Der Thüringer Holzkünstler Christian Schmidt fertigt Figuren, die sogar dem Papst gefallen

Künstler mit Herz: Christian Schmidt in seiner Werkstatt.
 
Herz hinter Stacheldraht - ein Symbol für gefühlskalte Menschen.
Rauschwitz: ... |

Eigentlich ist Christian Schmidt mit Lust und Laune Fleischer - bis sich seine Mutter Tages einen Holzpilz für ihren Garten wünscht. Erst da bemerkt der junge Mann aus dem Saale-Holzland-Kreis, was wirklich in ihm steckt.

"Glücklich sein heißt für mich, das tun zu können, was mir Spaß macht", sagt Christian Schmidt. Vor neun Jahren dachte der gelernte Fleischer noch, sein Glück läge zwischen Schweinebauch und frischem Hackfleisch. Dass das Leben ganz andere Dinge für ihn bereit hielt - darauf bringt den Mann aus Rauschwitz im Saale-Holzland-Kreis seine Mutter, ohne es zu ahnen.
"Sie wünschte sich zum Geburtstag einen Holzpilz für ihren Garten", erzählt der kräftige, sympathische Mann. "Ich machte mich also auf die Suche, doch was ich fand, war mir zu teuer. Schließlich beschloss ich, den Pilz selbst zu schnitzen."
Der junge Mann macht sich an die Arbeit, doch es ist schwieriger als er denkt. Irgendwann glückt es und er ist verblüfft. "Meine Mutter und ihre Geburtstagsgäste waren auch angetan. Plötzlich hielt ich zehn Zettel mit Bestellungen in der Hand."

Am Anfang war der Holzpilz. Doch Christian wollte mehr.


Aber Holzpilze sind nicht das, was Christian Schmidt wirklich herausfordert. Er will etwas schaffen, das seine Handschrift trägt. "Von da an lief ich viel achtsamer durch den Wald. Bemerkte Gesichter in Wurzeln oder Steine, die wie eine Träne aussahen."
Schmidt beginnt, den Rohstoff Holz für sich zu entdecken - und immer geschickter damit umzugehen. "Ich wollte kein Geld damit verdienen, einfach meine Kreativität ausleben", erinnert sich der Vater zweier Töchter. "Ich arbeitete mit einer groben Kettensäge mit normalem Schwert, mehr hatte ich nicht."
Das ändert sich schlagartig, als er zu einer Meisterschaft für Holzkünstler eingeladen wird. Christian Schmidt kommt aus dem Staunen nicht heraus. "Ich entdeckte, was in dieser Kunst möglich ist und welche Technik es vor allem für Feinsägearbeiten gibt."
Weitere Wettbewerbe folgen. Schmidt qualifiziert sich für die Deutsche Meisterschaft, belegt bei Künstlerwettbewerben vorderste Plätze. Seit 2011 arbeitet er als freier Künstler, der sich nicht verbiegen lassen will. "Ich mag keinen Druck, sehe meinen Beruf entspannt. Ich schnitze aus Lebenssituationen heraus - so, wie andere Kabarett machen."

Schnitzen ist Emotion


Schnitzen ist eine sehr emotionale Tätigkeit, das hat Schmidt sofort begriffen. Eines Tages begegnet er einem Blinden. "Diese Menschen sehen anders, es ist eine ganz eigene Welt", beschreibt der Holzkünstler fasziniert. "Seit diesem Zusammentreffen arbeite ich sehr viel mit Reliefs." Seine Arbeiten sind Handschmeichler, fühlen sich weich und rund an. Fein geschnitzte Gesichter, Figuren aus Eichenholz, die zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel die Szenen einer Ehe oder die Gruppe fein gearbeiteter Engel. "Zwei meiner Engel haben es sogar bis nach Rom geschafft. Einer steht im Rechnungshof und einer beim Papst", verrät Christian Schmidt. Bekannte hatten einen Engel als Gastgeschenk mit in den Vatikan genommen. Papst Franziskus fand Gefallen daran und bestellte bei Schmidt einen für seine privaten Gemächer.
Ideen kommen dem Holzkünstler überall. In jedem Raum seines Hauses liegen Zettel und Stift für Notizen. "Einfälle habe ich manchmal mitten in der Nacht", sagt der junge Mann und lacht. Kommen die Ideen in der Kneipe, muss ein Bierdeckel herhalten. Die Ideen muss er sofort aufschreiben, sonst sind sie weg. Denn er kann nicht sofort mit der Arbeit beginnen. "Meistens arbeite ich nur im Winterhalbjahr in meiner Werkstatt. Im Sommer gestalte ich Ausstellungen und besuche Meisterschaften." Es gibt aber auch Ausnahmen. In diesem Monat zeigt der Künstler auf einem Schnitzevent in Belgien, was er Holz entlocken kann.
Schmidt hat noch viele Träume und Visionen, die er verwirklichen will. Zum Beispiel einen Sternzeichen-Wanderweg für Kinder. Dafür will er dieses Jahr ein Symposium mit anderen Holzkünstlern veranstalten, die kunstvolle Sternzeichen für dieses Projekt sägen.


Zur Sache:
Christian Schmidt aus Rauschwitz schnitzt und sägt auch Auftragsarbeiten. Eine Dauerausstellung mit wechselnden Exponaten des Holzkünstlers ist im Bio-Seehotel Zeulenroda zu sehen, eine andere in einem Strassbourger Restaurant.
www.cs-holz-design.de
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