Das Leben ist quadratisch. Der Erfurter Thomas Pähtz ist Amateur-Weltmeister im Schach

Thomas Pähtz ist Amateur-Weltmeister im Schach. (Foto: privat)
 
Weiß gibt auf.
Ilmenau: ... |

Es ist ein schöner Sommertag im Jahr 1980. Thomas Pähtz lernt beim Tanz eine nette Frau kennen, die mit ihm eine Partie Schach spielen will. Er lässt sich darauf ein und macht einige unbeholfene Züge. Was sie nicht weiß: Sie hat es mit dem DDR-Jugendmeister im Schach zu tun.

Und als der plötzlich blind und ohne Brett zu spielen beginnt, ahnt sie, dass diese Partie nicht zu ihren Gunsten ausgehen wird.
35 Jahre später lacht Thomas Pähtz - inzwischen Großmeister, Schachtrainer und Amateur-Weltmeister 2015 - herzlich über diese Episode. "Das war unsere erste und bisher einzige gemeinsame Partie."
Wenn er von seiner Frau spricht, schwingt Hochachtung mit. "Sie hielt den Kindern und mir den Rücken frei, hat oft auf eigene Interessen verzichtet." Denn Tochter und Sohn tragen, ebenso wie Pähtz und seine Geschwister, das Schach-Gen in sich. Tochter Elisabeth ist mehrfache Junioren-Weltmeisterin. "Zugegeben, ich war etwas neidisch und hoffte, wenigstens Senioren-Weltmeister zu werden", sagt Pähtz, der seine Kinder trainierte.
Dieser Wunsch hat sich dieses Jahr auf der griechischen Insel Kos erfüllt, wo Pähtz an der Schachweltmeisterschaft für Amateure teilnahm und den Titel holte.

"Das Spiel gab mir Halt."


"Begonnen habe ich als Kind. Ich war früh Waise und das Spiel gab mit Halt, die Anerkennung stärkte mich für mein ganzes Leben. In der DDR durfte ich nicht an einer EM oder WM teilnehmen, weil Schach keine olympische Disziplin war." Der junge Pähtz ist trotzdem erfolgreich. Wird Meister bei den Schülern, der Jugend, den Männern und 1993 gesamtdeutscher Meister.
Seit 1991 trainiert er Kinder, die meisten vom Kindergartenalter an. Einige seiner Schüler wurden deutsche Meister, was ihn mit Stolz erfüllt. Ein Talent erkennt Pähtz sofort. "Ich sehe es an den taktischen Fähigkeiten. Wer schnell rechnen kann, ein gutes Gedächtnis und schnelle Auffassungsgabe hat. Man kann Schachspielen lernen, aber Talent muss man mitbringen. Je jünger die Kinder sind, umso besser." Seinen Schülern bringt er bei, dass man am besten mit dem Königsbauern eröffnet. "Damit hat man taktisch mehr Möglichkeiten als mit anderen Eröffnungen."

"Es kommt vor, dass man den Gegner unterschätzt und sich verzockt."


Eine kluge Eröffnung ist beim Turnier die halbe Miete. "Am Tisch belauert man sich, registriert jede Regung. Und trotzdem kommt es vor, dass man den Gegner unterschätzt und sich verzockt", warnt Thomas Pähtz. Schachspieler müssen Konzentration und Ausdauer trainieren, denn eine Partie kann sechs und mehr Stunden dauern.
Obwohl seine Kinder heute erwachsen sind, fiebert der Vater mit ihnen. Turniere kann man heute per Livestream verfolgen. "Wenn meine Tochter spielt, arbeite ich im Garten", erzählt der Großmeister. "Denn wenn ich ihr zusehe, kenne ich ihre Gedankengänge. Das regt mich zu sehr auf. Wir haben aber ein Zeichen vereinbart: Wenn sie nach dem Turnier anruft, dann hat sie gewonnen."


Zur Sache:
Die Amateur-Weltmeisterschaft im Schach wurde vor vier Jahren eingeführt.
Thomas Pähtz, Jahrgang 1956, ist Schachgroßmeister und Vater der Junioren-Weltmeisterin von 2005, Elisabeth Pähtz. Er wuchs in der DDR auf und war dreimal Co-Sieger bei Deutschen Meisterschaften, davon zweimal in der DDR. Pähtz gehörte 1988 bei der Schacholympiade in Thessaloniki zum Team der DDR. Er arbeitet als Schachtrainer, unter anderem für den Ilmenauer Schachverein, der ständig auf der Suche nach neuen Talenten ist.
Trainingszeiten: Montag, 18 Uhr, Pflegeheim Hüttenholz, Ilmenau
Kontakt: Dr. Klaus-Peter Zocher, zo@tu-ilmenau.de
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