Die Kunst des Lebens - Kurz vor dem Burnout beschließt Ulrike Baumann, ihrem Leben eine entscheidende Wendung zu geben

Ulrike Baumann genießt ihre wiedergewonnene Freiheit und ist bereit, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.
Arnstadt: ... | Von Jana Scheiding

ARNSTADT. „Wer mit Feuereifer an die Arbeit geht, ist auch verletzlich“, sagt Ulrike Baumann. Diese Erfahrung stammt aus einer Zeit, die die ehemalige Lehrerin für Biologie und Chemie mit unangenehmen Erinnerungen
verbindet. Burnout – eine vielgestellte Diagnose der modernen Zeit – bremste die Pädagogin plötzlich in all ihrem Tun, stellte sich ihr als unüberwindbare Barriere in den Weg. Doch wer den Mut aufbringt, etwas zu verändern,
sieht dieses mentale Hindernis offenbar nicht ewig als solches an.
Veränderungen gab es im Leben der gebürtigen Leipzigerin schon immer. Nach
dem Lehramtsstudium zog sie mit ihrem Mann nach Arnstadt. „Leipzig war mir
einfach zu groß“, findet sie noch heute und auch der Lehrerberuf fesselte sie nur sieben Jahre lang. 1988 kam der Wechsel ins Gesundheitswesen,
Abteilung Soziales. Ruhig war es hier auch nicht. Kaum hatte sich Ulrike Baumann richtig eingearbeitet, kam die Wende. „Es war spannend, die Umwandlung des Systems zu beobachten“, erinnert sie sich. „Plötzlich gab es Krankenkassen und Wohlfahrtsverbände“. Gesundheitsförderung nach westlichem Muster. Ende der Neunzigerjahre spürte Baumann, dass die gute Zeit definitiv vorbei war. „In diesem Genre sollte man nach zehn Jahren
wechseln. Das habe ich nicht erkannt.“ Natürlich wollte sie auch die gut bezahlte Stelle im öffentlichen Dienst nicht ohne weiteres aufgeben. Und
machte weiter. Während sie sich geistig täglich neu überredete, sendete der Körper eindeutige Signale: „Ich bekam Asthma, hatte depressive Phasen. So etwas kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht.“ Zwang und
Fremdbestimmung forderten der einst eher fröhlichen Natur plötzlich unmenschliche Kräfte ab. Mit 49 Jahren stand sie an der Schwelle zum
Burnout, einem subjektiven Erleben, das Außenstehende weder nachfühlen noch beurteilen können. „Ich fühlte, wie das Feuer in mir allmählich erlosch“, beschreibt die ehemalige Pädagogin das Gefühl von damals. Zwanzig Jahre nach ihrem Einstieg ins Gesundheitswesen stieg sie wieder aus. Ließ sich beraten, auch astrologisch, hütete auf einem Bauernhof Schafe und spielte Querflöte. „Ich brauchte ein Dreivierteljahr, um mich zu erholen“.
Heute ist Ulrike Baumann 52, sieht frisch und gesund aus. Und fühlt sich auch so. Als zertifizierte Gesundheitspädagogin, Fachrichtung Entspannung, ist sie ihr eigener Herr, eröffnete vor knapp drei Jahren ihre Praxis für Gesundheit und Lebenskunst. Hilft stressbelasteten Menschen via autogenem Training
und progressiver Muskelentspannung wieder auf den Level, der ihnen gut tut. „Man geht in Dialog mit seinem eigenen Körper“, erklärt die Therapeutin, „und baut ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm auf.“ Mit ihrem
Programm besucht Baumann auch Firmen. In der Volkshochschule gibt sie Seminare und veranstaltet Workshops. Auch Rückenproblembelasteten kann sie helfen. „Solange man am Leben ist“, sagt sie, „kann man immer etwas ändern.“
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