Ilmenauer Dozent schafft Bronzeplastik von Ernst Abbe

Klaus-Dieter Locke in seinem Atelier: Grundform der Bronzeplastik war ein Modell aus Gips. (Foto: privat / Quelle: Locke)
 
Der Ilmenauer Dozent Klaus-Dieter Locke hat neben seiner Abbe-Plastik Platz genommen. (Foto: privat / Quelle: Locke)

Umtriebig: Diese Eigenschaft beschreibt Klaus-Dieter Lockes Lebensweg wohl am treffendsten. Er hat ein paar Semester Physik in Jena studiert, danach in der Saalestadt als Sektionsgehilfe am Institut für Gerichtliche Medizin gearbeitet, bevor er zur Hochschule für Design Burg Giebichenstein wechselte. Malerei und Grafik war sein Studienfach, Willi Sitte unter anderem sein Lehrmeister. Heute arbeitet der 61-Jährige als Dozent an der Technischen Universität Ilmenau.

Denkmal zum 175. Geburtstag


Ein Auftrag der Ernst-Abbe-Stiftung aus Jena kam da gerade recht, um seine Professionen miteinander zu verbinden. Zum 175. Geburtstag des Physikers und Jenaer Ehrenbürgers sollte Locke eine PlastikAbbes schaffen. Anhand von Fotos und Büchern hat er sich der Person des langjährigen Leiters der Zeiss-Werke genähert. Viele Miniatur-Figuren und Büsten zeugen in seiner Werkstatt in Bad Berka vom Schaffensweg hin zur lebensgroßen Plastik.

Von innen nach außen habe er die Skulptur geschaffen, erklärt Locke. Anatomisches Wissen aus seinen Jahren in der Gerichtsmedizin habe ihm dabei geholfen. Ähnlich einem Skelett wurde zuerst ein Grundgerüst geschaffen. Aus Gips wurde später die Plastik modelliert und abschließend daraus die Bronzeform gegossen.

„Eine lebensgroße Figur verlangt harte Arbeit.“
Klaus-Dieter Locke


Seit kurzem sitzt Ernst Abbe nun vor dem Jenaer Planetarium – auf einer Bank aus heimischen Travertin sitzend. Sehr realistisch ist sein Abbild geworden. Genau so, wie es der die Stiftung wollte. „Wir wollen keinen Willy Brand“, habe man Locke bei der Auftragserteilung gesagt. Denn die Skulptur des bekannten Sozialdemokraten in der SPD-Zentrale in Berlin sorgte durch ihre wenig naturalistische Widerspiegelung des Politikers immer wieder für Gesprächsstoff. Ebenso wie das Bach-Denkmal auf dem Arnstädter Markt.

Platz nehmen neben Abbe


„Wer möchte, kann neben Abbe Platz nehmen“, sagt Locke. Das sei sogar ausdrücklich vom Auftraggeber der Plastik so gewollt. Damit dies möglich ist, hat Locke bei der Größe des Naturwissenschaftlers etwas geschummelt. „Würde die Abbe-Plastik stehen, wäre sie 1,86 Meter groß. In Wirklichkeit war er aber kleiner.“ Auf 1,75 bis 1,80 Meter schätzt Locke die körperliche Länge Abbes. Genaue Angaben habe er dazu aber leider nicht finden können. Die rund zehn Zentimeter Zugabe waren erforderlich, damit es ein harmonisches Bild gibt, wenn sich jemand neben Abbe setzt. Denn die Bronze wird im Laufe der Zeit patinieren. Dann wirkt die Plastik dunkel und damit kleiner.

In Kleidung und Sitzhaltung hat Locke versucht, dem Wesen Ernst Abbes näher zu kommen, der in so vielen Bereichen erfolgreich gearbeitet hat. „Er war ein sehr dynamischer Mensch.“ Diese Lebenshaltung wollte der Künstler einfangen. Deshalb sitzt Abbe nicht ausruhend auf der Bank. Es scheint, als wolle er gleich wieder aufstehen, um sein Tagwerk fortsetzen. „Diese Art der inneren Unruhe wollte ich widerspiegeln“, erklärt Klaus-Dieter Locke seinen Anspruch.

Vita Klaus-Dieter Locke


Nach seinem Studium war Locke bis 1989 als freiberuflicher Maler, Grafiker und Bildhauer im Bezirk Erfurt tätig. Im selben Jahr reiste er nach Westberlin aus und wurde dort Mitglied im Verband Bildender Künstler Berlin (West). In den Folgejahren qualifizierte er sich zum Computergrafiker und war anschließend in der Werbebranche tätig.
Locke lehrte später unter anderem am Lehrstuhl für Darstellungsmethodik der Bauhaus-Universität Weimar Plastisches Gestalten, Künstlerische Grundlagen sowie Einführung in die Architektur.
Seit 1999 arbeitet er als Dozent am Institut für Medientechnik, Fachbereich Medienproduktion der Technischen Universität Ilmenau.
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