Die Bahn kommt. Oder auch nicht

Leider keine Bahn in Sicht. Dann nehmen wir eben das Auto.
Ich will verreisen und die Fahrkarte im Servicezentrum der Deutschen Bahn erstehen. 19 Uhr schließt es, 18.36 Uhr reihe ich mich in die Schlange der Wartenden ein. Zwei von fünf Schaltern haben geöffnet. Es dauert. Plötzlich betritt eine Frau das Zentrum, läuft an allen vorbei eilig zum Schalter und ordert eine Fahrkarte. Die Leute murren, sagen aber nichts. Die Dame kramt nach Geld. Eine Minute, zwei, fünf, sieben! Die Schalterbeamtin wartet geduldig. Ein Mann macht seinem Ärger Luft, die Dame sucht woanders weiter. 18.57 Uhr bin ich endlich an der Reihe: „Ich habe eine Frage.“ Weiter komme ich nicht, denn die Frau am Schalter tippt auf die Uhr und sagt: „Nun aber schnell, es ist gleich Feierabend.“

DAS WAR DIE VORGESCHICHTE. Das Abenteuer Bahn findet vier Tage später seine Fortsetzung.
Zugegeben, man kann mit der Deutschen Bahn und ihren Töchtern nebst Verwandten ausgesprochen preiswert fahren. Das kann sehr gut klappen, muss aber nicht. Nach einem wunderbaren Wochenende in Westfalen mache ich mich mit meiner Dana Sonntagabend 18.30 Uhr auf den Rückweg nach Erfurt. Sie hat Geburtstag und ich will nicht, dass sie den halben Tag auf zugigen Bahnsteigen verbringen muss. Sonst hätten wir eine frühere Verbindung gewählt. Die Regionalbahn kommt zwölf Minuten zu spät. Eine Tatsache, die sich für uns ungünstig auswirken wird. Wir verpassen nämlich den Anschlusszug nach Göttingen, weil der in Elze nicht gewartet hat. Eine Dreiviertelstunde Zeit, die Käseschnitten zu essen und die Lieben zu Hause zu informieren.
In Göttingen sind wir 21.50 Uhr. Ich studiere den Fahrplan. Eine Verbindung nach Erfurt ist nicht dabei.... Dana stemmt die Hände in die Hüften und argwöhnt: "Hab ich es mir doch gedacht - es fährt keiner mehr". Dass das Kind Recht hat, erweist sich Minuten später im immerhin noch geöffneten Reisezentrum. Den vor mir stehenden jungen Mann mit Ziel Nordhausen traf das gleiche Schicksal. "Warum nehmen Sie denn auch die letzte Verbindung?", wirft der Mann am Schalter ihm vor. "Morgen tritt ein neuer Fahrplan in Kraft, den würde ich an Ihrer Stelle gründlich studieren." Und zu mir sagt er: "Die Weserbahn ist keine Tochter von uns. Da sind wir raus." Ich frage nach dem ersten Zug am nächsten Tag. Die Umstände sind indiskutabel, weil ich Montag wieder arbeiten muss. Also raus zum Taxistand. Ein äußerst zuvorkommender Grieche nimmt sein Verzeichnis heraus: "Göttingen - Erfurt? Ungefähr 200 Euro." Fünf Minuten später brausen wir mit seinem dunkelblauen Hyundai los. Leichte Beklemmungen beschleichen mich, als das Taxameter 20,20 Euro zeigt und wir immer noch in Göttingen sind. In Erfurt zeigt es 200,80 Euro. Ich kenne inzwischen die komplette Lebensgeschichte des Taxifahrers - und er meine halbe.
Das Abenteuer Bahn wird noch weitergehen. Jetzt beginnt der Kampf um die Rückerstattung des Taxigeldes. Ich berichte.
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13 Kommentare
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Holger Greilach aus Erfurt | 30.07.2013 | 15:56  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 30.07.2013 | 16:09  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 30.07.2013 | 16:48  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 30.07.2013 | 18:53  
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Regina Kleiber aus Sondershausen | 30.07.2013 | 22:17  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 31.07.2013 | 09:27  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 31.07.2013 | 09:30  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 31.07.2013 | 10:39  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 31.07.2013 | 10:47  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 01.08.2013 | 13:09  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 01.08.2013 | 15:41  
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Holger Greilach aus Erfurt | 02.08.2013 | 14:00  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 02.08.2013 | 14:07  
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