Gesundheit ist vergänglich - Thomas Baum aus Gehren erlebte, wie sich das Leben von heute auf morgen ändern kann

Drei Tage vor der Operation heirateten Thomas Baum und seine langjährige Partnerin Katja Heinz im Helios-Klinikum Erfurt. (Foto: Helios)
 
Die Unterschrift, die alles besiegelt. (Foto: Helios)
Gehren: ... |

Manchmal wissen wir unsere Gesundheit nicht zu schätzen, sehen sie als Selbstverständlichkeit. Dass es damit von heute auf morgen vorbei sein kann, erlebte der Gehrener Thomas Baum.

Thomas Baum ist ein lebensfroher, sympathischer Mann, mit dem man gern einen Schwatz macht. In seiner Heimatstadt Gehren betreibt er einen kleinen Baumarkt, engagiert sich in der Feuerwehr und in der Politik. Familie, Freunde, Nachbarn, seine Lebenspartnerin Katja Heinz wissen, dass sie immer auf den Thomas zählen können. Im Frühjahr 2015 macht Baum, Jahrgang 1968, Urlaub in der Türkei. Er schnorchelt, schaut sich interessante Stätten an, genießt die freie Zeit. Kurz darauf ist er zu Hause wegen des jährlichen Routinechecks für die Feuerwehr bei seinem Hausarzt bestellt. Vielleicht kann dieser sich gleich um das unangenehme Ziehen vom Hals in Richtung Schulter kümmern, hofft Baum und ahnt nicht, dass jener Donnerstag im Juni sein Leben auf den Kopf stellen wird.

Das MRT zeigt einen Tumor im Schläfenlappen der rechten Hirnhälfte. Dort, wo der Mensch Sprache versteht, Geräusche ortet, sein Kurzzeitgedächtnis hat. Eine Operation, erklären die Ärzte der Helios-Klinik Erfurt, sei unausweichlich, das Risiko heftig: „Nicht mehr sprechen, sehen, hören können oder gar nicht mehr aufwachen“, erinnert sich Thomas Baum über ein halbes Jahr später an das Schreckensszenario.

Hochzeitsmahl am Krankenbett


Mit seiner Partnerin ist er zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre zusammen. Trotzdem wäre sie über seinen Zustand kaum informiert worden. Und so beschließt das Paar, wenige Tage vor der Operation zu heiraten. „Ich durfte das Krankenhaus nicht verlassen, also ließen wir uns dort trauen. Meine Partnerin wusste, worauf sie sich einlässt und hat trotzdem keinen Moment gezögert“, sagt Baum gerührt. „Wie oft habe ich mit den Feuerwehrkameraden Hochzeitsbäume aufgestellt, nur für meine eigene Hochzeit durfte ich das nicht.“ Baum ist evangelisch und betet einen Abend vor der Operation mehrere Vaterunser. Am 3. Juli wird er neun Stunden lang operiert. „Als ich aufwachte, hatte ich 43 Klammern im Kopf, dafür keine neurologischen Schäden. Ich war unendlich erleichtert und dankbar.“ Geschmacks- und Geruchssinn spielen ihm heute manchmal einen Streich: „Dann schmeckt mein Lieblingsessen nicht oder ich rieche Parfüm, wo keines ist.“

Die Ursachen für Tumorbildungen kann niemand exakt benennen. Stress, Plastikweichmacher, elektromagnetische Strahlungen tragen möglicherweise dazu bei. Eines, sagt Thomas Baum, sei jedoch ganz sicher: „Tumoren ernähren sich von weißem Zucker.“ Seine Ernährung hat er umgestellt, auf mehr Obst und helles Fleisch. Der Mann hatte wohl Glück im Unglück: Sein Tumor der Klasse 3 wuchs zwar, bildete aber keine Metastasen.

"Heute muss ich oft überlegen, ob ich das schaffe."


Vor der Diagnose nahm Thomas Baum das Leben leicht, ließ sich kaum aus der Ruhe bringen. „Ich sagte so dahin, dass wir irgendwann alle mal an irgendeinem Krebs sterben würden. Dass ich so schnell dabei sein würde, hätte ich niemals gedacht.“ Über seine Krankheit redet er viel, arbeitet sie auf. Das tut gut, sagt er. Seine Ämter hat er niedergelegt. Nur vom Feuerwehrpieper kann er sich nicht trennen. „Früher war ich einer der ersten, heute könnte ich den Einsatz nur machen, wenn ich mich dazu in der Lage fühle. Es war kein Thema, dem Nachbarn die Waschmaschine in den vierten Stock zu tragen. Heute muss ich bei jeder Aktion überlegen, ob ich das schaffe“, beschreibt er und schüttelt den Kopf, als könne er es immer noch nicht glauben.

Thomas Baum hat gelernt, auf die Signale seines Körpers zu hören, achtsamer mit seiner Gesundheit umzugehen. Viele Freunde, denen er in gesunden Zeiten half, sind heute für ihn da. Viel Kraft gibt ihm Noah, ein zweijähriger Sonnenschein aus dem Freundeskreis. „Heilung funktioniert auf diese Weise ohne Rezept“, sagt Thomas Baum lachend und sieht für einen kurzen Moment aus, als hätte es diesen Albtraum in seinem Leben nie gegeben.

Ein rauschendes Hochzeitsfest gab es bislang noch nicht. Dies und die kirchliche Trauung sollen im kommenden Sommer stattfinden. Davon hat Thomas Baum ganz klare Vorstellungen: „Ich wünsche mir eine lange Hochzeitstafel mit einer Menge Torten und vielen Gästen.“
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4 Kommentare
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Katrin Treydte aus Erfurt | 26.01.2016 | 16:27  
6
MARINA ESCHER aus Ilmenau | 26.01.2016 | 19:03  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 26.01.2016 | 22:51  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 28.01.2016 | 21:00  
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