Gottes Botschafterin in Ilmenau: Pastorin Christine Behrend tut Gutes für die Seele

Pastorin Christine Behrend (links) bei der Amtseinführung im vergangenen Jahr im Raum der Stille der Ilm-Kreis-Kliniken am Standort Ilmenau. (Foto: Matthias Keschke)
 
Pastorin Christine Behrend fand über den Umweg einer Augenoptikerausbildung zur Theologie. (Foto: privat)
Ilmenau: ... |

Drei Viertel ihrer Dienstzeit ist Pastorin Christine Behrend für die Gemeinden Unterpörlitz, Pörlitzer Höhe und Heyda zuständig. Sie bereitet Veranstaltungen und Gottesdienste vor, kümmert sich um Pfarramtsverwaltung und Kirchenbau und macht Gemeindebesuche. Zu einem Viertel - donnerstagnachmittags und freitagvormittags - arbeitet sie als Seelsorgerin in denIlm-Kreis-Kliniken am Standort Ilmenau und ist dort auch für jene Menschen da, die keiner Konfession angehören.


Es ist die erste derartige Stelle, die das Krankenhaus im Sommer 2014 einrichtete – für beide Standorte. In Arnstadt hat ihre Kollegin Christiane Kahlert gleichzeitig mit dieser Arbeit begonnen. Finanziert werden die Stellen zunächst drei Jahre lang von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM).
AA-Autorin Jana Scheiding sprach mit Christine Behrend über die Arbeit am Krankenbett, Wünsche und Hoffnungen.


Was bedeutet Ihnen Kirche?
Kirche war für mich immer ein Zufluchtsort. Eigentlich sollte ich Apothekerin werden, doch das wollte ich nicht. Ich lernte Augenoptikerin, studierte später Theologie in Berlin. Ich denke, man muss etwas durchbrechen, um anders zu werden als die Eltern. Ich liebe Sprache und Literatur und bin gern mit Menschen zusammen, also suchte ich mir einen Beruf, in dem all das ist. Ich habe verschiedene Seelsorgeausbildungen gemacht, zu denen Rollenspiele, Wahrnehmung und Selbsterfahrung gehörten.

Wenn Sie Ihre Arbeit im Krankenhaus mit drei Begriffen erklären müssten, wie würden diese Begriffe lauten?
Begleitung fürs Spirituelle, für Sinn- und Lebensfragen.

Sie treffen dort auf Menschen, die die Kirche ablehnen. Wie gehen Sie damit um?
Viele Gespräche beginnen mit dem Thema Kirche. Immer wieder begegne ich Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Dann frage ich nach dem Warum - das ist ein guter Einstieg. Ich will weder bekehren noch jemandem etwas aufoktroyieren. Ich kann mit den Menschen lediglich Handlungsmöglichkeiten suchen. Manchmal entstehen aus anfänglichen Blockaden lockere Gespräche und ich staune, wie wir gegenseitig Bilder aufgreifen. Es passiert selten, dass ich zu dem Menschen überhaupt nicht durchdringe. Aber auch damit muss ich leben.

Gibt es für jedes Problem eine Lösung?
Nein. Jedenfalls nicht sofort. Am Krankenbett unterbreite ich Gesprächsangebote. Ich erinnere die Menschen an ihre Kraftressourcen. Das ist schon ein gutes Stück des Weges zur Problemlösung.

Wenn Sie jemanden aus Ihrer Gemeinde "erwischen", ist Ihre Arbeit sicher einfacher?
Ja, dann kann ich diesen Menschen gezielt besuchen. In diesem Fall ist die Beziehung eine andere, tiefere. Das finde ich sehr schön.

Wo sehen Sie sich im Krankenhaus?
Ich sehe mich als Botschafterin Gottes. Ich kann mich gut einfühlen, in andere Menschen hineinversetzen. Die Seelsorgearbeit im Krankenhaus ist eine schöne, eine bereichernde Arbeit. Ich bin immer neugierig auf die Menschen, auch wenn ich manchmal unsicher bin und denke: "Was hat das Gespräch jetzt in ihm bewirkt?" Im Übrigen bin ich nicht ausschließlich für Patienten da, sondern Ansprechpartner auch für das Pflegepersonal und die Ärzte.

Lassen Sie sich von Einzelschicksalen herunterziehen?
Ich kann zuhören, nehme wahr, bleibe aber auf Distanz. Wenn jemand gestorben ist, sind viele Menschen unbeholfen und unsicher. Dann ist es wichtig, der Familie zu signalisieren, dass der Verstorbene in den Gedanken bleibt.

Gehört die Palliativstation zu Ihrem Aktionsradius?
Nein, nicht direkt. Als die Station vor fünf Jahren aufgebaut wurde, war ich eine Zeitlang festes Teammitglied als Seelsorgerin. Jetzt ist dort mein Kollege Jürgen Friedrich, Pfarrer im Ruhestand, tätig. Von meiner damaligen Tätigkeit kenne ich natürlich noch die meisten Schwestern. Deswegen bin ich gern mal dort. Manchmal wird auch ein Patient innerhalb des Hauses verlegt und ich besuche ihn dort weiter.

Wie finden die Menschen den Weg zu Ihnen?
Ein an der Pforte hinterlegter Zettel genügt. Das funktioniert schon ganz gut. Für solch ein großes Krankenhaus ist das eine Leistung. Aber es könnte noch besser sein. Natürlich können die Patienten auch über das Pflegepersonal und die Ärzte auf mich zukommen. Ich verfüge über ein Büro und darf den Raum der Stille für Andachten nutzen, worüber ich sehr froh bin.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit im Krankenhaus?
Ich wünsche mir Feedback. Zutrauen zur Seelsorge. Traumhaft wäre es, wenn die Schwestern irgendwann wissen: die Seelsorgerin können wir empfehlen. Idealerweise bieten sie die Gesprächsmöglichkeit schon bei der Aufnahme an. Auch während des stressigen Tagesgeschäfts. Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen: Da ist jemand, der mir Kraft gibt.
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