Göttliche Fügung: Der neue Vikar im Geratal - Johannes Burkhardt - im Gespräch

Johannes Burkhardt ist Vikar im Geratal. Der passionierte Skifahrer freut sich auf den Winter.
Geraberg: ... | In der evangelisch-lutherischen Kirche gibt es kaum Weihrauch, nur zwei Sakramente, und der Abendmahlswein ist nicht immer ein guter Dornfelder Roter, sondern oft Weißwein. In etlichen Gemeinden wird sogar Traubensaft gereicht. Johannes Burkhardt kennt sich aus in liturgischen Dingen. Er studierte knapp sieben Jahre lang Theologie und arbeitet nun als Vikar in der Kirchgemeinde Geratal. Lange wusste der 26-Jährige nichts von seiner Berufung. Wie er zur Kirche fand, erfuhr AA-Redakteurin Jana Scheiding beim Spaziergang durch einen goldenen Herbsttag.

Was bedeutet die Bezeichnung Vikar?
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Statthalter oder Stellvertreter. Er ist das Pendent zum Referendar in weltlichen Berufen.

Zwei Jahre lang sind Sie im Geratal eingesetzt. Worin bestehen Ihre Aufgaben? Zurzeit arbeite ich gemeinsam mit Religionslehrerin Bärbel Stade am Goethegymnasium in Ilmenau. Vor kurzem hielt ich meine erste eigene Stunde, im Dezember werden es etwa sechs Wochenstunden sein. Nebenbei lerne ich an der Seite von Pfarrer Stefan Wohlfarth, wie Gottesdienste gestaltet werden, wie Gemeindearbeit funktioniert.

Wie nehmen Schüler den Religionsunterricht wahr?
Am Goethegymnasium besucht etwa ein Viertel der Schüler eines Jahrgangs evangelischen Religionsunterricht - aus unterschiedlichen Motiven. Einige tun es aus Glaubensgründen. Andere, weil die Eltern es wollen, aus Interesse oder weil sie sich eine bessere Note als in Ethik erhoffen.

Sie stammen aus einer christlichen Familie. War Pfarrer ein früher Berufswunsch?
Keineswegs. Zuerst wollte ich Tischler werden, dann Förster, später Vermessungsingenieur. Doch ein Praktikum zeigte, dass mir dieser Beruf überhaupt nicht liegt. Während meines Zivildienstes betreute ich in Israel ein Jahr lang behinderte Menschen. Christen, Muslime, Juden - alle so dicht nebeneinander - das faszinierte mich. Ich wollte mehr über Glaubensfragen erfahren und begann 2006 mit dem Theologiestudium.

Welche Unterrichtsfächer hatten Sie - und welches Prüfungsthema?
Zum Studium gehören unter anderem alte Sprachen, also Hebräisch, Latein, Griechisch, Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Judaistik, Konfessionskunde. Im Alten Testament beispielsweise wählte ich die Urgeschichte als Einsprechthema. Die Prüfungsfragen bezogen sich dann speziell auf Noah und die Flut. Glauben Sie mir, zwanzig Minuten können da ziemlich lang werden.

Was reizt Sie an der Kirchenarbeit?
Es füllt mich aus, gemeinsam mit Menschen etwas zu entwickeln, sie auf ihrem Weg zu begleiten, in allen Lebenslagen.

Bleibt Zeit für Persönliches?
Ausreichend. Ich singe im Gemeindechor, wandere und reise gern. Es vergeht kaum ein Jahr ohne einen Besuch an der Ostsee. Mein Traum ist ein Urlaub in Island - darauf muss ich aber noch sparen. Außerdem fahre ich leidenschaftlich gern Ski und bin seit meinem 10. Lebensjahr Fan von Hansa Rostock. Vor kurzem habe ich eine Wohnung in Geraberg bezogen. Mit meiner Freundin, die in Erfurt wohnt und studiert, kann ich endlich einen Tango-Tanzkurs belegen.

Und Familie...?
Ich fahre, so oft die Zeit es erlaubt, nach Hause. Meine Eltern und fünf Geschwister leben in Sachsen und es herrscht immer Trubel, wenn wir zusammen sind. Familienfeste sind aber überschaubar, weil wir alle noch keine Kinder haben.

Hatte Ihre Mutter für alle sechs Kinder Zeit?
Sie nahm sich die Zeit. Und dann hatten wir ja uns untereinander. Zwischen meiner ältesten Schwester und meinem jüngsten Bruder liegen 13 Jahre. Ich erinnere mich gern an meine Kindheit. Meine Großmutter ist mit jedem von uns verreist. Obwohl sie nicht viel Rente bezieht, durften wir viel von der Welt sehen. Wir wohnten alle in einem Haus auf dem Land zwischen Dresden und Meißen - das Familienleben war wunderbar.

Welche ist für Sie die schönste Zeit des Jahres?
Die Adventszeit. Das war schon immer so.

Was sammeln Sie?
Räuchermänner. Ich habe schon fünf Stück.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Da liegen mehrere. Zum einen „Was ich glaube“ von Hans Küng und „Als wir träumten“ von Clemens Meyer. Meyer wuchs im Leipziger Osten auf, wo auch ich jahrelang lebte.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.10.2013 | 20:06  
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