Der Zauber von Nadel und Faden - Patchworkfrauen aus Niederwillingen zeigen ihre schönsten Arbeiten

  Ilmtal: ... |

Der textilen Technik Patchwork hatte Katja Becker nie übermäßige Aufmerksamkeit geschenkt. Bis sie eines Tages in einer Kurklinik den Aushang eines Patchwork-Ateliers entdeckte.

"Ich hatte Zeit und wollte mir das eigentlich nur anschauen", erinnert sich Becker. Doch dem Zauber von Nadel und Faden konnte sie nicht entrinnen. "Drei Wochen lang besuchte ich das Atelier jeden Tag und brachte meine erste Decke mit nach Hause." Die Frau aus Niederwillingen im Ilm-Kreis war beseelt von der eigenen Energie und wollte diese Hochstimmung keinesfalls verpuffen lassen.
Sie trat der Patchworkgilde bei, besuchte Kurse von erfahrenen Textilgestaltern. Sie besorgte sich einschlägige Magazine und Zeitschriften, faltete, bügelte, füllte und nähte.

Jeder Stich muss sitzen


"Das exakte Arbeiten macht Spaß", schwärmt Becker. "Besonders beim Ausbügeln der Nähte muss man aufpassen. Wenn das nicht korrekt ist, muss wieder aufgetrennt werden und die Arbeit war umsonst."
Beim Patchwork werden aus Textilresten neue Textilien angefertigt. Die Königsdisziplin ist das Quilt. "Eine Steppdecke, die man als Zierdecke oder Wandbehang nutzen kann", erklärt Katja Becker. "Sie besteht aus drei Lagen: Oberlage - man nennt das auch Top - einem wärmenden Vlies als Zwischenlage und einer Unterseite. Die drei Bahnen werden mit möglichst kleinen Stichen zusammengenäht, damit sich die Lagen nicht verschieben."
Wie viele Patchworktechniken es gibt, vermag Katja Becker nicht zu beantworten. "Es kommen ständig neue hinzu", weiß sie aus ihren Fachmagazinen.

Nichts wiederholen, immer Neues schaffen


Seit zehn Jahren teilt Becker ihr Wissen mit anderen Frauen aus Niederwillingen, die ebenfalls dem Zauber von Nadel, Faden und bunten Stoffen erlegen sind. Jeden Mittwoch trifft sich die Gruppe in der Schulstraße 2, einem Gemeinderaum neben der Arztpraxis. Dort stehen die Nähmaschinen, die schönsten Arbeiten schmücken die Wände des schmalen Raumes. "Ruhig ist es hier nur in den Ferien", erzählt Becker und lacht. "Wenn die Enkelkinder zu Besuch kommen, bleibt keine Zeit für Handarbeiten."
Ihre Arbeiten bekommen die Frauen manchmal zwei Jahre lang nicht zu sehen. "Die wandern von Ausstellung zu Ausstellung", sagt Katja Becker, die auf ihre begabten Frauen stolz ist. Nichts wiederholen, immer etwas Neues schaffen, so lautet die Philosophie der Patchwork-Frauen.
In ihrer Arbeit gibt es nur eine Wiederholung, aber die ist Herzenssache: Für die Herzkissenaktionen für an Brustkrebs erkrankte Frauen nähen die Niederwillingerinnen Kissen. Katja Becker: "Wenn sich eine betroffene Frau für die seelische Hilfe bei uns bedankt, dann geht das schon unter die Haut."


Zum Thema:
Das älteste Patchworkstück ist ein Bahrtuch aus dem Jahre 1000 vor Christus. Es wurde in Ägypten aus der Haut von Gazellen genäht.
Die Kreuzzüge verbreiteten die Technik vom 11. bis 13. Jahrhundert in Europa. Danach wurde sie von englischen und amerikanischen Siedlerinnen weiterentwickelt.

www.patchworkgilde.de
Die Aktion Herzkissen für Frauen mit Brustkrebs ist eine deutschlandweit verbreitete Aktion.
Das Handarbeitshaus in Niederwillingen ist kein Verein, nur eine lockere Interessengemeinschaft.
Wer sich für Patchwork interessiert, ist - auch ohne handwerkliche Vorbildung - herzlich willkommen.

Termin: Zur Adventsausstellung 6./7. Dezember, jeweils 10 bis 16 uhr, Gemeindehaus Niederwillingen (Schmiedegasse), stellen die Patchwork-Frauen etwa 35 eigene Arbeiten aus.
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 08.12.2014 | 06:08  
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Hannelore Grünler aus Artern | 08.12.2014 | 20:28  
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