Der Teufel über der Saale - auf Wanderschaft mit Wolfram Schneider aus Ziegenrück

  Ziegenrück: ... |

Wie in aller Welt wurden hier Ziegen gehalten? Für den Auf- und Abtrieb ist es nun wirklich etwas steil. Die braunen Felswände aus Thüringer Schiefer scheinen bis in den Himmel zu reichen. Und die Saale lässt auch nicht viel Platz für Weideland.

Ortsfremde müssen den Namen Ziegenrück zwangsläufig mit dem gehörnten Tier in Verbindung bringen - schließlich fand es seinen Platz im städtischen Wappen. Und doch hängt alles ganz anders zusammen, wie Wanderführer Wolfram Schneider weiß. "Ziegenrück wurde um 1000 von Mönchen gegründet und später von Sorben besiedelt. Sie nannten den Ort 'Czegenruck' - Flussschlinge - weil hier die Saale durch das Land mäandert."
Von seiner Stadt kennt Wanderführer Schneider Details, die er vor jeder Führung unter die Leute bringt. Zum Kennenlernen, sozusagen. Denn in wenigen Minuten wird er seiner Gruppe schonend beibringen, dass sie einen enorm steilen Aufstieg entlang des Felsens vor sich hat.
Ziegenrück, erzählt Schneider, hat seit 1328 Stadtrecht, zählt knapp 700 Einwohner und ist die fünftkleinste Stadt Deutschlands. Von 1815 bis 1945 befand sich die "Perle des oberen Saaletals" in ihrer Blütezeit, war sogar Kreisstadt. Heute trägt sie als einzige Stadt im Saale-Orla-Kreis das Prädikat 'staatlich anerkannter Erholungsort'. 2013 zählte die Touristinformation 41000 Übernachtungen.

Jede Gruppe ist eine Überraschung


Schneider will keine Zeit verlieren. Gut drei Stunden Wanderung stehen bevor. Jede Gruppe ist eine Überraschung. "Einmal war eine Frau mit zwei Gehhilfen dabei. Offenbar hatte sie Wanderung mit Spaziergang verwechselt", meint Schneider kopfschüttelnd. Und erzählt gleich noch die Geschichte von dem jungen Paar mit Kinderwagen. "Hier verlaufen die Wege zuweilen ziemlich schmal, vom Aufstieg ganz zu schweigen. Mit dem Kinderwagen wird das nichts", hatte er die Familie damals eindringlich gewarnt. Doch die schlugen seine Bedenken in den Wind. "Mit dem Wagen ging alles in Ordnung, aber wir mussten mehrmals pausieren, weil die Frau ihr Kind stillen wollte."
Nach etwa 300 Höhenmetern gestattet Wolfram Schneider eine kleine Pause und versichert, dass die zu erwartenden Ausblicke für alle Mühen entschädigen werden. Der Blick fällt auf die Stadt. Auf grüne Wiesen und die glitzernde Saale. Auf die Schule, die lange keine Schüler mehr sah. Und auf das Freibad mitten im Grünen, das seit Jahren vor sich hin gammelt. Dafür gibt es ein Wasserkraftmuseum und die Bahnlinie. "Sie ging 1894 in Betrieb. Zwischen Bad Lobenstein und Triptis wurden bis heute fünf Tunnel durch das Gebirge geschlagen", erzählt Schneider.

Privatinitiative rettete Kemenate vor Verfall


Auf der linken Seite fällt ein kleines Schloss ins Auge. "Die Kemenate befindet sich in privater Hand", weiß der Wanderführer. "Wenn sich die Leute nicht darum gekümmert hätten, wäre sie heute eine Ruine."
Doch Wolfram Schneider weiß nicht nur Fakten zu erzählen. Er kennt auch Sagen und Legenden, die sich in dieser Gegend zugetragen haben sollen.
Von der Teufelskanzel hat man einen nahezu überwältigenden Blick auf die Saaleschleife. Während die Wanderer Brote und Trinkflaschen auspacken, erzählt Schneider. "Eine heidnische Opferstätte soll die Teufelskanzel einst gewesen sein. Hier wurden Bösewichte den Felsen hinuntergestürzt. In nebligen Nächten stieg der Teufel mit glühendem Schweif und glutroten Augen vom Lasterberg hinauf und hielt seine Predigt. Und wehe dem, der in seinen Bann geriet... Das sind aber nur Sagen", fügt Schneider sicherheitshalber hinzu.
Das Schiefergebirge um die Region Ziegenrück kennt er wie seine Westentasche. Seit Jahrzehnten präsentiert er Fremden seine Heimat, durch deren Wiesen und Wälder er auch gern alleine streift. Der Naturschutz zeigt hier erste Erfolge, wie der Wanderführer stolz bestätigt: "Schwarz- und Grünspecht sind zurückgekehrt. Und auch die Wasseramsel ist wieder da."
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2 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 06.05.2015 | 09:56  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 06.05.2015 | 10:22  
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