René Böttcher aus Ilmenau trifft ins Schwarze

René Böttcher trifft als Bogenschütze und junger Wissenschaftler gern ins Schwarze.
Ilmenau: ... |

René Böttcher wäre wahrscheinlich ein begnadeter Lehrer geworden, wenn er nicht so gnadenlos neugierig wäre.

"Mich faszinieren Ergebnisse, die aus Forschung und Experimenten entstehen", sagt der 23-Jährige. Die Einrichtung seines Zimmers kündet davon: Zwei Laptops, Whiteboard, an der Wand das Periodensystem der Elemente. Zurzeit studiert der Eichsfelder an der TU Ilmenau im achten Semester Werkstoffwissenschaft und wird in einem Jahr seinen Masterabschluss machen. Beruflich hat René Böttcher bereits einmal ins Schwarze getroffen: Im Mai 2014 erhielt der junge Mann den Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für zerstörungsfreie Prüfung (DGZfP). Böttcher hat ein Verfahren zur Steigerung der Auflösung von Ultraschallverfahren zur Werkstoffcharakterisierung und -prüfung entwickelt. Mit seiner Ausbildung kann er später in der Auto- oder Computerbranche, der Halbleitertechnik, Chipherstellung oder der Luft- und Raumfahrt arbeiten. Überall dort, wo es um Werkstoffe geht, die eine Menge aushalten müssen.

"Chemie ist mir zu trocken"

Auf dem Gymnasium war René Böttcher im Mathe- und Chemieleistungskurs. "Mit Chemie hätte ich mich auch anfreunden können, doch das Fach war mir auf Dauer zu theoretisch", sagt er lachend. Da wälzt er lieber Zahlenkolonnen. Als wäre es das Einfachste auf der Welt, macht er am Whiteboard Integral- und Differenzialrechnungen auf, dass selbst bei Mathefeinden Freude aufkommt und die Welt der Zahlen plötzlich gar nicht mehr so undurchdringbar erscheint.
Für seine Forschungen nutzt Böttcher gern das Impuls-Echo-Verfahren in Kombination mit der Fourier-Transformation, mit dessen Hilfe er Dicke und Eigenschaften von Werkstoffen untersucht. "Diese Methode zerlegt ein zeitliches Schallsignal - das Echo - in einzelne Sinus- und Kosinusfunktionen, mit denen man Rauschen herausfiltern kann", erklärt der junge Wissenschaftler. Je weniger Rauschen, umso genauer die Berechnungen. Und wo manch Studienkollege entnervt aufgibt - beispielsweise bei der Fourier-Analyse - fängt für René Böttcher der Spaß erst an. "Hier geht es um den imaginären Zahlenbereich", erklärt er.

Mathematik? - Eine glasklare Sache


Mathematik ist für Böttcher eine glasklare Sache. "Ich mag diese Klarheit. Deutsch muss man lernen, Literatur kann man vollkommen unterschiedlich interpretieren. Mit wenigen Zahlen lassen sich ebenso unendlich viele Ergebnisse mit zahllosen Informationen erzielen, aber die sind eben nicht in alle Richtungen auslegbar."
Damit das Leben an der Uni nicht zu theoretisch verläuft, arbeitet René Böttcher als wissenschaftliche Hilfskraft und nimmt an Forschungsprojekten teil. "Jeder ist seines Glückes Schmied und muss im Leben klarkommen", sagt er. "Ich strebe das Beste an". Und augenzwinkernd: "Dabei darf man aber das Leben nicht verpassen." Der 23-Jährige fährt leidenschaftlich gern Motorrad, spielt Gitarre, leitet einen Völkerballkurs an der Uni und ist seit kurzem Mitglied in einem Bogenschützenverein.


Hintergrund:

Die DGZfP mit Hauptsitz in Berlin beschäftigt sich mit Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal für zerstörungsfreie Werkstoffe. Angewendet werden u.a. spezielle Röntgenverfahren, Ultraschall und Computertomografie für Werkstoffe.
Der Nachwuchsförderpreis wurde auf der Jahrestagung in Potsdam verliehen, wo Vertreter u.a. von Airbus, Continental und VW zusammenkamen. René Böttcher trat während dieser Tagung der Gesellschaft bei und will sich nun ein berufliches Netzwerk aufbauen. Großen Anteil an diesem Erfolg hat Böttchers Mentor, Professor Lothar Spieß, von der TU in Ilmenau.

Thema der fast 130 Seiten umfassenden Bachelor-Arbeit von René Böttcher waren "Untersuchungen von Dickschichtsystemen mittels Ultraschall (Impuls-Echo-Verfahren) im Wasserbad und Signalverarbeitung mit der Fourieranalyse".
Die Grundidee ist, das Echosignal in seine Frequenzanteile aufzuspalten und störende hochfrequente Anteile (das Rauschen) zu entfernen, um so ein schärferes, klarer zu lokalisierendes Echo zu erhalten. Daraus ergibt sich eine bessere Auflösung des Verfahrens. Mit den gewonnenen, durch die Fourier-Analyse genaueren Daten lassen sich Werkstoffe nicht nur besser auf Fehler untersuchen. Das Verfahren lässt es auch zu, die Werkstoffe zerstörungsfrei auf Kenngrößen zu untersuchen, die für gewöhnlich nur durch Zerstörung der Proben ermittelt werden können.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 14.08.2014 | 23:35  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.08.2014 | 00:19  
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