Fleischbrühe von der Metzgerei aus der Klausstraße.

In besonderer Erinnerung ist den vier Herren ihre Klassenleiterin, Frau Fietze, geblieben. „Sie war nicht nur eine gute Lehrerin, sondern auch eine gerechte Frau, machte keine Unterschiede zwischen arm und reich“, so der einmütige Tenor.

Und nach der Schule mussten die Kinder zuhause richtig mit zupacken. Beispielsweise mit der Handsäge und Handwagen das Holz im Wald holen. Danach konnte erst gespielt und getobt werden.

60 Jahre nach der Schule ist auch ein Zeitpunkt, in dem auch einmal resümiert werden darf. Acht Jahre Schulzeit und aus allen Jungs der Knabenbürgerschule ist etwas geworden. Ingenieur für Talsperrenbau, Schlosser, Braumeister und Fernmeldemechaniker. Und alle haben über 25 Jahre in ihrem Beruf erfolgreich in der Region gearbeitet.

HINWEIS:
60. Jahre Schulentlassung, Klassentreffen der Kasse 8c der Knabenbürgerschule Arnstadt am 10. Mai 2012, ab 15.00 Uhr, auf der Alteburg
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 12.05.2012 | 05:45  
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 12.05.2012 | 22:29  
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