Gewalt gegen Frauen? - Geht gar nicht! Heute Aktionstag in der ganzen Welt, Deutschland und Thüringen

Ursula Günther (links) und Angelika Kowar mit der blauen Fahne, die weltweit für die Frauen gehisst wird.
 
In Arnstadt haben Kinder in einem Projekt Plakate gestaltet.
Arnstadt: ... |

Statistisch gesehen ist jede vierte Frau in Deutschland Opfer von Gewalt. Weltweit sind es bedeutend mehr. Mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wollen Menschenrechtsorganisationen mobil machen.

Einer Statistik des Bundes zufolge werden in Deutschland 24 Prozent der Frauen Opfer von Stalking, 42 Prozent erleben psychische Gewalt und nur 20 Prozent suchen Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen auf.
Frauen stärken und ihnen im Notfall beistehen - hier sehen Menschenrechtsorganisationen seit langem Handlungsbedarf. Seit 1981 organisieren sie jedes Jahr zum 25. November Veranstaltungen, um die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken und initiierten den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Das Thema ist auch den Thüringern ein Anliegen. Im Ilm-Kreis beispielsweise arbeitet seit 2003 das Netzwerk gegen Gewalt, das den Hilfeprozess enorm beschleunigt. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach dazu mit Ursula Günther, Gleichstellungs-, Ausländer- und Behindertenbeauftragte des Ilm-Kreises, und Angelika Kowar, Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte der Stadt Arnstadt.


Wo beginnt Ihrer Ansicht nach Gewalt?
Ursula Günther: Mit jedem Versuch von außen, mich gegen meinen Willen zu etwas zu zwingen. Wobei die Wahrnehmung sehr unterschiedlich ist - hier spielen Erfahrungen und Schmerzgrenzen eine wichtige Rolle.
Angelika Kowar: Gewalt beginnt für mich mit der Missachtung meiner Persönlichkeit, mit respektlosem Verhalten, Vertrauensverlust. Gewalt muss nicht immer physisch sein.

Sind Opfer selbst schuld, wenn ihnen Gewalt widerfährt?
Ursula Günther: Grundsätzlich nicht! Jedoch gehören zur Gewalt immer zwei - jemand, der Grenzen testet, und jemand, der sie setzt. Aber nicht jeder Mensch kann sich wehren, deshalb kann man ihm nicht die Schuld an der Situation geben.

Weshalb wurde 2003 das Netzwerk gegen Gewalt im Ilm-Kreis gegründet?
Ursula Günther: Die Behörden registrierten damals viele Fälle von häuslicher Gewalt und Betroffene mussten einen langen Instanzenweg zurücklegen, bevor ihnen geholfen werden konnte. Das war für uns die Intention, Behörden und Schutzeinrichtungen so miteinander zu vernetzen, dass den Frauen schnell geholfen werden konnte. Heute sind alle Beteiligten sehr gut aufeinander eingespielt und können sofort reagieren. 2008 richteten Landratsamt und Polizei die Arbeitskreise Gefahrenabwehr, Beratung und Migration ein, um zielgerichteter zu arbeiten.
Angelika Kowar: Ich glaube, dass das Bewusstsein der Menschen für solche Situationen gewachsen ist. Sie sehen nicht mehr so oft weg wie früher. Gewalt wird in unserer Gesellschaft gern tabuisiert.

Deshalb soll der Aktionstag die Menschen sensibilisieren?
Ursula Günther. Ja. Mit Gewalt beschäftigen sich die Menschen ungern. Wir wollen sie mit Veranstaltungen motivieren, ein wenig mehr aufeinander zu achten.
Angelika Kowar: Es gibt mutige Menschen, die nicht wegschauen, wenn jemandem in der Nachbarschaft Böses widerfährt. Davon braucht unsere Gesellschaft mehr.


Zur Sache:
An jedem 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt. Hintergrund: 1960 wurden in der Dominikanischen Republik drei Frauen von Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo verschleppt, vergewaltigt und ermordet.
Seit 1981 wird weltweit durch Aktionen, Projekte und Veranstaltungen dazu aufgerufen, Gewalt gegen Frauen zu beenden.
In 90 bis 95 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt sind Frauen Opfer (jede Vierte). Jede Siebente musste mindestens sexuelle Nötigung erleben.
Seit 2002 setzt Thüringen auf stärkere Kooperation und Vernetzung. Es gibt 15 Frauenschutzhäuser, 4 Interventionsstellen und die Landesstelle Gewaltprävention im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit.
Hilfetelefon des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: 08000/116016
www.hilfetelefon.de
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3 Kommentare
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 25.11.2016 | 16:49  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 25.11.2016 | 18:38  
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 25.11.2016 | 19:30  
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