Verlasst das Jammertal! Auf meinAnzeiger schreibt Jana Ludolf aus Bad Blankenburg übers Jammern und andere menschliche Schweinehunde

Jana Ludolf ist eigentlich ein "Fischkopp", wie sie selbst sagt. Aber die Thüringer Berge findet sie auch sehr reizvoll.
Bad Blankenburg: ... |

Jana Ludolf ist psychologische Beraterin - und BürgerReporterin des Allgemeinen Anzeigers. In einer regelmäßigen Kolumne schreibt sie auf unserem Onlineportal über den inneren Schweinehund, aktives Zuhören, Vorurteile, über Bedürfnisse, Entscheidungsschwierigkeiten oder darüber, jammerfrei durch eine ganze Woche zu kommen. AA-Korrespondentin Jana Scheiding traf die sympathische Frau in ihrer Wahlheimat Bad Blankenburg und erfuhr, wie wichtig Kommunikation ist.

Warum jammern wir?
Ich will das nicht pauschalieren, aber viele Menschen jammern, obwohl sie es nicht müssten - angesichts des Wohlstandes hierzulande. Es ist also Jammern auf hohem Niveau. Zwar sehen Betroffene, dass sie eine für sie unbefriedigende Situation ändern könnten, doch wollen sie andererseits ihre Komfortzone nicht verlassen. Das ist ein großer Schritt, der viel Kraft erfordert. Da ist jammern einfacher: Man bekommt Hilfe, Unterstützung, wird wahrgenommen und bedauert.

Haben diese Menschen Angst vor Veränderungen?
Ja. Veränderung macht vielen Menschen angst. Letztlich ist alles eine Frage der Kommunikation. Man kann nicht nicht kommunizieren, verstehen Sie? Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die das ganz gut erklärt: Ein Mann will an seinem Haus etwas reparieren, hat aber keinen Hammer zur Hand. Also beschließt er, sich das Werkzeug von seinem Nachbarn zu leihen. Auf dem Weg dorthin überlegt er, was der Nachbar wohl sagen könnte. Vielleicht fühlt er sich gestört, reagiert gereizt, macht vielleicht gar nicht erst auf oder - schlimmer noch - erteilt dem Bittsteller eine Abfuhr. Er steigert sich gedanklich in die Situation hinein. Als er dann endlich an des Nachbars Haustür klingelt und dieser freundlich öffnet, schleudert ihm der Mann entgegen: "Wissen Sie was? Ihren blöden Hammer können Sie behalten"!

Wie findet man aus diesem Tal?
Das ist harte Arbeit an sich selbst. Viele Menschen beschäftigen sich nicht mehr mit sich selbst, sind über soziale Medien nur noch mit anderen beschäftigt. Sie verlernen die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Es gibt Menschen, die zu Tode erschrecken, wenn ein Unbekannter sie grüßt oder beim Bäcker das Gespräch mit ihnen sucht. Diesen Menschen empfehle ich, sich wieder auf sich selbst zu besinnen: Wer bin ich?, Was will ich?, Was sind meine Werte? - All das ist anstrengend, aber lohnenswert.

Wie definieren Sie Kommunikation und was bedeutet sie Ihnen?
Kommunikation ist zu 80 Prozent Beziehungs- und zu 20 Prozent Inhaltsebene. Vieles läuft unterbewusst ab, ist also kaum beeinflussbar. Ich fand diesen zwischenmenschlichen Austausch schon immer anregend. Ursprünglich komme ich aus der Gastronomie, lernte in einem Hotel in der Altmark, wo viele Geschäftsreisende abstiegen. Später arbeitete ich in einem SOS-Kinderdorf. Ich wollte mir aber mehr Fachwissen aneignen und brachte es zur psychologischen Beraterin und Mediatorin. Zurzeit stecke ich mitten in der Ausbildung zur gewaltfreien Kommunikation.

In welchen Situationen sind Sie als Mediatorin gefragt?
Wenn es darum geht, zerstrittene Parteien wieder an einen Tisch zu bekommen. Der Mediator ist praktisch ein Vermittler, die Kontrahenten sind aktiv an einer Lösung beteiligt. Es gibt weder Gewinner noch Verlierer, weder Kompromisse noch Notlösungen. Zum Schluss treffen die Parteien eine für sie akzeptable Entscheidung. Leider nimmt die Wirtschaft diese Schlichtungsmöglichkeit selten in Anspruch, weil es gegebenenfalls ans Eingemachte geht.

www.familienmediation-ludolf.de
www.jana-ludolf.de
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Renate Jung aus Erfurt | 03.06.2015 | 01:51  
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