Leben auf dem Massagestuhl: Der Griesheimer Weltenbummler Christoph Wiegand nutzt die Welt als Kulisse für seine Geschichten

Die Manuskripte für seine Bücher schreibt Christoph Wiegand am liebsten in einem Café. (Foto: Wiegand privat)
Wenn Christoph Wiegand von Arequipa erzählt, der „Weißen Stadt“ im Süden Perus, dann leuchten seine Augen und er beginnt zu schwärmen. „Die Stadt gehört zu den schönsten und saubersten Städten, die ich in diesem Land kennen lernte.“ Zwei Jahre lang hat der Fremdsprachenkorrespondent für Englisch, Spanisch und Portugiesisch dort gelebt. Jeden Morgen erblickte er als erstes den Misti, einen etwa 3000 Meter hohen Vulkan, der im Sonnenlicht alle fünf Minuten seine Farbe wechselt. „Ich wohnte auf einem Hügel und tief im Tal erstreckte sich die Stadt. Ein gigantisches Panorama“, erinnert sich der Autor und Verleger.

2003 heuerte der junge Mann als Hauslehrer an. In der Tourist-Information von Arequipa verdiente er sich etwas Geld dazu. Dass er Spanisch beinahe wie seine Muttersprache spricht, ist nicht zu überhören. Er rollt das „r“ in Arequipa und verleiht dem Namen damit etwas Exotisches.

Über die „Weiße Stadt“, wegen ihrer vielen Bauten aus weißem Stein, weiß Christoph Wiegand viel zu erzählen. „Vor über hundert Jahren wäre die Stadt beinahe eine unabhängige Republik geworden. Die Währung war gedruckt und auch der Präsidentenpalast bereits gebaut. Es fehlte nur noch die alles entscheidende Unterschrift. Im letzten Moment machten die Verantwortlichen einen Rückzieher.“ Und so ist Arequipa heute die zweitgrößte Stadt Perus. Sehr modern und für die Peruaner so etwas wie für die Deutschen das Bundesland Bayern. Stier-und Hahnenkämpfe finden dort statt. „In Peru gibt es nicht so viele Tierschützer“, sagt Christoph Wiegand lächelnd.

In Arequipa fand der junge Mann aus Griesheim bei Arnstadt eine zweite Heimat. Dort erlebte er auch eine Reihe von Erdbeben. „Das erste platzte mitten in eine Demonstration gegen den Bürgermeister“, erinnert sich der junge Mann. „Ich arbeitete damals in der Tourist-Information. Als es losging, blieben meine Kollegen ganz ruhig sitzen und rieten mir, mich unter den Türbalken zu stellen. Das sei der sicherste Ort im ganzen Haus.“ Sicher sind in dem armen Land bei weitem nicht alle Häuser. „Viele sind ohne Mörtel gebaut. Stein auf Stein, ohne Verfugung. Bebt die Erde, stürzen sie ein.“ Mindestens einmal pro Woche gäbe es Erschütterungen, erzählt Christoph Wiegand, und, dass er sich dabei wie auf einem Massagestuhl gefühlt habe. „30 Sekunden werden zur Ewigkeit, vor allem, wenn man nicht weiß, wie lange es noch dauert.“ Trotz ihrer Armut sind die Menschen kommunikativer als hierzulande. Doch ganz undeutsch war Wiegands Zeit in Arequipa nicht. „Wenn ich Heimweh hatte, kehrte ich im 'La casa de Klaus' ein. Klaus war Schwabe und sein Spanisch schlecht. Doch man verstand es besser als sein Schwäbisch. Die Kneipe war ein Stück Heimat - es gab Erdinger Weißbier und Fußball.“ Heute verbringt Christoph Wiegand nur noch seine Urlaube in Arequipa. Wohnen wolle er dort nicht mehr. Zu sehr hat er sich im heimischen Thüringen etabliert. Im neu gegründeten eigenen Misti-Verlag, benannt nach dem leuchtenden Vulkan, verlegt er unter anderem eigene Bücher, E-Books und Hörbücher. Die Handlungen spiegeln Wiegands Reisen durch die Welt wider: Griechenland, Peru, Chile. Fiktive Erzählungen mit realen geschichtlichen Fakten.


Bereits erschienen: „Die Insel im Nebel der Götter“, „Die sprechende Ikone“ Neu: „Der Fluch des Feuertempels“ - eine Lausbubengeschichte aus Indonesien. Für 11,99 Euro im Buchhandel, als E-Book für 3,99 Euro bei amazon.
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