Und wer hilft mir?, fragte die Frau in einer Bürgerversammlung auf dem Arnstädter Rabenhold. Jetzt gibt es dort ein Bürgerbüro

In diesem Wohnblock auf dem Rabenhold befindet sich seit vergangenem Samstag das neue Bürgerbüro.
 
Landrätin Petra Enders.
Arnstadt: ... |

Auf einer Bürgerversammlung auf dem Arnstädter Rabenhold, als es darum ging, die gut 1200 Einwohner über die geplante Eröffnung einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge zu informieren, fragte eine Frau: "Und wer hilft mir?" Dieser Satz ging Landrätin Petra Enders nicht aus dem Kopf. Signalisierte er doch, dass sich die Menschen in diesem Wohngebiet mit Problemen und Sorgen alleingelassen fühlen.

Nun wagt die mächtigste Frau im Landkreis ein Experiment: Gemeinsam mit dem Jobcenter und der Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung (ThINKA) eröffnete sie ein Bürgerbüro auf dem Rabenhold. Näheres brachte AA-Korrespondentin Jana Scheiding in Erfahrung, als sie sich mit Petra Enders und Irena Michel, Geschäftsführerin des hiesigen Jobcenters, zum Interview traf.


Was bieten Sie den Menschen mit dem Bürgerbüro an?
Petra Enders: Wir wollen Kompetenzen von Jugendamt, Sozialamt, Jobcenter und anderen Behörden bündeln. Ein Netzwerk bilden, das den Menschen im Alltag hilft.
Irena Michel: Viele Menschen finden den Weg nicht in das Jobcenter im Bierweg. Gründe sind Behördenangst, Hemmungen oder Resignation. Manche sind zu stolz, Leistungen zu beantragen, obwohl sie einen Anspruch darauf haben. Das Bürgerbüro im Wohngebiet wirkt nicht so amtlich, die vertraute Umgebung - so hoffen wir - wird sicher manche Barriere brechen.

Werden die Menschen feste Ansprechpartner haben?
Irena Michel: Ja. Für die Sprechstunden stellen wir zwei Mitarbeiter ab, die aus dem Sozialbereich kommen und viel Erfahrung mitbringen. Sie meldeten sich freiwillig und freuen sich auf die Arbeit.

Wenn jemand Fragen zu einer Leistung außerhalb des Angebotes hat?
Petra Enders: Dann nehmen die Mitarbeiter die Problematik auf oder Anträge entgegen und leiten sie weiter. Zum Beispiel, wenn in einer Familie plötzlich ein Pflegefall auftritt. Viele Menschen beziehen Leistungen von verschiedenen Leistungsträgern und werden oft von Pontius bis Pilatus geschickt. Im Bürgerbüro können sie das alles in einem Prozess abstimmen.
Irena Michel: Das ist uns wichtig. Oft wissen die Menschen nach der ersten Behörde schon nicht mehr weiter. Diese Verzweiflung wollen wir mit der Anlaufstelle auf dem Rabenhold nehmen.

Wie genau stecken Sie die Grenzen mit der Aussage Wohngebiet Rabenhold, umliegende Ortsteile und Ortschaften?
Irena Michel: Es gibt keine scharfen Grenzen. Eingeschlossen sind zum Beispiel das Wipfratal und Marlishausen.
Petra Enders: Selbst wenn jemand nicht in diesem Bereich wohnt, kann er die Hilfe der Mitarbeiter in Anspruch nehmen. Es wird niemand weggeschickt.

Gibt es solch ein Modell im Ilm-Kreis schon anderswo?
Petra Enders: Es ist das erste Projekt dieser Art. Träger sind der Ilm-Kreis, Jobcenter und ThINKA. Wir tragen sowohl die Verantwortung als auch die Kosten. Wenn es uns gelingt, könnte das Modell beispielhaft für andere Landkreise werden.

Und wenn nicht?
Wie gesagt, es ist ein Modellversuch, ein Experiment, wenn Sie so wollen. Natürlich kann es passieren, dass die Menschen das Bürgerbüro nicht annehmen. Das sehen wir, wenn wir in einem halben Jahr erste Bilanz ziehen. Dann werden die Karten gegebenenfalls neu gemischt.


Zum Thema:
Das neue Bürgerbüro auf dem Rabenhold, Prof.-Frosch-Straße 16, Arnstadt, bietet kostenlose, individuelle und vertrauliche Beratung von Bürgern des Wohngebietes und umliegender Ortsteile.
Telefon: 03628/5849631
Angebot Jobcenter: Beratung und Leistungsgewährung nach SGB II, Aktivierung und Vermittlung in Ausbildung und Arbeit
Angebot ThINKA: Beratung und Hilfe in besonderen Lebenslagen, Unterstützung bei Suche und Vermittlung von Hilfen, Beratung und Begleitung bei Behördengängen, Hilfen bei Antragstellungen, Ausgabe und Annahme von Anträgen aus den Bereichen Sozialhilfe (Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt, Wohngeld, BAföG) und Jugendhilfe (Kita-Gebühren, Ferienmaßnahmen, Familienerholung, Eltern-, Betreuungsgeld)
Öffnungszeiten:
Montag, 8.30 bis 12.30 Uhr Jobcenter, 13 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung ThINKA
Dienstag, 8.30 bis 11.30 Uhr Jobcenter, 12.30 bis 14.30 Uhr ThINKA
Mittwoch, 8.30 bis 11.30 Uhr oder n.V. ThINKA
Donnerstag, 9.30 bis 12.30 oder n.V. ThINKA, 13.30 bis 18 Uhr Jobcenter
Freitag, 8.30 bis 11.30 Uhr Jobcenter
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