Goldrichtig: Mit ihrer Erfindung wollen Universitätsprofessor Stefan Sinzinger und sein Team AMD-Patienten zu neuer Lebensqualität verhelfen

AMD-Patienten im Blick: Prof. Stefan Sinzinger von der TU Ilmenau.
 
Sinzinger mit dem insektenaugeähnlichen Prisma.
Ilmenau: ... | Hauptsache, die Optik stimmt! - Mit diesem Slogan auf seiner Kaffeetasse und unzähligen Buttons demonstriert Professor Stefan Sinzinger von der Technischen Universität Ilmenau, dass er mit Leib und Seele Optiker ist. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern Matthias Hillenbrand und Beate Mitschunas holte er für seine patentierte Erfindung - eine Brillenfolie für AMD-Patienten - auf der Nürnberger Erfindermesse iJENA die Goldmedaille, die dem Team am 5. Dezember überreicht wird. Angeschoben wurde das vom Freistaat, der Thüringer Aufbaubank und dem Europäischen Strukturhilfefonds geförderte Projekt "Erforschung der opto-neurologischen Rehabilitation für AMD-Patienten (Onera)" im Jahr 2011, gemeinsam mit dem Fachgebiet „Biomedizinische Technik“ der TU Ilmenau und der Ophtalmo Innovation GmbH des Vereins Medways Jena.
Wie Sinzinger AMD-Patienten helfen kann, ließ sich Jana Scheiding von dem Spezialisten für Technische Optik erläutern.



Sie habe eine "selbstklebende, mikrostrukturierte Brillenfolie für AMD-Patienten" erfunden. Was ist AMD und wer ist davon betroffen?
AMD ist die Abkürzung für "altersbedingte Makula-Degeneration", eine Volkskrankheit, die mit steigender Lebenserwartung zunehmen wird. In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen unter dieser stoffwechselbedingten Augenerkrankung. AMD führt zu einem kompletten Sehverlust im Bereich der zentralen Netzhaut - an der Stelle des schärfsten Sehens. Eine Therapie gibt es bisher nicht, man kann den Prozess mit Medikamenten lediglich aufhalten.

Inwieweit kann Ihre Erfindung Betroffenen helfen?
Die dünne Folie wird an normalen Brillengläsern angebracht und kann dem Patienten individuell angepasst werden. Sie lenkt die Bildinformation aus dem zentralen Sichtbereich in umliegende, noch intakte Wahrnehmungsbereiche des Auges um und stellt sie dort vergrößert dar. Durch eine Facettierung ist die Wirkung ähnlich einem Insektenauge. Ein AMD-Patient könnte sich mit diesem Verfahren wieder allein orientieren, er könnte im Internet surfen oder lesen.

Kann man das Gehirn so einfach überlisten?
Auf der Makula ist die Dichte der Rezeptoren am größten, deshalb sehen wir dort am schärfsten. Bei AMD entsteht in diesem Zentrum ein blinder Fleck. Den Fleck kann man nicht verschieben, aber die Information kann man auf gesunde Bereiche der Netzhaut umleiten. Schaut der Patient durch die Folie, sieht er zwar ein verzerrtes, deformiertes Bild, an das sich das Gehirn jedoch nach kurzer Zeit gewöhnt.

Was bedeutet es für Sie, Menschen neue Lebensqualität zu schenken?
Uns Wissenschaftler treibt um, Neues zu entwickeln und ich bin von der Optik begeistert. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass die Firma XY mit unseren Geräten arbeitet. Dass es da noch einen anderen Aspekt gibt, war mir nicht bewusst. Seit bekannt ist, dass wir auf diesem Gebiet forschen, bekomme ich viele Anrufe von Betroffenen, die mir ihre Situation schildern. In diesen Gesprächen wurde mir bewusst, wie viele Menschen mit AMD es gibt und dass unsere Erfindung für sie ein Segen sein kann. Das motiviert mich ungemein.

Wie lange wird es dauern, bis die Forschung ausgereift ist und die Folie auf den Markt kommt?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Mit einem Batzen Geld könnte man die Dinge sicherlich vorantreiben. Unsere Erfindung wurde bisher mit etwa einer Million Euro gefördert. Jetzt müssen Prototypen für Versuchsreihen produziert werden. Deshalb sind wir auf der Suche nach Partnern aus der Industrie.
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5 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.11.2013 | 23:00  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 29.11.2013 | 01:10  
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Hannelore Grünler aus Artern | 29.11.2013 | 12:54  
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Antje Hellmann aus Jena | 02.12.2013 | 12:58  
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Hannelore Grünler aus Artern | 02.12.2013 | 16:30  
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