Tausche Irkutsk gegen Unterwellenborn. Wie die 13-jährige Sonja aus Sibirien Thüringen und Deutschland erlebte

Sofia, die Kurzform lautet in Russland Sonja, im Strandkorb ihrer Gastfamilie in Unterwellenborn.
Unterwellenborn: ... |

Sibirische Verhältnisse durfte Sonja mit den hiesigen vergleichen. Die Dreizehnjährige aus Irkutsk hat ein Vierteljahr "Land, so weit das Auge reicht" mit den "niedlichen Städten aus Deutschland" getauscht. Was ihr hier besonders gefallen hat? Die Thüringer Bratwurst natürlich, Schloss Neuschwanstein und die Reste der Berliner Mauer.

Im Januar besuchten wir Familie Müller-Franke in Unterwellenborn, die sich bereit erklärt hatte, eine Schülerin aus dem russischen Irkutsk ein Vierteljahr als Gastkind bei sich aufzunehmen. Bevor die 13-jährige Sofia (Sonja) Badmaeva nun wieder nach Hause fliegt, besuchte AA-Redakteurin Jana Scheiding die Familie erneut, um mit Sonja über ihre Zeit in Deutschland zu sprechen.

Sdráßtwuj, Sonja. Minjá zawút Jana. Aber ich denke, wir können uns auf Deutsch unterhalten, oder?
Ja, das können wir. Ich hatte vor meinem Besuch zwei Jahre Deutsch in der Schule, aber hier habe ich sehr viel dazugelernt.

Hast Du immer ein Wörterbuch dabei?
Ja, oder einen Translater. Vieles muss ich schon noch nachschlagen.

Wie gefällt es Dir hier?
Deutschland ist ganz anders als Russland. Es gibt hier viel Grün, Parks mitten in der Stadt und kleine Häuser. Auch Saalfeld ist eine niedliche kleine Stadt.

Andere Länder, andere Sitten. Hast Du Dich schnell an das Thüringer Essen gewöhnt?
Anfangs habe ich bei vielem gezögert, aber jetzt esse ich sehr gern Thüringer Bratwurst, Schokolade und Toastbrot. Der Verbrauch in meiner Gastfamilie ist, seit ich hier bin, enorm gestiegen.

Was hast Du hier an praktischen Tätigkeiten gelernt?
(lacht). Bügeln und Rommé spielen. Mein Gastvater hat mir ein ganz neues Blatt geschenkt. Das Spiel werde ich zu Hause meiner Familie beibringen.

Wie war Deine Zeit im Erasmus-Reinhold-Gymnasium in Gorndorf?
Die Schule hat mir gut gefallen. Allerdings kam ich mit Chemie und Ethik oder Religion nicht zurecht. Diese Schulfächer kannte ich nicht. Zu Hause trage ich eine Schuluniform, hier ist alles viel freier. Und dass ich mit dem Fahrrad zur Schule fahren kann, wäre zu Hause undenkbar. In Sibirien liegt alles viel weiter auseinander.

Du warst mit Deiner Gastfamilie viel unterwegs. Was hat Dich am meisten beeindruckt?
Neuschwanstein fand ich märchenhaft. Die Insel Mainau hat mich beeindruckt, aber auch die Reste der Berliner Mauer und der Fernsehturm. Natürlich besuchten wir auch die Städte in der Nähe: Erfurt, Weimar, Eisenach, Rudolstadt. Ich fand das alles sehr schön und werde viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Wirst Du wiederkommen?
Nächstes Jahr habe ich wichtige Prüfungen. Aber in zwei Jahren würde ich sehr gern wieder in meine Gastfamilie nach Unterwellenborn kommen.


Hintergrund:
Der Verein "Gastschüler für Deutschland e.V." lädt seit 20 Jahren Kinder aus Russland nach Deutschland ein. Sie leben hier in Gastfamilien, besuchen die Schule und können ihre Sprachkenntnisse aufbessern.
Der Verein finanziert sich aus Spendengeldern und fördert auch solche Kinder, die aus finanziellen Gründen nicht an einem solchen Projekt teilnehmen könnten.
Christine Erb koordiniert Gäste und Gastfamilien und betreut Gastkinder in der eigenen Familie.
Jedes Jahr müssen Kinder zu Hause bleiben, weil nicht genügend Gastfamilien gefunden werden. Deswegen werden thüringenweit Gastfamilien gesucht.
Kontakt: 0371/8200100 oder Christine.Erb@gmx.de

http://www.meinanzeiger.de/arnstadt/leute/zuwachs-...
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