Roland Barwinsky aus Hirschberg trampt für den MDR durch Siebenbürgen

Für den MDR stellte sich Roland Barwinsky in Siebenbürgen an den Straßenrand. (Foto: OPEN House Media)
 
Ein Filmteam des MDR begleitet Barwinsky durch Siebenbürgen. (Foto: Roland Barwinsky)
Hirschberg: ... |

In Jogginghose zur Hochzeit - wo gibt's denn sowas? - Im Osten. Genauer gesagt: In Siebenbürgen. Da kann es einem ahnungslosen Touristen in Freizeitkleidung schon mal passieren, dass er spontan zur Hochzeit eingeladen wird. Roland Barwinsky aus Hirschberg in Ostthüringen trampte jahrelang durch Siebenbürgen und weiß viele Geschichten von Land und Leuten zu erzählen.

Roland Barwinsky ist noch gar nicht richtig wach, als ihn der Anruf erreicht. Die Redakteurin des Mitteldeutschen Rundfunks will wissen, ob er mit einem MDR-Fernsehteam nach Siebenbürgen reisen und dort vor laufender Kamera trampen würde. Für die Sendung "Heute im Osten" sei man auf der Suche nach Siebenbürgenfans unter anderem durch einen Beitrag im Allgemeinen Anzeiger auf Barwinsky gestoßen.
Was für eine Frage. Naturlich will er. "Dieses Angebot kam für mich genauso überraschend wie 1987 die Idee, nach Siebenbürgen zu trampen. Das gefiel mir", erzählt der Journalist und Autor aus dem ostthüringischen Hirschberg.
Am Donnerstag vor dem Reformationstag geht es los. Vier Tage stehen dem Team zur Verfügung - zwei für die Reise, zwei für die Drehs. Anders als damals übernachtet Barwinsky im Hotel. "Hätte ich das damals getan, hätte ich nie erlebt, was ich erlebte", resümiert der bärtige Mann, der beim Rumänienbesuch gelegentlich heute noch Autos anhält. Näher kann man Menschen, Sitten und Gebräuchen nicht kommen.

Am Straßenrand war ich manchmal der einzige "Zoni" unter 30 Leuten.


"Damals standen um die 30 Leute auf der Straße und wollten mitgenommen werden. Meistens war ich der einzige 'Zoni' unter ihnen", erinnert sich Barwinsky. Fast zittert seine Stimme, als er erzählt: "Mit dem Fernsehteam fand ich exakt die Stelle, an der ich damals gestanden habe. Dort war vor über 20 Jahren nichts als Ödnis. Heute gibt es eine Tankstelle und Mc Donalds."
Während der Fahrt muss der Siebenbürgenfan mehrmals aussteigen, um am Straßenrand den Finger auszustrecken. Nach und nach besucht die kleine Gruppe die wichtigsten Orte, an denen Barwinsky während seiner aktiven Zeit weilte. In Neppendorf bei Hermannstadt ein Kurzaufenthalt im Kindergarten. "Wir hatten Trostteddys im Gepäck, die schenkten wir den Kindern", erzählt der Bibliothekar.
Am 31. Oktober macht das Team in Honigberg Halt. Dem Ort, wo der junge Mann aus der Ex-DDR 1993 spontan zu einer Hochzeit eingeladen wurde. "Ich wollte mir nur den Kirchberg ansehen. Plötzlich fand ich mich in meiner Jogginghose in der Kirche wieder. Aber meine Kluft machte niemandem etwas aus."
22 Jahre später bereiten Mitglieder der deutschsprachigen Kirchgemeinde den Reformationsgottesdienst vor, als die Crew das Gotteshaus betritt. "Seid ihr die Orgelbauer?", fragt jemand neugierig. "Nein, ein Fernsehteam aus Thüringen." Sofort ist der Kontakt wieder da. In Siebenbürgen geht das schnell. Roland Barwinsky macht die Fernsehleute auf Frauen aufmerksam, die den seltenen siebenbürgisch-sächsischen Dialekt sprechen. "Der ähnelt dem Luxemburgischen und ist eine kulturelle Rarität", weiß er.

Ich liebe dieses Land, wo Kühe in Gemütsruhe über Bahngleise laufen


Barwinsky liebt dieses Land. Die Höfe, in denen es früher noch Plumpsklos gab und wo er eigenhändig Holz und Kohlen im großen Ofen entzündete. Wo Kühe in aller Gemütsruhe über Bahngleise spazieren. Wo gemütlich in großer Runde Kaffee getrunken wird. Und wo es eine Zeitung gibt, in der Barwinski ab und an seinen Namen in Autorenzeilen liest.
"Das alles war so lebendig, dass ich am liebsten da geblieben wäre." Doch wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Das gilt auch für Besuche in Siebenbürgen.

Zur Sache:
Der MDR zeigt am 15. November, 15.35Uhr, in seiner Reihe "Heute im Osten" einen Beitrag über die Tramperlebnisse von Roland Barwinsky durch Siebenbürgen. Der Ostthüringer fuhr mit dem Team an Originalschausplätze wie Urwegen, Hermannstadt, Neppendorf, Kronstadt, Honigberg. Autostopps wurden bei Sebes und Brenndorf gefilmt. Die Filmleute interviewten die Redakteurin der "Hermannstädter Zeitung" und Menschen in der Region.
Termin: 16. Dezember weihnachtliche Lesung "Impressionen aus Siebenbürgen", 19 Uhr, Neues Schloss Bad Lobenstein


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