Mark Benecke kann kein Auto fahren, ist aber einer der bekanntesten Kriminalbiologen der Welt - Tour in Thüringen

Kriminalbiologe Mark Benecke bei der Arbeit. (Foto: Thomas van de Scheck)
Arnstadt/Bad Sulza/Gotha/Gera/Jena.

Mark Benecke ist Kriminalbiologe, einer der besten seines Fachs. Sein Spezialgebiet ist die forensische Entomologie, also die Insekten, die sich auf Leichen finden. Er wird gerufen, wenn Gewalttaten als nahezu unlösbar gelten. Dann versucht er mithilfe von Fliegen und Maden Antworten zu finden.

Bei der Polizei ist er auf allen Kontinenten gefragt. Auch der russische Geheimdienst griff schon auf Beneckes Fachwissen zurück und ließ die mutmaßliche Schädeldecke und das Gebiss von Adolf Hitler untersuchen. Am 16. April ist der gefragte Wissenschaftler zu Gast in Arnstadt, einen Tag später in Bad Salzungen.Im Herbst tourt er durch Gotha, Gera und Jena.

Was macht ein Kriminalbiologe?
Kriminalbiologische und kriminalistische Kurse und Vorträge geben, als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger herangezogen werden, um biologische Spuren bei vermuteten Gewaltverbrechen mit Todesfolgen auszuwerten. Leichenbesiedlung durch Insekten untersuchen, um Hinweise auf die Leichenliegezeit, Todesursache und Todesumstände zu geben. Wissenschaftliche Beiträge verfassen, an Büchern arbeiten.

Tote und das große Krabbeln - brauchen Ihre Zuschauer einen robusten Magen?
Nein, ist ja keine Mutprobe, sondern verständliche Wissenschaft. Wenn es eklig wird, sag ich Bescheid. Ich habe ein paar Themen zusammengestellt, die mal mehr und mal weniger mit Leichen, aber immer mit Kriminalistik zu tun haben: Serienmord, Insekten, Blutspuren, Gerüche. Die Zuschauer können sich aussuchen, was sie hören wollen.

Wovor fürchten oder ekeln Sie sich?
Leberwurst, Bratwurst, Gulasch, Gänsebraten-Haut, Fleischwurst mit lustigem Gesicht drin und so weiter. Auch sonst bin ich voll die Sissy. Ich kann nicht Auto fahren, im FBI-Hubschrauber musste ich mich fast übergeben. Und geschossen habe ich nur einmal im Leben, da war dann mein Monitor kaputt, weil ich das Teil falsch rum gehalten habe.

Gibt es den perfekten Mord?
Spuren zu fälschen, ist kniffelig. Wenn man eigene gefälschte legen will, dann hat einen unverhofft doch jemand beobachtet. Selbst ich könnte keine Insektenspur so legen, dass sehr gute Kollegen nicht was ahnen würden. Übrigens: Je dümmer die Vorgehensweise, je näher am Ziel war der Täter. Dann spielt höchstens der Zufall mit. Für mich ist perfekt, gar nicht gewalttätig zu sein.

Heute im ICE, morgen im Dschungel - wie schaffen Sie diesen Spagat?
Es kommt auf die Einstellung an. Ich bin da ganz entspannt, weil es bei mir keine Trennung zwischen beruflich und privat gibt. Ich brauche auch keinen Urlaub, weil ich exakt das Leben führe, das ich führen will. Zum Glück ist bis jetzt noch nicht passiert, dass ich etwas gemacht habe, wozu ich keinen Bock hatte.

Lange schlafen, stinknormales Frühstück



Sie waren schon fast überall auf der Welt. Haben Sie ein Lieblingsland? Ich war noch nicht in Zentralafrika und Australien. lacht. Besonders mag ich Kolumbien. Die Menschen sind freundlich, offen und sehr sozial. Das gefällt mir.

Ist bei Ihrem Arbeitspensum noch Zeit für Privates? Über einen Aprilscherz nachzudenken, zum Beispiel?
Aprilscherze sind nicht mein Ding, weil ich nicht ausstehen kann, wenn jemand dumm da steht. Es sei denn, er hat es sich selbst ausgedacht und eingebrockt.

Was bedeutet für Sie Glück?
Wenn ich meinen Kram erledigt bekomme. Oder wenn ich lange schlafen und dann ein stinknormales Frühstück genießen kann. Ich bin 320 Tage im Jahr nicht zu Hause. Das passiert also selten.

Welches Buch liegt im Handgepäck, welche CD im Player?
Schabowski: „Wir haben fast alles falsch gemacht“. Hat mir der ehemalige Leiter des Labors der Abteilung für biologische Spuren der Volkspolizei geschenkt. An Musik mag ich Dark Wave, Dark Electro, Hellectro, Aggrotech, aber einmal am Tag auch einen alten Schlager. Udo Jürgens oder Karel Gott zum Beispiel.

Mit wem möchten Sie einen Tag tauschen?
Mit niemandem. Ich sehe mir die Leute an und freue mich, wenn sie mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Das reicht mir.

Was ist für Sie Verschwendung?
Wenn Luxus keinem Ziel dient, dann kann ich mich daran erfreuen. Ich habe etwas dagegen, Lebensmittel, Zeit und Geld zu verschwenden. Wenn beispielsweise ein Oligarch aus Russland, nun im Exil in Israel, nichts weiter tut, als zu warten, bis er Milliarden wiederbekommt, obwohl er schon Milliarden besitzt. Das ist für mich Lebenszeit-Verschwendung.

Kriminalklischees:


Stirbt man, wenn man Luft in die Adern gespritzt bekommt?
Nur wenn es viel ist. Eine kleine Spritze reicht nicht aus.
Die Frau aus „Goldfinger“ stirbt, weil sie komplett mit Gold überzogen wird und keine Stelle zum Atmen frei bleibt...
Das ist Quatsch, aber eine super Story. Ich bekomme öfter Anrufe von Drehbuchautoren.
Wachsen die Nägel nach dem Tod weiter?
Nein. Das sieht nur so aus, weil die Haut darunter vertrocknet und die Nägel vor dem Tod auch nicht mehr unbedingt geschnitten werden. Das gilt auch für Haare.
Die größte Fehleinschätzung über Tote?
Dass Leichen giftig sind.


Zur Person:
Mark Benecke ist Jahrgang 1970 und ist in Rosenheim geboren. Aufgewachsen ist er in Köln, wo er auch Biologie, Zoologie, Psychologie studierte. Arbeitete in New York am Institut für Rechtsmedizin.

Bekannt wurde er 1998 - als Sachverständiger gab er mittels dreier Maden einen Hinweis im Fall des Pastors Klaus Geyer, der wegen Totschlags an seiner Frau verurteilt wurde. Benecke gilt weltweit als Experte, der zu schwierigen Fällen gerufen wird, Vorträge an Universitäten hält und gelegentlich mit dem FBI zusammenarbeitet.

Er hat ein Büro in Köln und arbeitet weltweit. Er ist Vorsitzender des Vereins ProTattoo und Chef der Transsylvanischen Dracula-Gesellschaft. Bei radioeins rbb spricht Benecke jeden Samstag und Sonntag zu aktuellen kuriosen wissenschaftlichen Themen wie dem Schussligkeitsgen, dem Zusammenhang zwischen Gesichtsform und Charakter oder wie man es anstellt, dass Kaffee nicht mehr überschwappt.
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4 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 09.04.2014 | 23:55  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 10.04.2014 | 23:18  
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 11.04.2014 | 07:31  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 13.04.2014 | 17:44  
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