Mit fleischlichen Gelüsten in den Saftladen - im Greizer Land wendet man sich intensiver regionalen Lebensmitteln zu

So ein Schnitzkurs mit Konstanze Töpel (rechts, blond mit Brille) ist lustig. Zur 1. Erzeugerkonferenz kann, wer möchte, einen Kurs im Obst- und Gemüseschnitzen mitmachen. (Foto: privat)
Langenwetzendorf: ... |

Lebensmittel liebt Konstanze Töpel mit jeder Faser - und das im wahren Wortsinne: Die Ostthüringerin ist Fleischtechnikerin von Beruf. Lebensmittel aus aller Herren Länder? - Brauchen wir nicht, sagt sie, deren Herz für die Region schlägt und die jetzt gemeinsam mit der Leader Aktionsgruppe Greizer Land die 1. Erzeugerkonferenz ins Leben rief. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit der Organisatorin über fleischliche Gelüste, knackiges Gemüse und saftige Überraschungen.

Erzeugerkonferenz - das klingt ziemlich ernst, Frau Töpel. Worum geht‘s denn da?
Das Thema ist uns ernst, wenngleich es für die Besucher ein spannender, erlebnisreicher Tag werden wird. Wir wollen den Fokus wieder auf regionale Lebensmittel lenken und Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher näher zusammenbringen. Dafür wurde die Ökomarktgemeinschaft „Vom Land in deine Hand“ mithilfe von Landaufschwung gegründet.

Regionale Produkte sind saisonabhängig. Ist es nicht schöner, das ganze Jahr Erdbeeren essen zu können?
Das finde ich ganz und gar nicht. Wir brauchen keine Erdbeeren aus Afrika. Regionale Lebensmittel sind einfach gesünder. Sie benötigen aufgrund kurzer Transportwege kaum Konservierungsstoffe und sind auch wirtschaftlich gesünder für die Region. Erfreulicherweise nehmen die Menschen ihre Umwelt wieder bewusster wahr. Das motiviert uns als Regionale Aktionsgruppe Greizer Land, uns für die regionale Lebensmittelerzeugung zu engagieren.

Am Mittwoch also ein regionales Konzentrat. Was gibt‘s zu essen?
Der Tag beginnt mit kleinen Verkostungen, anschließend sind Fachvorträge und Exkursionen geplant – etwa zur Saftpresse nach Langenwolschendorf und zum Hanfpavillon nach Läwitz. Wer am Morgen dabei sein möchte, den bitte ich, Kontakt mit mir aufzunehmen. Die Plätze sind begrenzt, ich will das aber gern organisieren. Nachmittags geht es dann richtig los: Kaffee aus Thüringer Röstereien, Milch aus der Milchtankstelle Silberfeld, Getränke aus der Saftpresse Zeulenroda, Steak vom Biorind, Schinken und Wurst aus Braunichswalde, Kürbissuppe und vieles mehr.

Und Gemüse, das niemand essen darf?
Das ist nicht ganz richtig - es gibt ja Kürbissuppe. Der Höhepunkt am Nachmittag ist unser Mitmach-Seminar im Obst- und Gemüseschnitzen. Wie fasziniert die Menschen von dieser Kunst und Technik sind, erleben wir bei jedem Auftritt von unserem Verein „food artistic“. Der nächste ist vom 22. bis 26. Oktober zur Großen Olympiade der Köche in Erfurt. Dort sind wir mit einem Stand und eigenem Showprogramm vertreten.

Da schwingt Stolz in Ihrer Stimme mit...
Auf meine Goldmedaille bin ich stolz wie Bolle. Obwohl die noch kein Freibrief für einen Meistertitel ist. In China braucht man dafür zwei Goldmedaillen. Ich arbeite daran.

Von Haus aus gehören Sie eher zur "gegnerischen" Fraktion?
(lacht). Ich komme vom Land und meine Mutter wollte eine vorzeigbare Hausfrau aus mir machen. Das ging mir aber gegen den Strich, also lernte ich Mitte der Siebzigerjahre den Männerberuf Fleischer. Wenn ich das in der Disco erzählte, hatte ich keinen Freund. Den einzigen, der keine Angst vor mir hatte, habe ich gleich behalten.

Und heute?
... Ist alles ein wenig theoretischer. Ich berate Fleischerhandwerksbetriebe, bin Personaltrainerin und schule Verkäuferinnen auch zum Thema gesunde Ernährung mit Fleisch und Wurst. Hinzu kommen „food artistic“, die Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel und die RAG. Lebensmittel sind sozusagen mein Lebens-Mittelpunkt. Schließlich dienen sie nicht nur der Nahrungsaufnahme, sie sind auch ein Stück Kultur.


Hintergrund:
Mit dem Modellvorhaben Land(auf)Schwung werden neue Wege für das Zusammenleben und Arbeiten auf dem Land erprobt und Perspektiven für jungen Menschen eröffnet.
1. Erzeugerkonferenz regionaler Produkte der Leader Aktionsgruppe Greizer Land e.V. und k.t.beratung Konstanze Töpel am 7. September 2016, ab 10 Uhr, im Kulturhaus Langenwetzendorf.
Programm: Vormittags Konferenz mit Fachbeiträgen, Exkursionen und Besichtigungen (wer daran teilnehmen möchte, bitte unter k.t.beratung@t-online.de oder 036626/29193 Kontakt aufnehmen).
Am Nachmittag zu jeder vollen Stunde Mitmach-Aktion Obst- und Gemüseschnitzen "In jeder Gurke steckt ein Frosch...". Die Teilnahme ist kostenlos, die Kunstwerke dürfen mit nach Hause genommen werden.
Außerdem: Ausstelleraktivitäten, Kochshow, Podiumsdiskussion zum Thema "Steigerung der Wertschöpfungsketten mit regionalen Produkten", Gesprächs- und Informationsmöglichkeiten, regionale Produkte kennenlernen, genießen und kaufen.
Informationen:
www.foodartistic.de
www.leader-rag-greiz.de
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 04.09.2016 | 17:53  
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