Gegenbilder

Gerhard Meyer stellt im Stadtmuseum Saalfeld aus.
Saalfeld/Saale: ... | Wenn Gerhard Meyer mit Frau und Fahrrad in der Welt unterwegs ist, sind Kamera und Skizzenblock stets im Gepäck. Und es passiert nicht selten, dass er plötzlich an die Seite fährt, um die Natur aufzunehmen, wie er sie in diesem Moment empfindet. Später, zu Hause, entstehen Bilder und Zeichnungen in konsequenter Klarheit. Meyer ist kein romantischer Naturschwärmer. Er sucht Motive mit schneidenden Senkrechten, Winkeln und Kanten. Arbeitet sie als architektonische Blöcke in Naturszenen ein. Seine Bilder will der Künstler als Gegenbilder verstanden wissen. Kontraste zu unserer pulsierenden und chaotischen Welt.

Zu seinem 70. Geburtstag stellt der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Saalfeld etwa 50 Ölbilder und Zeichnungen im wunderschönen Stadtmuseum aus. Das ehemalige Franziskanerkloster, 1999 nach zehnjähriger Sanierung wiedereröffnet, bietet Meyers Motiven ein würdiges Ambiente. Die Motive selbst ziehen den Betrachter in ihren Bann. Der Blick verliert sich sowohl in der filigranen Lineatur blattloser Bäume als auch sich in der Bildtiefe verlierenden Wegen, ruht auf schneebedecktem Land und vereisten Pfützen, verfolgt ausgetretene Stufen, Gleise zwischen Mauerfronten und kollidiert mit Marodem, Bröckelndem, Verfallendem, Abgeschiedenem, Melancholischem. Seit Jahrzehnten gehört die Kunst zu Gerhard Meyers Leben. „Ich wuchs damit auf“, sagt er. „Mein Vater war ein begnadeter Maler, kannte sich in Kultur- und Kunstgeschichte sehr gut aus. Ich bewunderte ihn und durfte ihm oft über die Schulter sehen.“

Als Jugendlicher versucht sich Meyer selbst in der Malerei, findet sich aber nicht gut genug. Doch der Autodidakt gibt nicht auf. „Die Malerei war immer ein wohltuender Ausgleich zur Arbeit. Für mich wie eine Therapie“, erzählt er. In seinem Berufsleben hatte Meyer viel mit Menschen zu tun. Sowohl in der Forschungsabteilung des Chemiefaserkombinats als auch nach der Wende in der Verwaltung. Da kam ihm die Abgeschiedenheit an der Staffelei im heimischen Arbeitszimmer gerade recht. Auch im Ruhestand gehören die Ölbilder, Kohle- und Sepiazeichnungen zum unverzichtbaren Lebensinhalt. Die Natur bietet da unerschöpfliche Motive. „Man muss nur ein Auge dafür haben“, bringt es Meyer auf den Punkt. Die Frage, wie lange er an einem Bild arbeitet, mag er nicht beantworten. „Es ist die schlimmste Frage, die man mir stellen kann“, sagt er ernst. „Ein Bild kann mehrere Tage, aber auch viele Wochen in Anspruch nehmen. Das ist nicht zuletzt eine Frage der Inspiration.“

Nach Ausstellungen in Chemnitz, Gera, Erfurt und regionalen Städten zeigt Gerhard Meyer seine Kunst nun am Münzplatz 5 in Saalfeld. Eröffnet wird die Ausstellung am 15. Februar, 11 Uhr. Zu sehen ist sie bis 27. April.


Zur Person:
1944 geboren 1962 Abitur in Saalfeld 1962 bis 1963 Lehre als Betonfacharbeiter 1963 bis 1969: Textiltechnologie-Studium in Dresden 1969 bis 1990: Forschungsmitarbeiter im Chemiefaserkombinat Schwarza 1990 bis 2205: Kultur- und Sozialdezernent der Stadt Saalfeld seit 2005 im Ruhestand stellte unter anderem in Lobenstein, Rudolstadt, Saalfeld, Schwarza, Unterwellenborn und Weida aus.
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 21.02.2014 | 00:09  
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.02.2014 | 01:25  
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Renate Jung aus Erfurt | 21.02.2014 | 13:03  
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