Mein Freund Goethe. Die Sängerin Corona Schröter zeigt uns ihr Ilmenau des 18. Jahrhunderts

Mit dem großen Dichter lässt es sich trefflich parlieren.
 
Der Dichter habe oft ganz still und beobachtend auf einer Bank gesessen, erzählt Corona Schröter.
Ilmenau: ... |

Es ist ein schöner Frühsommertag. Die Sonne steht hoch am Himmel, auf der Bank vor dem Ilmenauer Amtshaus sitzt eine elegant gekleidete Dame neben Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe und scheint mit ihm zu plaudern. Sie trägt ausladende Kleider und einen spitzenbesetzten Sonnenschirm und man wähnt man sich in der Zeit Jahrhunderte zurückversetzt. Das moderne Markttreiben, Autos und der Bratwurstgeruch wirken plötzlich deplatziert.

"Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Corona Elisabeth Wilhelmine Schröter. Sängerin, Komponistin, Malerin und Schauspielerin am Weimarer Hof", sagt Stadtführerin Susanne Fröhlich. "Ich möchte Ihnen mein Ilmenau des 18. Jahrhunderts zeigen. Wohlan." Mit ihrer behandschuhten Hand zeigt sie in Richtung Bratwurstrost. "Corona Schröter hätte sich fürwahr eine Bratwurst gegönnt. Sie war nie verheiratet, hatte durch ihren Beruf aber ausgesorgt und lebte in einfachen Verhältnissen." Nicht nur die Kleidung, auch die Sprache hat die schlanke Frau ihrer Führung angepasst und man lauscht ergeben ihren Worten.
Auf dem Weg zum Friedhof erzählt Corona vom Ilmenau ihrer Zeit. "Die Menschen lebten vom Holz aus dem Wald und man erfand gerade das Porzellan. Hätte mein lieber Freund Friedrich Schiller gewusst, dass ein Professor heute ein festes Gehalt bezieht, er hätte glatt die Zeiten gewechselt. Damals wurde man nach Vorlesungen honoriert."
In ihrem Kleid, dessen Saum beim Laufen den Boden berührt, schreitet Corona Schröter das kurze Stück zum Friedhof. Vorbei am Haus Johann Gottfried Herders. "Mein Freund, der Dichter, und seine Gattin verkehrten zeitweise nur schriftlich, wenn beide unterschiedlicher Meinung waren", erzählt die Sängerin. "Wenn es genug war, las sie ihm aus seinen Werken vor und schloss mit den Worten 'Wer so trefflich zu formulieren imstande ist, dem kann man nicht länger böse sein.' Er war jedesmal froh, dass sie den ersten Schritt getan hatte."
Auf dem Friedhof stellt sich die Sängerin an ihr Grab und man kann nicht anders, als diese Szene zu fotografieren. "Es ist nicht vielen vergönnt, aus dieser Perspektive auf ihre Grabstätte zu blicken", sagt Corona lächelnd und erzählt, dass sie am 23. August 1802 im Alter von 53 Jahren an Tuberkulose in Ilmenau starb.

Das Geschlecht der Henneberger hinterließ Spuren


Weiter führt der Weg durch die Stadt. Dabei spricht die Sängerin über die Bedeutung der Wappen auf Gullideckeln, das Geschlecht der Henneberger oder die alte Wasserburg in Marktnähe. Als diese verfiel, bediente man sich der Steine, um das Amtshaus zu bauen. Und da sich auch die Ilmenauer dieser Steine bedienten, entstanden Steinhäuser, die den damals verheerenden Stadtbränden widerstanden. Der große Stadtbrand von 1752 soll übrigens durch einen Spatzenstreit entstanden sein. Corona Schröter weiß darüber Näheres zu berichten. Und als aufgeklärte Frau kennt sie auch die Geschichte von der Bierfahne und weshalb die mehrfach abgebrannte St. Jakobus-Kirche eine Wetterhenne statt eines -hahnes trägt. Äußerst unterhaltsam ist die Episode, in der Goethe erblasst, als er sich in Stützerbach nach der Katze im Butterfass erkundigt.
Seit zwei Jahren zeigt Susanne Fröhlich in der Gestalt von Corona Schröter, die am Apothekerbrunnen wohnte, Einheimischen und Gästen ihr Ilmenau. Sie eignete sich enormes Wissen an, erzählt gern kurzweilige Geschichten und Anekdoten über Berühmtheiten ihrer Zeit - in Sprache und Aufmachung dieser Zeit. So kann man Geschichte auch vermitteln.


Zur Person:
Corona Schröter wird am 14. Januar 1751 in Guben geboren. Ihr Vater ist Militärmusiker und träumt von einer Musikerfamilie. Corona spielt Flöte, Laute, Gitarre und singt. Sie spricht polnisch, englisch und deutsch. Mit 13 Jahren hat sie ihren ersten Auftritt in Leipzig. Schröter wird fest angestellt und erhält ein jährliches Gehalt von 400 Talern. Über ihr Hobby, die Malerei, lernt sie Goethe kennen. Auf seinen Vorschlag wird sie 1776 als Hofvokalistin und Kammersängerin nach Weimar verpflichtet. Später ist sie Mittelpunkt von Goethes Theater und die erste Darstellerin der Iphigenie.
Die nächste Stadtführung mit Corona Schröter findet im Juli, bis Oktober jeden vierten Freitag im Monat statt.
Informationen bei der Ilmenau-Information unter 03677/600300.

www.ilmenau.de
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6 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 23.06.2015 | 18:30  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 24.06.2015 | 00:08  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 24.06.2015 | 12:15  
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Renate Jung aus Erfurt | 24.06.2015 | 20:16  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 30.06.2015 | 16:49  
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Martina Giese-Rothe aus Gotha | 05.07.2015 | 12:49  
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