Ein Hauch von Ostalgie: Die Zwillingsbrüder Marco und Eric Eckert aus Wurzbach lassen DDR-Automobiltradition aufleben

  Wurzbach: ... |

"Riechen Sie mal." Marco Eckert öffnet die Tür eines roten Wartburgs 353. Es ist einer von sieben Oldtimern, die im Halbkreis auf dem Grundstück stehen und in der Sonne blitzen. Im Hintergrund Wald und blauer Himmel. Auf der anderen Seite der Blick über das Dorf nahe Wurzbach im Saale-Orla-Kreis. Ein schönes Ambiente.

Auf der hinteren Ablage sind original Servicehefte aus den 1970er Jahren fächerförmig aufgereiht. Unter dem Lenkrad baumelt ein original Schlüssel mit Anhänger, der die Aufschrift "Wartburg" trägt. In diesem Auto ist alles original. Auch der Geruch, wie sich nach kurzem Schnuppern herausstellt. Er entströmt Polstern und Kunststoffteilen, die vor Jahrzehnten hier eingebaut wurden. Es riecht tatsächlich nach DDR. Weder muffig noch unangenehm. Der Wagen verströmt einen Hauch von Nostalgie, den kurz nach der Wende allerdings niemand mehr atmen wollte.
"Mein Zwillingsbruder Eric und ich waren damals noch Kinder und wir haben nicht verstanden, dass Leute mit ihrem neuen Wartburg zum Schrottplatz fuhren, wo die Autos übereinandergestapelt wurden." In der Sparbüchse von Marco Eckert befanden sich zu diesem Zeitpunkt 400 Mark - der Grundstock für einen Wartburg. Die Scheine hat der junge Mann als Erinnerung aufbewahrt.
Die Liebe zur Marke "Wartburg" beginnt bei den heute 33-jährigen Zwillingsbrüdern in frühen Kindertagen. "Als wir unterwegs waren, kauften unsere Eltern einen Wartburg", erzählt Eric Eckert. "Wir haben dieses Auto geliebt. Wir nannten es Franzl und fragten jeden Morgen, bevor es in den Kindergarten ging, ob er ausgeschlafen habe. Ich erinnere mich noch an unsere Kindersitze - blau mit weißen Punkten."

Eric Eckert: "Der Lada besaß nicht halbsoviel Charme wie unser Wartburg."


Eines Tages fuhr der Motor fest, es gab keine Ersatzteile mehr und so wurde der altgediente Wartburg kurzerhand gegen einen ahorngelben Lada ausgetauscht, der nicht halb soviel Charme besaß wie das Produkt aus Eisenach. "Wir waren sehr traurig und blickten jedem Wartburg sehnsüchtig hinterher", erzählt Marco Eckert lachend.
Jahre später steckt die Leidenschaft für die Wartburg-Flotte noch immer in den Zwillingsbrüdern. Sie beschließen, ein Stück Automobiltradition aus der DDR wieder aufleben zu lassen. Die ersten Stücke - einen Wartburg 311 und einen 311er Camping mit Panoramaverglasung - restaurieren sie liebevoll. Die Besitzer hatten die Autos mit einem Kofferraum voller Ersatzteile auf dem Schrottplatz abgestellt. Weitere fünf Wartburgs folgen, die heute teils in eigenen Garagen, teils fremdeingestellt sind. Die Autos werden vor Wetterunbilden geschützt, regelmäßig bewegt und fahren mit Sonderzulassung.

Alles muss original DDR sein


"Die Originalität ist uns besonders wichtig", erklärt Marco Eckert. "Das heißt: original Teile, Kfz-Brief und Schlüssel."
Die Tipps von Freunden und Bekannten wurden mit der Zeit weniger. Im Jahr 2003 kauften die Brüder das letzte Auto. Gut erhaltene, intakte Exemplare werden heute nur noch unter Sammlern gehandelt.
Dass es eine Nostalgiewelle geben würde, hätten die Brüder nicht erwartet. "Als Filme zum Mauerfall gedreht wurden, konnten wir uns vor Anfragen von Filmstudios kaum retten", erzählt Marco Eckert, den diese Entwicklung auch ein wenig stolz macht. Der leidenschaftliche Fotograf lädt zu einer kurzen Führung durch das Haus ein, das im Erdgeschoss einer Galerie gleicht. Sie zeigt Bilder von hübschen Mädchen, die Eckert in alten Fabrikhallen oder morbiden Gebäuden in den Autos fotografiert hat. "Die meisten jungen Menschen kennen diese Autos gar nicht", wirft Bruder Eric ein. "Sie setzen sich hinein und staunen nur noch. Manche fragen sogar, ob sie mit einem unserer Wartburgs zum Abiball fahren dürfen."
"Wir leben nicht in der Vergangenheit", will Marco Eckert Missverständnissen vorbeugen. Und Bruder Eric ergänzt: "Die Autos sind ein Zeugnis aus einer Zeit, die es nicht mehr gibt. Das ist das Spannende an ihnen."

www.eckert-fotografie.de
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.05.2015 | 18:12  
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