Ohne Worte verstehen: Tiere sind für menschliche Zuwendung sehr dankbar – Tierheim Ilmenau sucht deshalb ehrenamtliche Helfer

Braucht viel Zuwendung: Kater Luschka mit Pfleger Andreas Dwornik.
Ilmenau: ... | Ilmenau. „Mein Vater war ein absoluter Tiernarr. Ich durfte alles mit nach Hause bringen“, erzählt Regina Urbatschek und erinnert sich an die Geschichte mit der Dohle. „Der Vogel hinkte, also schiente mein Vater dessen Bein.“ Dass die Tierliebe auch der Tochter im Blut liegt, verrät schon deren Lebensphilosophie: „Ein Leben ohne Tiere ist möglich, aber sinnlos.“
So verwundert es nicht, dass Urbatschek – kaum dass die politische Wende vollzogen war – den Tierschutzverein Ilmenau und Umgebung gründete und zwei Jahre später, 1992, das Tierheim. Im Jahr finden dort etwa 300 Katzen und 120 Hunde ein vorübergehendes Zuhause. Den bisher längsten Aufenthalt hatte ein Hund – er beschloss nach zwölf Jahren sein Leben im Tierheim. Das sei aber die Ausnahme, unterstreicht die Tierheimchefin. Zurzeit beherbergen sie und ihr Team sechs Hunde und 45 Katzen. „Wir konnten gut vermitteln“, freut sich Urbatschek, obwohl sie weiß, dass sie ihre Statistik zur bevorstehenden Welpenzeit nach oben korrigieren muss. „Dann brauchen wir mehr ehrenamtliche Helfer für die Wochenenden“, sagt sie. Volljährige Interessenten, die sowohl tierlieb als auch zuverlässig sind, können mit dem Tierheim in Ilmenau Kontakt aufnehmen. „Die Leute werden etwa alle drei Wochen stundenweise eingesetzt“, erklärt Urbatschek. „Es geht darum, Katzen zu streicheln und zu kämmen oder Hunde auszuführen. Die Tiere sind für diese Zuwendung sehr dankbar.“ Zöglinge, die bereits mit „Gassigehern“ gesegnet sind, scheinen eine innere Uhr zu haben, vermutet Urbatschek lachend: „Wenn die gemeinsame Zeit bevorsteht, wedeln die Hunde mit dem Schwanz und die Katzen sind ganz aufgeregt.“
Apropos Katzen: Deren Überpopulation treibt Regina Urbatschek die Sorgenfalten auf die Stirn und sie kann gar nicht anders, als an private Katzenhalter zu appelieren, geschlechtsreife Katzen und Kater kastrieren zu lassen. „Früher wurden Katzenjunge umgebracht. Das ist heute eine Straftat“, erklärt sie die Rechtslage. Ebenso verboten ist, Hunde an der Kette zu halten. Auch die Größen von Zwingern regelt das Tierschutzgesetz. „Wenn wir auf nicht artgerechte Tierhaltung hingewiesen werden, gehen wir dem nach“, versichert Urbatschek. Viele Geschichten aus ihrer Praxis könnte sie erzählen. Die vom „Animal Horting“-Fall zum Beispiel, wo an einem Tag insgesamt hundert Tiere – von Huhn bis Pferd – im Tierheim Asyl fanden. Oder von der Schäferhündin, die neun Jahre lang in einem Schweinestall eingesperrt wurde und die dann sogar Einlass in Urbatscheks Privatleben fand: „Solch einen Hund hatte ich nie wieder“, erzählt die Tierheimbetreiberin beinahe ehrfürchtig. „Wir verstanden uns ohne Worte.“


Kontakt:
Tierschutzverein Ilmenau & Umgebung, Regina Urbatschek, 03677/877813; Tierheim Ilmenau, Ziolkowskistraße 4, 03677/671157, E-Mail: nachricht@tierheim-ilmenau.de
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4 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 10.04.2013 | 16:22  
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Petra Seidel aus Weimar | 10.04.2013 | 16:37  
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Renate Jung aus Erfurt | 10.04.2013 | 21:47  
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Constanze Fuchs aus Gotha | 11.04.2013 | 23:08  
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