Haushaltstechnik, die begeistert(e)

Diese Bügeleisen gehören zu Bernd Schmidts Lieblingsstücken. (Foto: Dietmar Mansfeld)
 
Gesammelt hat er auch Raritäten auf zwei und vier Rädern aus 80 Jahren Fahrzeugbau. (Foto: Dietmar Mansfeld)
Wolfsberg: ... | von Dietmar Mansfeld

Wenn ein Fahrzeugschlosser alte Pkw, Motorräder, Mokicks und Motorroller
sammelt, dann ist das schon beinahe normal. Allerdings handelt es sich bei den Sammlerstücken von Bernd Schmidt aus Gräfinau-Angstedt um Autos der Marke „Trabant“, MZ-Motorräder wie der ETZ 150 und TS 150 und bei den
kleineren Fahrzeugen um Simson-Mokicks vom SR 2 bis zum S 51. Fehlen darf in dieser Aufzählung auch der Simson-Roller „Schwalbe“ nicht.
„Die ETZ fahre ich heute täglich“, erklärte Schmidt. „Die TS gehört zu den Motorrädern und Mokicks, die bis 1989 in der DDR produziert wurden“. Früher war die MZ für Schmidt ein ganz normales Fahrzeug. „Erst nach der Wende begann sie exklusiv und interessant zu werden“, erklärte er.
Ergänzt wird die Sammlung eher „gegenwärtiger“ Fahrzeuge durch solche Oldtimer und Hingucker wie die Zündapp Z 300 (Baujahr 1930), die NSU (BJ 1928), DKW E 200 (BJ 1928) oder eine absolute Rarität auf dem Oldtimer-
Markt: ein einsitziger Mini-Motor-Roller aus Leipzig mit 50 ccm-MAW-Motor aus den frühen 1950er Jahren.
Solche Fahrzeug-Seltenheiten sind für einen Fahrzeugspezialisten „normal“,
doch Sammler Schmidt nennt auch Exponate sein eigen, die vor vielen Jahren Frauenherzen höher schlagen lassen (sollten). Wobei er dazu oft eine ganz eigene Meinung hat – wie zu den Bügeleisen mit Wechselgriffen. In seiner
Sammlung steht nicht nur ein Eisen mit Hohlraum für die Holzkohle aus dem 19.
Jahrhundert, sondern auch ein Exemplar mit einem Griff und zwei Eisen.
„Damit sollte Leerlauf für die Hausfrau vermieden werden, und zwar in der Zeit, in der das erkaltete Eisen wieder warm werden musste“, schüttelt der Vater dreier Töchter den Kopf. „Die Frauen hatten doch früher immer das schwerste Los“, sagte er und verweist auf seine ebenfalls reichhaltige Sammlung an
Küchen- und Haushaltsgeräten. Darunter ein echter Drei-Fuß mit Täksen für die hauseigene Schuhreparatur und ein Brotkasten mit Schloss.
„Schuhe waren teuer. Die mussten oft repariert werden. Brot gab es auch nicht immerzu. Damals wurde zu den Mahlzeiten gegessen, sonst nicht“, erzählt Schmidt. Dann präsentiert er ein winziges aufklappbares Etui zwischen zwei Fäden und erklärt: „Ein Rasierklingenschleifer aus Zella-Mehlis“. Das kennt
heute kaum noch jemand.“

Solche Gerätschaften wie aus Bernd Schmidts Sammlung sind geeignet, Lebensweisen unserer Vorfahren vor dem Vergessen zu bewahren. Wer sich in Schmidts Garage umschaut, entdeckt Telefone der verschiedenen Bauarten, Glasbohrer und Fotoapparate, Zithern und sogar Tabakschneider. „Damit
wurde der trockene Tabak fein geschnitten, damit er in die Pfeife des Hausherren passte“, hat er recherchiert.
Mit Sinn für Humor und historische Zusammenhänge hat Schmidt seine Sammlungen zusammengestellt. Wenn früher zwischen Tür und Ofen eine Waschschüssel stand, so konnte man dies getrost als Vorläufer des heutigen Badezimmers betrachten: „Waschschüssel, darunter ein Krug mit kaltem Wasser, auf dem Ofen ein Topf mit heißem Wasser, Waschlappen, Handtuch
– fertig war das Bad mit Ofenheizung.
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