Gräfenrodas Uhrgeschichte

Stöbern gern in der U(h)rgeschichte: von links Ursula Schwientek, Harald Siefert und Rotraut Greßler.
 
Die Kühn'sche Turmuhr in der Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim.
Gräfenroda: ... | Dornheim hat eine. Ichtershausen auch. Arnstadt sogar mehrere und auch Gotha
liebt seine Turmuhren aus Gräfenroda. Etwa 150 Jahre lang produzierte und exportierte die dort ansässige Firma Kühn Turmuhren. Die 2016 in der Reihe „Gräfenroda – Beiträge zur Heimatgeschichte“ erscheinende Festschrift
soll diese Firma besonders würdigen. Dafür engagieren sich drei Gräfenrodaer
Heimatfreunde: Rotraut Greßler, Ursula Schwientek und Harald Siefert. Jede
Woche trifft sich das historisch interessierte Trio im Schwientek‘schen Wohnzimmer, um Rechercheergebnisse auszuwerten.
Die Heimatautorin Rotraut Greßler ist von der Geschichte fasziniert: „Innerhalb von über 150 Jahren vollzogen sich Aufstieg und Niedergang der Kühn-Dynastie“, ergaben ihre Nachforschungen. Auch Ursula Schwientek kann nicht genug Informationen bekommen: Sie ist eine geborene Kühn und somit Nachfahrin.
1816 gründet sich die Firma Kühn – Schlosser und Turmuhrenbauer – in Gräfenroda. Bis in die 1930er-Jahre wird der Ort zu den reichsten in Thüringen zählen. Auf sich aufmerksam macht die Geschäftsführung mittels Zeitungsanzeigen. Die erste Uhr baut das Unternehmen 1816 in den Turm der Traukirche Johann Sebastian Bachs in Dornheim ein. Nummer zwei bekommt 1819 das Weimarische Cammerguth Heilsdorf, das Schloss in Elgersburg 1821
Nummer drei, Nummer vier bleibt in Gräfenroda. Weitere Uhren gehen unter anderem nach Arnstadt (Rathaus, Neideckturm, Krankenhaus, Schwimmbad), Crawinkel, Waltershausen, Amerika und Hongkong. Vermutlich schmückt die Turmuhr aus Thüringen noch heute das dortige Hafenzollgebäude. In Angelroda zieht Zeitzeuge Karl-Heinz Fabig täglich die Kühn‘sche Turmuhr auf.
„Das Unternehmen beschäftigte sich nicht ausschließlich mit Uhren“, weiß
Ursula Schwientek. „In einem historischen Kalender liest man auch handschriftliche Notizen über Wetteraufzeichnungen und die Produktion
von Kartoffelreibemaschinen für Thüringer Klöße.“
Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Turmuhren. Die Firma beliefert Rathäuser, Kirchen, Schulen, Institutionen und Fabriken. In den 1940er-
Jahren sterben die Kühns aus. 1959 installiert der letzte Pächter, Erich Kloß, die letzte Uhr als sein Meisterstück im Waltershäuser Rathaus, die heute als eine von drei Originaluhren im Heimatmuseum Gräfenroda zu sehen ist. Bis
1972 – dem Schließungsjahr – werden keine Uhren mehr produziert, sondern nur noch instand gesetzt.
„Heute wäre das Unternehmen eine Weltfirma“, sagt Harald Siefert und bittet: „Wir möchten wissen, wo weitere Uhren von Kühn eingebaut wurden, aus welchem Jahr und mit welcher Nummer.“ Der Hobbyist selbst stellt Materialien aus seiner umfangreichen Privatsammlung zur Verfügung.
„In Gräfenroda läutete die Turmuhrenherstellung den industriellen
Aufschwung des bis dahin kleinen Walddorfes ein“, ergänzt Rotraut Greßler. Fakt
ist: Kühns trugen den Namen Gräfenrodas in die Welt. In Unterlagen auf der anderen Seite der Erdkugel dürfte er noch zu lesen sein.


Hintergrund:
• Für ihre Publikation suchen die drei Heimatfreunde Angaben, Fotos oder Dokumente über die Firma Kühn, die in Gräfenroda von 1816 bis 1972 Turmuhren produzierte und reparierte.
• Kontakt: Rotraut Greßler, info@sagestreffend.de,  01 73 / 6 55 50 05 oder 0 36 22 / 40 19 00; Ursula Schwientek, ursula.schwientek@web.de,  03 62 05 / 9 11 05;
Harald Siefert, h.m.siefert@gmx.de,  03 62 05 / 9 16 29
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4 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 20.02.2014 | 23:52  
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.02.2014 | 01:46  
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Renate Jung aus Erfurt | 21.02.2014 | 13:08  
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Antje Hellmann aus Jena | 25.02.2014 | 10:20  
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