"Nun bewescht euern Arsch..." Als der Altstädter mit Mundwerk zeigt Gunter Linke Interessierten "sein" Rudolstadt

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"Und nun bewescht euern Arsch..." Welcher Stadtführer darf das zu seinen Teilnehmern schon sagen? Sicherlich würde es ihm einige Beschwerden einbringen. Gunter Linke darf das. Wenn es seine Zeit erlaubt, zeigt er Freunden, Bekannten und deren Freunden und Bekannten "sein" Rudolstadt. Über diese und andere Ereignisse schreibt er als Bürgerreporter auf unserem Portal www.meinanzeiger.de

Als "Der Altstädter" - weil in der Altstadt von Rudolstadt geboren worden - tut er das in vorbildlicher Mundart und da heißt eben "wenn Sie mir bitte folgen würden..." kurz "bewescht euren Arsch."
Meist trifft Linke seine Gruppe am Schillerhaus. "Von mir bekommen die Leute höchstens drei Jahreszahlen zu hören. Alles andere haben sie an der nächsten Ecke vergessen", weiß der Altstädter, der zu seinen Führungen mit Hut, Rüschenhemd, schwarzem Anzug, Gehstock und einer alten, braunen Lederaktentasche erscheint.
So beginnt die Führung, natürlich, bei Schiller. 1787 wohnte der große Dichter im Hotel "Zur goldenen Gabel". Von dort hatte er einen hervorragenden Blick zum heutigen Schillerhaus, wo damals Familie Lengefeld-Beulwitz wohnte. Mit den Töchtern Charlotte und Caroline verständigte er sich via vor- oder zurückgezogenem Vorhang über ein Treffen ohne Anstandsdame, denn er war von der geistigen Atmosphäre der Familie und besonders der jungen Damen beeindruckt.

Über Rudolstadts Berühmtheiten kann der Altstädter allerhand Anekdoten erzählen


Wenn Linke derlei Anekdoten erzählt, hängen die Zuhörer an seinen Lippen.
Sein Wissen las er sich in vielen Jahren an und so bleibt er alle paar Meter stehen, um etwas Neues zu erzählen. Zum Beispiel über den Fürstlichen Oberforstmeister Carl Christoph von Lengefeld, dem wir die Nachhaltigkeit der Wälder verdanken. Oder die Geschichte vom Drucker Fröbel: "Dieser produzierte Kalender, die niemand kaufte. Also ging er zu seinem Fürst, um sich zu beschweren. Der ordnete an, dass jeder Rudolstädter einen Fröbel-Kalender haben musste und schickte seine Leute aus, um das zu kontrollieren."

Unterdessen gelangt die Gruppe an einen Punkt der Altstadt, die einen herrlichen Blick auf die stolze Heidecksburg freigibt. "Rudolstadt war bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutendes Weinanbaugebiet, bis die Reblaus kam und alles zerstörte", erzählt Gunter Linke und zeigt mit seinem Gehstock auf zarte Rebstöcke unterhalb der Burg. "Jetzt will man es noch einmal versuchen mit dem Weinanbau."

Richard Wagner ein Mietnomade?

Unweit davon steht ein Haus, das mehr von gutem Willen als von Mörtel zusammengehalten wird. Darin wohnte ein prominenter Mietnomade: Richard Wagner. "Er war ein halbes Jahr Kurator am Rudolstädter Theater und soll die Miete schuldig geblieben sein. Eigentlich hätten wir das unserer Partnerstadt Bayreuth in Rechnung stellen müssen", sagt der Altstädter und sorgt damit für Amüsement in der Gruppe.
Mit Rücksicht auf Auswärtige und Nichtwissende erzählt Gunter Linke nicht alles in Mundart, aber den beliebtesten Lehrer von Rudolstadt, Mundartdichter Anton Sommer, hätte er schon gern kennengelernt. Wo dieser gewohnt hat, muss die Gruppe unbedingt erfahren, obwohl die zwei Stunden Führungszeit schon überschritten sind. Auch wenn die Ersten jetzt fußlahm werden - die Geschichte von der Bierprobe wollen sie unbedingt erfahren und Gunter Linke lässt sich nicht lange bitten: "Früher trugen die Männer Lederhosen. Wenn es im Wirtshaus neues Bier gab, musste dieses natürlich verkostet werden. Also schütteten sie Bier auf die Bank und setzten sich in die Pfütze. Wenn sie Stunden später aufstanden und das Bier klebte, war es von guter Qualität. Wenn sie problemlos aufstehen konnten, war es verwässert und der Wirt war seine Gäste schneller los als er ein neues Fass anzapfen konnte."

Kontakt Gunter Linke:
01578/4887802
E-Mail: deraltstaedter@gmx.de

Die Fotogalerie zeigt Rudolstädter Ansichten insbesondere der Altstadt.
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4 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 02.09.2015 | 23:08  
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Renate Jung aus Erfurt | 03.09.2015 | 19:13  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 03.09.2015 | 20:57  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.09.2015 | 02:13  
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