Pure Woll-Lust: Morgen beginnt in Ilmenau ein neuer Filzkurs mit der Suhler Künstlerin Katrin Pieterwas

Katrin Pieterwas hat vor 13 Jahren die Filzkunst entdeckt. Sogar Schuhe entspringen ihrer Kreativität.
 
Durch das natürliche Lanolin ist die Wolle wasser- und schmutzabweisend. Für Schuhe verwendet die Künstlerin andere Wolle als beispielsweise für eine Mütze.
Ilmenau: ... |

Von Wolle kann die Suhler Künstlerin Katrin Pieterwas gar nicht genug bekommen. Seit 13 Jahren frönt sie der Woll-Lust. Das farbige Garn berührt die Seele, sagt sie, die ihren Beruf als Zahntechnikerin aufgab, um sich der Filzkunst zu widmen. Seitdem kreiert sie Kleider, Schuhe, Wohnaccessoires und gibt ihr Wissen weiter.

Mit Katrin Pieterwas kann man sich schon ordentlich in die Wolle kriegen. Gott sei Dank endet das nicht im Streit, sondern in wundervollen Kreationen. Morgen beginnt an der Volkshochschule Ilmenau ein neuer Filzkurs mit der begabten Künstlerin aus Suhl, zu dem jeder eingeladen ist, der gern mit Wolle arbeitet oder das zukünftig tun möchte. Zuvor hat AA-Redakteurin Jana Scheiding die Künstlerin in ihrem Atelier besucht.


Früher fühlten Sie den Menschen auf den Zahn, wie kam es zur "wolllüstigen" Neuorientierung?
Ich habe mich als Zahntechnikerin sehr wohl gefühlt, doch vor 13 Jahren besuchte ich eine Filzmodenschau der Volkshochschule Meiningen, die mich begeisterte. Sofort spürte ich, dass ich das auch lernen will. Also belegte ich Kurse, absolvierte eine Textil-Art-Ausbildung und einen Abschluss in textiler Gestaltung.

Können Sie von der Woll-Kunst leben?
Ja. Das Spektrum ist riesig. Je nachdem, welche Wolle man in Kombination mit anderen Materialien verwendet, lässt sich daraus immens viel herstellen: Kleidung, Hüte, Decken, Skulpturen, Einrichtungsgegenstände, sogar Schuhe. Diese Vielseitigkeit fasziniert mich - und andere Menschen. Ich erledige Auftragsarbeiten und gebe Kurse.

Wenn ich Ihre Arbeiten betrachte, steckt da noch ziemlich viel Zahntechniker drin...
(lacht). Ja, meine Vergangenheit kann ich nicht ablegen. Ich lege großen Wert auf das Technisch-Filigrane, strebe nach Feinheit. Ich brauche eine Struktur und stelle Berechnungen an, bevor ich mit der Arbeit beginne. Diese Kreationen sagen viel über den Menschen aus. Ein Teil meiner Kursteilnehmer arbeitet nach Zeichnung, andere filzen darauf los. Die Arbeiten zeigen auch, wie offen jemand für Farben ist. Wir greifen in eine Farbpalette, die zu uns gehört. Bei mir sind das Türkis, Blau, Grün oder die Kombination Rot-Orange-Gelb. Ich glaube, dass Wolle die Seele berührt, sie verzaubert uns. Das spüre ich in jeder Zusammenarbeit mit Menschen.

Ist die Kunst schwer zu erlernen?
Im Gegenteil. Die Filztechnik ist relativ einfach, man bekommt ein Gefühl für Wolle und Gestaltung, spürt die Sensorik der Hände: Muss ich etwas fein herausarbeiten oder Druck ausüben? Natürlich bedarf es Geduld und Ausdauer, trotzdem können Anfänger schnell Erfolge verbuchen. Das motiviert.

Wie viele Wollarten gibt es?
Tausende. Nehmen Sie nur die Merinoschafe. Die Wolle des deutschen unterscheidet sich grundlegend von der des australischen Schafes. Bedingt durch Klima, Wetter, Futter und dergleichen. Es kommt darauf an, wofür die Wolle eingesetzt wird.

Sie fertigen Schuhe, die Nässe und Schmutz ausgesetzt sind. Ist die Wolle dafür nicht zu empfindlich?
Ganz und gar nicht. Die Hüte und Ponchos der Hirten bestehen aus Filz. Wolle verfügt über ein von der Natur gegebenes Imprägniermittel, das Lanolin. Hängt man Filzkleidung bei regenfeuchtem Wetter hinaus, regeneriert sich die Wolle von selbst.

Geben Sie dieses Wissen an Ihre Kursteilnehmer weiter?
Natürlich, das gehört dazu. Ich will meinen Teilnehmern eine solide Filztechnik beibringen, ihnen aber ihre eigene Kreativität lassen. Es ist wichtig, dass sie ihr eigenes Ich, ihren Stil, ihre Linie in die Kunst einbringen. Ich vermittele nur das Handwerk.


Zur Sache:
Katrin Pieterwas ist mit ihrer Filzkunst in Thüringen unterwegs, zum Beispiel in Erfurt, Suhl, Meiningen, Ilmenau.
Ihr nächster Kurs findet am 16. März, 16.30 bis 20.15 Uhr in der Volkshochschule Ilmenau statt. Anfänger und Fortgeschrittene sind herzlich willkommen. Weitere Kurse im April, Mai und Juni.
www.pependi.de
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