Maßvolle Lebensaufgabe

Der gebürtige Leipziger Manfred Kastner ist dem Rennsteig sozusagen verfallen. (Foto: Dietmar Mansfeld)
Neustadt: ... | von Dietmar Mansfeld

Den Rennsteig und den Vorsitz des Rennsteigvereins nannte Manfred Kastner
einmal „eine Lebensaufgabe“. Der 67-Jährige ist gewillt, sich ihr weiterhin zu stellen. Dem Rennsteig, viel beschworenem Kammweg und noch mehr besungenem Höhenweg des Thüringer Waldes, hat der gebürtige Leipziger Manfred Kastner einen großen Teil seiner Energie gewidmet. Das heißt für ihn:
Wo andere reden, packt er an. „Als es um die Jahrtausendwende einige Verwirrungen über die genaue Länge des historischen Rennsteiges gab,
haben wir 2002 begonnen, den Höhenzug neu zu vermessen“, sagt Kastner. „Bisher bezogen sich alle Angaben zum Rennsteig einschließlich seiner Länge von 168 Kilometern aus ersten Messungen von 1902. Das wollten wir genauer wissen.“ Der damals amtierende Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel – selbst passionierter Wanderer – hatte sich für die Neuvermessung eingesetzt.
Gemessen wurde der Rennsteig mit einem 50-Meter-Bandmaß. – „Das war
das genaueste Messinstrument!“, erinnert sich Kastner. Ausgegangen wurde von der Wegesmitte. „Da lernt man den Rennsteig aus einer ganz anderen Perspektive kennen“, weiß Manfred Kastner noch heute. 5000 Messpunkte, das
heißt 5000 Mal in die Knie gehen 5000 Mal bücken, 5000 Mal neu anlegen. 28 Messtage in den beiden Sommern von 2002 und 2003 haben Kastner und seine Mitstreiter dafür gebraucht. Dann stand die exakte Länge des Rennsteigs
fest: 169 Kilometer, 293 Meter und 77 Zentimeter. Für Manfred Kastner gilt noch heute: „Für mich war das die schönste Rennsteigwanderung, wenn auch eine
sehr, sehr langsame.“
Er bedauert, dass viele Menschen nicht erkennen, wie gefährdet der Rennsteig „als ein für Thüringen wichtiges Kulturdenkmal und touristischer Wirtschaftsfaktor“ ist. Und zählt Defizite auf: „Schutzhütten, Wegweiser und Sitzgruppen verfallen, es mangelt an Papierkörben, es gibt Holzablagerungen rings um den Rennsteig. Ganz zu schweigen von den zerfahrenen
Wanderwegen“.
Kritisch sieht der Naturschützer die Erweiterung des Biosphärenreservats Vessertal: „Neustadt liegt jetzt vollständig im Reservat. Weil Altenfeld und Masserberg unbedingt dazugehören wollten, haben sie uns mitgezogen.“
Kastner befürchtet drastische Einschränkungen für Arbeit und Leben der Menschen in der Rennsteigregion.
Äußerst skeptisch betrachtet er auch das neue Logo für den Thüringer Wald, das an Toblerone-Berggipfel erinnert: „Ich glaube nicht, dass sich aufgrund dieser stilisierten Blockschokolade plötzlich völlig neue Bevölkerungsschichten
für den Thüringer Wald begeistern“, sagt er.
Doch damit nicht genug. Rennsteigexperte Kastner macht seinem Ärger über die
Pläne für das Pumpspeicherwerk „Schmalwasser“ Luft: „Klares Ja zur Energiewende, aber sie muss umweltverträglich erfolgen und sollte der Region nicht schaden, sondern nützen.“ Der Standort „Schmalwasser“ ist für ihn
„die denkbar schlechteste aller Lösungen und nicht zu verantworten".
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