Hier war Hans Fallada Schüler: Fridericianum in Rudolstadt feiert 350. Geburtstag

Das Gymnasium Fridericianum mit Glasanbau und Altbau.
 
Moderner Unterricht mittels Schülerprojekten.
Rudolstadt: ... |

Am 17. Oktober 1911 brechen zwei junge Männer um 8 Uhr in der Frühe zum Uhufelsen nahe Eichfeld auf. Sie treffen sich, um mittels eines Scheinduells Doppelselbstmord zu begehen. Beim ersten Versuch schießen beide aneinander vorbei. Beim zweiten Mal trifft Hanns Dietrich von Necker, ein geübter Schütze, seinen Kontrahenten wieder nicht. Der andere, Rudolf Ditzen mit Namen, kurzsichtig und erst einen Tag im Umgang mit der Waffe geübt, erschießt den Freund. Anschließend richtet er die Waffe gegen sich selbst, schafft es aber nicht, sich zu töten.

Der gescheiterte Selbstmörder ist Schüler des Fridericianums Rudolstadt und wird später unter dem Pseudonym Hans Fallada weltberühmt.
Seine Rudolstädter Zeit ist keine glorreiche. Ditzen ist aufsässig, arrogant, setzt sich über Sitte, Gesetz und Anstandsregeln hinweg. Er raucht, trinkt und liest die falsche Literatur (Mann, Hesse). In Mathematik ist er wenig bemüht. Seine Lehrer bescheinigen ihm aber ein gutes Gespür für die Übersetzung französischer Texte. Mit seinem besten Freund von Necker teilt Ditzen, der aus gutbürgerlichem Hause stammt, die Leidenschaft für Literatur. Gemeinsam lesen sie Nietzsche und Hofmannsthal, was vermutlich zu ihrer Todessehnsucht beiträgt.

Fallada in Rudolstadt

Hans Fallada ist in 350 Jahren zweifellos der prominenteste Schüler des Fridericianums. Ihm zu Ehren haben Schüler in einem Zwei-Jahres-Projekt Schautafeln erarbeitet. "Viele Schüler hatten noch nie etwas von dem Schriftsteller gehört", erinnert sich Deutschlehrerin Beatrix Abt. "Aber sie haben in den Bücherschränken ihrer Eltern und Großeltern gestöbert und die Fülle des Internets für umfassende Recherchen genutzt."
Elf weitere Tafeln sind aus dem Fallada-Museum in Carwitz entliehen, dessen Direktor die Ausstellung heute eröffnet. Zu sehen ist sie bis 6. Oktober in zwei Etagen des Schulaltbaus.
Das Jubiläum wird mit einer Festwoche begangen. Die beinhaltet besonderen Unterricht, der teilweise in Firmen, Institutionen und Behörden Rudolstadts stattfindet. Einige Vorträge sind für die Bevölkerung offen (siehe Kasten). Große Bedeutung haben außerdem Schulfest und Treffen der Ehemaligen am Samstag.
„Wir wollen einen Zusammenhang aufzeigen zwischen 350 Jahren Geschichte und heute erlebter Geschichte“, erklärt Mathelehrer Torsten Zunft. „Das ist insbesondere für unsere Ehemaligen interessant, die das Gymnasium vor 30 und mehr Jahren besucht haben.“

Aus der Chronik

1611 Die neue Landesschule der Residenzstadt Rudolstadt erhält den Namen Carolineum, nach dem Landesherren Graf Carl Günther. Ab 1663 werden Latein, Religion, Griechisch, Hebräisch, Rhetorik, Logik, Ethik und Arithmetik gelehrt.
1664 Erweiterungsbau am Schulplatz und Umbenennung als Ludovicianum.
1676 Graf Albert Anton errichtet den Gnadentisch - kostenloses Essen für ärmere Landeskinder
1791 Schulbibliothek mit 1200 Bänden.
1764 Umbenennung in Fridericianum - nach Fürst Johann Friedrich
1793 Einführung von Reifeprüfungen und Zeichenunterricht.
1854 Turnen wird Pflichtfach.
1858 Einführung von Zeugnisbüchern.
1871 Das Fridericianum orientiert sich am preußischen Modell des humanistischen Gymnasiums und nimmt Französisch, Geschichte und Erdkunde in den Stundenplan auf.
1894 Schulneubau in der Weinbergstraße mit drei Geschossen und 28 Räumen. Lehrer- und Schülerbibliothek werden getrennt.
1914-18 132 Schüler und Lehrer fallen im Ersten Weltkrieg. An sie erinnert eine Gedenktafel im Foyer.
1933 HJ, BDM und Jungvolk ergreifen von Schülern Besitz.
1939-45 166 Lehrer und Schüler sterben.
1949 Zusammenlegung der Oberschulen für Mädchen und Jungen.
1967 Erweiterte Oberschule erhält den Namen "Theodor Neubauer".
1989 An die Stelle von FDJ, GST & Co. tritt ein gewählter Schülerrat. Auch die Schulparteiorganisation der SED löst sich auf.
1994 Gymnasium heißt wieder Fridericianum.
1997 Feierlicher Spatenstich für den Glasanbau.
2004-10 Grundlegende Sanierung des alten Schulteils.
2012 Zwei-Felder-Turnhalle wird errichtet.
2014 350-jähriges Bestehen wird mit der ganzen Stadt gefeiert.


Aus dem offenen Programm:

24. September:
13 Uhr Ausstellungseröffnung Fallada (Gymnasium)
14 bis 16 Uhr Fallada-Lesung (Rathaussaal)
19.30 Uhr Konzert der Ehemaligen (Aula)
25. September:
10 Uhr Begegnung mit den Urmenschen (Aula Gymnasium)
11 Uhr Aus dem Leben eines Unfallchirurgen (Aula Gymnasium)
26. September:
8 Uhr Multimediavortrag Brasilien (Aula Schillerschule)
9 Uhr Impressionen vom Western Cape (Raum 24)
10 Uhr Ursprung des Sonnensystems (Raum 23)
11 Uhr Die Erde als Patient (Aula)
11 Uhr Weltraumforschung (Raum 304)
20 Uhr Schülerball
27. September:
14 bis 17 Uhr Schulfest (neue Turnhalle)

www.fridericianum-rudolstadt.de
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9 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 24.09.2014 | 09:43  
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Renate Jung aus Erfurt | 25.09.2014 | 14:05  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.09.2014 | 07:34  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 26.09.2014 | 12:27  
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Renate Jung aus Erfurt | 26.09.2014 | 23:45  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 27.09.2014 | 17:31  
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Renate Jung aus Erfurt | 28.09.2014 | 01:08  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 28.09.2014 | 18:34  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 28.09.2014 | 21:21  
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