Eine Rheinfahrt, die ist lustig - Arnstädter teilen sich nicht nur ein Haus, sondern auch einen Bus

  Arnstadt: ... |

Lange vor dem Aufstehen kommt an einem Herbstsamstag unweit des Wohnblocks Saalfelder Straße 1 d-f in Arnstadt ein Bus vor einer kleinen Menschenmenge zum Stehen. Mit einem leichten Zischen öffnet der Fahrer die Türen und signalisiert: Ich bin zu allen Schandtaten im legalen Bereich bereit.

Die versammelte Menge ist zum Sturm auf den Bus bereit, doch Reiseleiterin Undine Engel lässt das nicht zu. Erst wird abgezählt. Die korrekte Frau könnte es nicht ertragen, wenn nachher die Liste nicht stimmt. Bereits zwei Wochen zuvor hatte sie die Reisenden mit dem Speiseplan vertraut gemacht, um Komplikationen mit dem Mittagessen vorzubeugen.
Zielort ist Koblenz und die Menschen, die sich jetzt auf die 53 Plätze im Bus verteilen, haben fast alle etwas gemeinsam: sie wohnen im Haus Nummer 1 d-f. Es sind nur wenige Gäste mit von der Partie.
Reiseleiterin Undine Engel nimmt Platz neben dem Busfahrer, dessen komplizierten Namen sich die Allgemeinheit gar nicht erst merken will. "Nennen Sie mich einfach Sven", bietet er an und damit ist die Sache entschieden.
Sven lenkt den Bus über Gießen und Frankfurt in den Sonnenaufgang hinein. Es wird ein schöner Tag. Undine Engel hat sich gut vorbereitet und kann zu jeder Stadt etwas erzählen.
Kurz nach 10 Uhr ist das erste Ziel erreicht: Das Deutsche Eck in Koblenz. Später soll in eine Gaststätte am Rheinufer eingekehrt werden.
Ein Wetter wie zu Kaisers Zeiten und absolut passend zum Deutschen Eck. Die künstlich aufgeschüttete Landzunge liegt an der Mündung der Mosel in den Rhein. 1897 wurde hier ein monumentales Reiterstandbild des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. errichtet. Heute ist das Deutsche Eck Wahrzeichen der Stadt Koblenz. Eine Art Wahrzeichen ist auch die 890 Meter lange Rheinseilbahn, die das Rheinufer mit dem Plateau vor derFestung Ehrenbreitstein verbindet. Die Luftseilbahn ist ein Ergebnis der Bundesgartenschau 2011.
Nach dem Mittagessen geht es weiter nach Rüdesheim. Busfahrer Sven steuert den Bus auf die Aussichtsplattform des Loreleyfelsens bei St. Goarshausen. Was viele nicht wissen: Die Frau, die Schiffer ins Verderben gelockt haben soll, sitzt gar nicht auf dem Felsen, sondern auf einer Landzunge unterhalb desselben. Doch Undine Engel weiß: "Auf dem Felsen gibt es eine kleinere Version aus Stein."
An der Loreley ist der Rhein 25 Meter tief und nur 113 Meter breit. Wegen dieser Enge zählt die Stelle zu den gefährlichsten des Flusses. Entgegenkommende Schiffe müssen sich via Lichtsignale verständigen.
Am Nachmittag kann sich jeder die Zeit in Rüdesheim vertreiben. Ihre Bekanntheit lässt sich die Gastronomie gut bezahlen. Ein Rüdesheimer Kaffee kostet 6,80 Euro und für die Toilettenbenutzung werden extra Gebühren erhoben.
Höhepunkt ist die Fahrt mit der Seilbahn über die Weinberge von Rüdesheim mit einem schier atemberaubenden Blick übers Land.
Als es zwei Stunden später nach dem Genuss von Svens Würstchen mit Toastbrot wieder auf die Rückreise geht, bittet ein Mitbewohner Undine Engel um das Mikrofon. „Ich hätte nicht gedacht, dass diese Fahrt so harmonisch und interessant verlaufen würde“, sagt er. „Ich denke, dass dieses Erlebnis uns alle noch ein Stück näher zusammengebracht hat.“ - Der nächste Ausflug kommt also bestimmt.


Hintergrund:
Die Vereinigte Wohnungsgenossenschaft Arnstadt von 1954 eG (VWG) wünschte sich mehr Hausgemeinschaften wie jene in der Saalfelder Straße 1 d-f. Die Mieter im schönsten Wohnblock der Gegend halten Ordnung, pflegen Haus, Gärtchen und die Ruhezone hinter dem Block und feiern ab und an im kleinen Kreis von etwa 100 Personen. Dafür backen die Frauen Kuchen, die Männer werfen den Grill an und man lädt Gäste ein, die das Ganze kulturell bereichern.
2013 feierte die Hausgemeinschaft 30-jähriges Bestehen ihres Wohnblocks. Dafür erarbeitete die gute Seele des Hauses, Undine Engel, mit ihren Mitstreitern eine Chronik.
Undine Engel ist nicht nur VWG-Vertreterin und vermittelt zwischen Mietern und Vermieter. Sie ist auch die Frau fürs soziale Miteinander und organisiert jedes Jahr ein Frühlings-, ein Herbstfest und eine Weihnachtsfeier. Seit einiger Zeit wird sogar gemeinsam verreist. Engel und ihr Orga-Team planen dann die Reise von A bis Z durch.
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 19.11.2014 | 21:21  
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Hannelore Grünler aus Artern | 20.11.2014 | 18:06  
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