Max Geist aus Langenwetzendorf wandelt auf dem Holzweg zum goldenen Boden

Max nimmt das Stichmaß für sein Werkstück.
 
Sein Meisterstück, ein Schreibtisch nach dem Vorbild einer Hobelbank, besteht aus feinem Eschenholz.
Langenwetzendorf: ... |

Eine kleine Tischlerei im ostthüringischen Langenwetzendorf. Was der junge Mann am Fenster treibt, wird schon bald Bedeutung erlangen.

Max Geist ist kein Mann vieler Worte. Taten sind ihm wichtiger. Ganz abgesehen davon hat der 24-Jährige keine Zeit zu verlieren: Am 1. April muss er sein Meisterstück beendet haben und wenige Tage später in der Handwerkskammer Zeulenroda vor einer Prüfungskommission verteidigen. Wie läuft solch eine Prüfung ab? "Die Prüfer stellen die gleichen Fragen wie Sie", sagt Max und grinst. Dabei leimt, klopft und misst er unermüdlich weiter, als gäbe es kein Morgen.
Geschick wurde dem jungen Mann in die Wiege gelegt. Urgroßvater und Großvater Zimmerleute, der Vater Maurer und Max hält es mit Holz. Warum? Er überlegt einen Augenblick - natürlich leimt er dabei ein Tischbein an - und erwidert dann: "Kann ich nicht beschreiben. Es ist ein schönes Gefühl, mit Holz zu arbeiten, weil es ein natürlicher Werkstoff ist."

Ein Sachse in Thüringen


Wenn der Tag 48 Stunden hätte, Max Geist würde sie ausfüllen. Zu Hause in Fraureuth stehen ein großes Haus mit Hof und Werkstatt, etliche Fachwerkhäuser in der Gegend tragen seine Handschrift. Jeden Werktag fährt der gelernte Tischler aus seinem Dorf auf der sächsischen Seite 20 Kilometer an seinen Arbeitsort ins thüringische Langenwetzendorf. Irgendwann hat Fraureuth zu Thüringen gehört, doch die Sachsen, findet Max Geist, seien auch ganz in Ordnung.
Für sein Meisterstück - ein massiver Schreibtisch nach dem Vorbild einer Hobelbank - hat Max einen knappen Monat Zeit. Und er ist fast fertig. Eine feine Arbeit - gefertigt aus Eschenholz, sauber verarbeitet. Warum ausgerechnet Eschenholz? "Das werden mich die Prüfer auch fragen", antwortet Max und grinst wieder. "Esche ist ein einheimisches Hartholz, das sich gut bearbeiten lässt und eine schöne Struktur hat." Beinahe liebevoll streicht er über die Tischplatte und kommt jetzt richtig in Fahrt. Zeigt, welche Auf- und Anbauten an dem zwei Meter breiten Werkstück noch folgen werden. Der Clou ist die nach außen schwenkbare Schublade.

Wichtig ist, dass die Maße stimmen


Muss ein Meisterstück immer einen praktischen Nutzen haben? "Nicht unbedingt", sagt Max. "Es darf auch einfach nur schön sein." Doch er hat da seinen eigenen Anspruch. Sein Gesellenstück - eine verglaste Vitrine aus Ahornholz - erfüllt zu Hause ihren Zweck und der Schreibtisch wird eines Tages in seinem Büro wertvolle Dienste leisten. "Wichtig ist", erklärt Geist, "dass die Maße stimmen, das Konstrukt stabil ist und gut aussieht."
Geplant war der Meisterlehrgang eigentlich noch nicht. Doch weil Max Geist seinen Berufsschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,6 absolvierte, erhielt er eine Begabtenförderung und da setzte er sich - als Zweitjüngster im Kurs - Freitag und Samstag wieder in die Schulbank. Zwei Module von insgesamt vier hat er bereits vollendet. "Nächstes Jahr bin ich fertig", erzählt der Tischlergeselle.
Dass Handwerk goldenen Boden hat, steht für ihn fest wie das Amen in der Kirche. "Ich bin davon überzeugt, auch wenn viele etwas anderes behaupten." Und daran glauben muss er. Schießlich will er sich eines Tages den Traum von der eigenen Tischlerei erfüllen.

Zur Sache:
Zur Meisterausbildung für Tischler gehören vier Module: Ein Projekt, aus welchem das Meisterstück hervorgeht, Fachtheorie-Prüfung, Kalkulation und Ausbildereignung.
Am 6. April findet in der Handwerkskammer (HWK) Zeulenroda die Prüfung mit Meisterfreisprechung statt. Einen Tag vorher bauen die Lehrgangsteilnehmer ihre Meisterstücke zur Besichtigung auf. Zur Prüfung gehört auch ein kundenbezogenes Fachgespräch, dass die Tischler souverän führen können müssen.
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Griseldis Scheffer aus Gera | 02.04.2016 | 22:24  
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