Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller: Das Erbe Bachs weiter geben

Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller auf "seiner Bank" an der Wender-Orgel. Diese Orgel wurde 1703 vom 18-jährigen Johann Sebastian Bach abgenommen. Heute sind 300 der ursprünglichen Pfeifen, der Orgelprospekt und die Klaviaturen an originaler Substanz erhalten. Foto: Andreas Abendroth
 
Gottfried Preller gibt das Erbe Bachs gerne weiter. Hier erklärt er einem kleinen Jungen im Rahmen des "Thüringer Orgelsommers" eine mobile Orgel. Foto: Andreas Abendroth
Arnstadt: Johann-Sebastian-Bach-Kirche | Das Erbe Bachs weiter geben

Musik ist mein Leben sagt Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller

Von Andreas Abendroth

ARNSTADT. Mit dem "Thüringer Orgelsommer" hat sich Gottfried Preller weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Die Veranstaltungsreihe bringt seit 1992 historisch wertvolle, aber auch weniger bekannte Orgeln zum Klingen. Damit sollen die Instrumente vor dem Verfall gerettet werden. Doch beinahe wäre aus dem Weimarer Jungen keine Koryphäe für die "Königin der Instrumente", kein Kirchenmusiker geworden.
„Mein Weimarer Lehrer Johannes Ernst Köhler hat einmal gesagt: Ich soll lieber einen ordentlichen Beruf lernen“, erinnert sich Preller mit einem Lächeln zurück.
Doch das Musikstudium in Eisenach und Weimar sollte sich auszahlen. Das Ergebnis: 1972 wurde er Preisträger beim "Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb" in Leipzig.
„Damit standen mir sprichwörtlich Tür und Tor offen. Besonders an meine erste Westreise, nach Oslo, erinnere ich mich gerne zurück. Auch daran, dass ich mein Honorar nach der Rückkehr wieder in Ostmark umtauschen musste“, so Preller.
Konzertreisen führten den jungen Musiker rund um den Globus. In der Heimat war er zunächst als Kantor in Schmalkalden tätig, wechselte später zu der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde nach Arnstadt. „Hier bin ich als Organist und Kantor tätig. Darüber hinaus versah ich über 20 Jahre den Dienst als Orgelsachverständiger der Evangelischen Landeskirche in Thüringen“, führt er aus.

„Das Erbe Bachs muss nicht nur erhalten, sondern generationsübergreifend weiter gegeben werden.“, Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller

Die Kirche, aber auch die Stadt Arnstadt und der Freistaat Thüringen haben Gottfried Preller einiges zu verdanken. Er machte die Kirche durch Kirchenmusik glaubensübergreifend populär. Er nahm die Menschen mit in eine besondere Musik-Orgel-Landschaft.
Auch beschritt er immer wieder neue Wege. Ähnlich seinem Arnstädter Organisten-Vorgänger Johann Sebastian Bach. Nur dies ist jetzt 310 Jahre her. Prellers Neuerungen wurden nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen. Doch alte Zöpfe muss man abschneiden, um nach vorne zu blicken. Um beispielsweise Sichtweisen auf chormusikalische Arbeit zu verändern. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Gut besuchte Kantatengottesdienste und Konzerte des Bachchores von höchstem Niveau.
Derzeit ist Gottfried Preller aus gesundheitlichen Gründen vom Dienst freigestellt. Im Spätsommer wird es seine Verabschiedung in den Ruhestand geben. Dazu Gottfried Preller: „Meinem Instrument, der Orgel, bleibe ich treu. Genauso dem Thüringer Orgelsommer. Ich muss krankheitsbedingt zwar kürzer treten, aber man wird mich ehrenamtlich ab und zu auf der Orgelbank sehen. Bachmusik ist eben mein Lebenselixier.“

Zur Person:
GOTTFRIED PRELLER
- 1948 in Weimar geboren
- 1965 - 1967 Studium an der Thüringer KMS Eisenach und 1967 - 1972 an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar
- 1972 Preisträger beim "Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb" in Leipzig
- erste Anstellung als Kantor und Organist in Schmalkalden
- seit 1981 Organist der Evang.-Luth. Kirchgemeinde Arnstadt und seit 1998 Organist und Kantor der Evang.-Luth. Kirchgemeinde in Arnstadt
- 1981 Ernennung zum Kirchenmusikdirektor
- neben seiner umfangreichen Organistentätigkeit war er Orgelsachverständiger der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen und oft Lektor bei Interpretationsseminaren
- zahlreiche Konzertreisen durch Europa, nach Japan und in die USA, häufige Verpflichtungen zu Rundfunk-, Film- und Fernsehaufnahmen mehrere CD-Einspielungen
- 1992 rief er den "Thüringer Orgelsommer" ins Leben, welcher 1998 mit dem Kulturpreis Thüringen ausgezeichnet wurde
- von 1995 bis 1998 leitete er das "Theater im Schloßgarten" zu Arnstadt
- durch sein Bemühen wurde die Wender-Orgel der Bachkirche zu Arnstadt von 1703 - die durch J. S. Bach benutzt wurde – rekonstruiert.
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