Hexen, Kräuter, Pomeranzen: Mit „Ratsherr“ Reinhardt Bähring unterwegs im Saalfeld des 16. Jahrhunderts

Die Stadtwache von Saalfeld.
 
Das Rathaus bei Nacht...
Saalfeld/Saale: ... |

Wie man sich auch dreht und wendet – der Marktplatz von Saalfeld ist ein schöner Flecken Erde. Das im Renaissancestil erbaute und mit gotischen Elementen versehene Rathaus, geschmackvoll sanierte Bürgerhäuser, die Geschäfte unter den Arkaden, dahinter die imposante Johanniskirche mit ihrer Himmelswiese. Die Stadt trägt den Beinamen „Steinerne Chronik“.

An Markttagen ist in der Innenstadt die Hölle los. So wie früher, als die Handelsreisenden hier rasteten und an der Poststation die Pferde wechselten. Saalfeld lag an der Handelsstraße zwischen Leipzig und Nürnberg und wenn die Händler in die Stadt wollten, mussten sie einen Durchgang passieren, der so dunkel war wie ein Loch. An dieser Stelle, der heutigen Blankenburger Straße, befindet sich noch heute die älteste Gaststätte Saalfelds - "Das Loch"...

"... und wer nicht in diese Gaststätte einkehrt, ist nie wirklich in Saalfeld gewesen." Ein seltsam gekleideter Herr nähert sich und lüftet seine Mütze. "Darf ich mich vorstellen: Karl Friedrich August Johannes Jeremias Reinhardt Ehrenreich; Ratsherr, Münzmeister, Kneipen- und Schmiedebesitzer." Ringsum ist es plötzlich dunkler geworden. Wo eben noch Busse und Autos fuhren, stampfen Pferde und nicht weit entfernt schreit eine Frau, gefesselt auf einem Scheiterhaufen. Wir schreiben das Jahr 1555, die Hexenverfolgung ist in vollem Gange. Erst 1677 wird die Verfolgung von Frauen aufhören.

Kaiser Barbarossa machte den Ort zur Stadt


3500 Einwohner hat Saalfeld jetzt. 899 ist die Stadt erstmals urkundlich erwähnt worden. Die Stadtgründung regte 1180 Kaiser Friedrich Barbarossa an.
"1517 brannten 80 Prozent der Häuser, darunter Badehaus und Rathaus", erzählt Ratsherr Ehrenreich. "Doch die Saalfelder spuckten in die Hände und pflasterten als erstes den Markt. Die Waren der Händler hatten bis dato auf der schmutzigen Erde gelegen." Die Menschen bauten Bürgerhäuser, auf dem Fischmarkt unweit der Johanniskirche entstand das erste Steinhaus Saalfelds, das sämtliche Folgebrände überstand.
"Für die Fleisch- und Brothändler baute man auf dem Markt Arkadenhäuser mit den typischen Fensterläden. Die Händler reichten ihre Waren durch die Fenster und zum Geschäftsschluss schlossen sie die Läden wieder."
Schräg gegenüber steht das Rathaus und der Ratsherr hält inne. "Wir bauten es von 1529 bis 37. Am Portal sieht man die Saalfelder Elle - ein knapp 60 Zentimeter langer Eisenstab - als Symbol für die Tuchmacher."

Fische aus der Saale


Das Wappen von Saalfeld zeigt zwei Fische. "Wir ernähren uns vom Fischfang aus der Saale, dafür stehen die beiden Barben", erläutert Ehrenreich. Als der Ratskeller errichtet war, seien Bier und Wein in Strömen geflossen. "Bier ist hier ein Grundnahrungsmittel, auch für Kinder. Es ist aber nicht stark."
Ehrenreich ist stolz, endlich wieder einen Apotheker in der Stadt zu haben. Kaspar Pfrund kam aus Leipzig und wohnt in Saalfeld mietfrei. Das war Bedingung. "Apotheker genießen hohes Ansehen, weil sie Pomeranzen und Konfekt verkaufen dürfen", weiß der Ratsherr. "Durch Saalfeld kommen viele Olitätenhändler, die heimische Kräuter verkaufen. In der Apotheke wird aus 32 erlesenen Kräutern der Sigmundiner hergestellt. Er hilft gegen Hämorrhoiden, Pestbeulen, ist aber auch als Möbelpolitur bestens geeignet."
Durch dämmrige Gassen geht es zum Darrtor. 1320 erbaut ist es das älteste von insgesamt fünf Toren zur Stadt und Teil der Stadtmauer. Der Begriff "darr" stammt aus dem Slawischen und bedeutet "Siedlung" oder "Markt". Zeitweise dient das Tor als Gefängnis. Vom obersten Punkt hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Der Ratsherr zeigt auf eine prächtige Burg. "Der Hohe Schwarm", sagt er, "ist das feste Haus der gräflichen Familie von Schwarzburg."

Plötzlich lichtet sich der Dunst, ein Schwarm Krähen fliegt auf und es wird wieder hell. Verschwunden der Ratsherr mit der seltsamen Robe. Der Blick über die Stadt ist immer noch gigantisch. Unten auf der Straße fahren wieder Busse und Autos. Der "Hohe Schwarm" - das Wahrzeichen Saalfelds - ist eine Ruine und der Darrturm nur noch ein Museum.


Mehr Führungen:
www.saalfeld.de
www.saalfeld-tourismus.de


Rezept für die Saalfelder Barbensuppe


Zutaten:
1 kg Barben, 2 Zwiebeln gewürfelt, 1 Karotte gewürfelt, 1 Stange Lauch in Ringen, 4 Knoblauchzehen, 1 Bund gehackte Petersilie, 1 Bund gehackte Kerbel, 1 Bund Schnittlauch in Röllchen, 25 g Butter, Salz, schwarzer Pfeffer, 5 dl Muscadet (Weißwein), 5 dl Wasser, 1 Loorbeerblatt, 1 Thymianzweig, Cayennepfeffer, 1 Prise Muskat gerieben, 2 Prisen Safran.

Zum Binden:
2 Schalotten, 25 g Butter, 20 g Mehl, eine halbe Zitrone.

Zum Servieren:
8 Scheiben Brot - dünn geschnitten, 2 Knoblauchzehen.

Zubereitung:
Den Fisch waschen, trockentupfen und in Stücke schneiden. 25 g Butter erhitzen und Zwiebel darin glasig dünsten. Die anderen Gemüse und Kräuter zugeben und einige Minuten weiterdünsten, dann die Fische hineingeben. Kurz darin schwenken, salzen, pfeffern, mit Wein und Wasser ablöschen. Die restlichen Zutaten zugeben und zugedeckt etwa 50 bis 60 Minuten kochen lassen. Die Brühe anschließend passieren, gut zerdrücken.
Inzwischen weitere 25 g Butter erhitzen und die Schalotten darin glasig werden lassen. Mehl zugeben und durchschwitzen lassen. Mit der durchgeseihten Fischbrühe ablöschen und weite 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Abschmecken und noch etwas Zitronensaft zufügen.
Währenddessen die Brotscheiben rösten und mit Knoblauch einreiben. In die Suppenschüssel oder auf die Suppenteller die Brotscheiben geben und mit der Suppe übergießen. Man kann die Brotscheiben auch separat zur Suppe servieren.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.09.2014 | 07:03  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 11.09.2014 | 09:14  
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