Mit (fast) allen Sinnen dabei - Für sehbehinderte Menschen aus Thüringen war der Aktionstag in Alkersleben ein unvergessliches Erlebnis

Ein Elektroauto naht. Wird der sehbehinderte Teilnehmer des Aktionstages das Fahrzeug rechtzeitig wahrnehmen?
Alkersleben: ... | von Jana Scheiding

„Den Trabi hat man früher aber besser gehört“, sagt eine Dame mit starker Brille. „Und gerochen“, ergänzt eine andere. Fröhliches Gelächter ringsumher.
Das Lachen haben die Menschen, die am 18. Juni zu einem Aktionstag auf den
Flugplatz eingeladen sind, nicht verlernt, obwohl sie ein Handicap eint: sie sind blind, zumindest sehbehindert. Initiatorin dieses Tages unter dem Motto „Sensibel 2011 – Blinde fahren Auto“ ist Marlis Wöbber, Inhaberin
der Fahrschule „Marlis“ in Ilmenau. Sie hatte im Internet von einer ähnlichen Veranstaltung gelesen und die Idee nach Thüringen gebracht – zum Blinden- und Sehbehindertenverband des Freistaates, der die Aktion organisierte.
Als die ersten Regentropfen fallen, lässt Peter Werner, Fahrlehrer aus Schmalkalden, gerade sehr eindrucksvoll demonstrieren, wie es klingt,
wenn Autos und Motorräder bei 30 oder 50 km/h eine Vollbremsung hinlegen. Oder wie ein Fahrzeug durch eine nasse Tapetenbahn bricht. Nachdenklich wird die Gruppe, als ein Elektrofahrzeug vorbeisurrt – so leise wie ein
Fahrrad. „Das kann im realen Straßenverkehr mit Nebengeräuschen für Sehbehinderte gefährlich werden“, gibt Moderator Werner zu bedenken.
Der Regen wird indessen stärker, doch der Sensibilierungstest ist ohnehin zuende. Im Hangar, wo es Bratwürste gibt und die Band „Sieben auf einen Streich“ beschwingte Melodien spielt, wird nun beratschlagt, welche Station
als nächstes zu belegen sei. Äußerst interessant ist es bei Ralf Mackel, dem blinden Rennfahrer, der auf sein Gehör vertraut und aus einem reichen Erfahrungsschatz erzählt. Sehenden erklärt er die Welt der Blinden. „Sie sehen
nicht, ob Sie morgens die passenden Strümpfe anziehen“, beschreibt er die Situation. Obwohl die Industrie auf diesem Gebiet bereits Abhilfe geschaffen
hat – nach heutigem Stand der Technik ist es sehbehinderten Menschen nicht
vergönnt, eigenhändig ein Fahrzeug zu lenken. Thüringens Behindertenbeauftragter Dr. Paul Brockhausen nennt die Aktion ein „außergewöhnliches Experiment“, die Beteiligten sehen in diesem Tag ein
unvergessliches Erlebnis.
Neben der Lkw-Station steigt eine Frau aus dem Fahrschulwagen von Peter
Werner. „Das wird dir gut gefallen!“, ruft sie dem Mann zu, der nach ihr dran ist und es kaum erwarten kann, selbst hinterm Steuer zu sitzen. Aufgeregt klettert er auf den Fahrersitz, befolgt eifrig die Anweisungen des Fahrlehrers. „Aber nicht schneller als 200!“, frotzelt es von der Seite. Unschwer zu erkennen: Der
Spaß steht an diesem Tag im Vordergrund.
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6 Kommentare
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Katrin Treydte aus Erfurt | 27.06.2011 | 11:12  
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Antje Hellmann aus Jena | 27.06.2011 | 15:20  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 27.06.2011 | 15:26  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 29.06.2011 | 22:36  
590
Uwe Henning Vereinsvorsitzender SG Einheit Arnstadt aus Arnstadt | 06.07.2011 | 22:52  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 07.07.2011 | 09:17  
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