Ein Mann lässt es krachen!

Pyrotechniker Kay Blawatt.
Unterwellenborn: ... | Kay Blawatt mag es, wenn der Himmel brennt. Wenn Farben explodieren. Wenn Goldregen langsam mit dem Himmelsschwarz verschmilzt. Blawatt darf solcherlei Spektakel das ganze Jahr lang inszenieren - der Familienvater aus Goßwitz ist Pyrotechniker. Er verdient sein Geld damit, es krachen zu lassen. Privaten Veranstaltern in Thüringen ist das außer Silvester seit 1. Juni 2011 per „Landeserlass zur Durchführung der Sprengverordnung“ nicht mehr ohne weiteres gestattet. Ausnahmen sind herausgehobene Anlässe, wie ein 50-jähriges Firmenjubiläum oder ein 90. Geburtstag.
Vor seinem Leben als einer, der anderer Leute Party zum Höhepunkt führt, war Blawatt Informatikkaufmann und handelte mit Computertechnik. Doch das war kein Job bis zur Rente „und so machte ich vor zwei Jahren mein Hobby zum Beruf“, verrät der Spezialist für Böller, Raketen und Kaskaden. „Schon als junger Mann war ich von Feuerwerken sehr angetan“, gesteht er. Sicherheit steht bei ihm an erster Stelle. „Die unmittelbare Nähe von Krankenhäusern, Altenheimen oder denkmalgeschützten Gebäuden ist tabu. Vor ungeprüfter Ware aus dem Ausland, vornehmlich dem östlichen, kann Kay Blawatt nur warnen: „Die Reaktion deutscher Erzeugnisse ist genau geprüft. Kobraböller aus Polen oder Tschechien sind unberechenbar, mitunter gehen sie los, sobald man das Feuerzeug dranhält.“ Hier zugelassenes Feuerwerk erkennt man an der BAM-Zertifizierung. Die Großbuchstaben stehen für Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung.
Und was kostet der Spaß? - „Er beginnt bei 250 Euro und endet bei astronomischen Summen“, sagt Kay Blawatt lächelnd. Feuerwerk ist immer auch ein bisschen Mathematik. Verläuft ähnlich einer Sinuskurve. „Man beginnt unten mit römischen Lichtern oder Bengalfackeln, geht dann nach oben und wieder hinab, damit sich oben der Rauch verziehen kann. Denn im Qualm verblassen die Effekte“, spricht Blawatt aus Erfahrung.
Bei der Arbeit trägt er feuerfeste Kleidung und einen Schutzhelm, denn auch die beste Qualität kann versagen. „Wenn wir es mit einem Rohrkrepierer zu tun haben, können dessen Plastiksplitter das Bein zerfetzen.“

Hintergrund:
Feuerwerk wird in vier Kategorien und T1 - Bühnen- und Theaterfeuerwerk - eingeteilt.
Entscheidend ist die Nettoexplosivmasse (Sprengkraft). Ein Tischfeuerwerk hat 0,6 Gramm, ein Komplettfeuerwerk der Klasse 2, 115 Sekunden lang, 1315 Gramm. Wer Pyrotechniker werden will, muss mindestens 21 Jahre alt sein, ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen. Alle fünf Jahre müssen ein Lehrgang mit Prüfung wiederholt und die Unterlagen eingereicht werden.
Mit 26 Helferscheinen - Hilfe bei Großfeuerwerken - darf man einen Kurs belegen, zum Beispiel an der Sprengschule Dresden.
Informationen: www.piff-paff-puff.de
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6 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 05.02.2014 | 13:19  
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Petra Seidel aus Weimar | 05.02.2014 | 14:04  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 05.02.2014 | 17:35  
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Renate Jung aus Erfurt | 05.02.2014 | 17:56  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 05.02.2014 | 19:32  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.02.2014 | 12:29  
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