Wie ist das Leben als Müller? - Robert Limmer und Ulf Nestler aus Rudolstadt kennen die Antwort

Das Mehl ist mal heller, mal dunkler.
 
Maschinen nehmen dem Müller heute einen Großteil der schweren Arbeit ab.
Rudolstadt: ... | Seinen Wunschberuf - IT-Fachmann - gab Robert Limmer Anfang der Neunzigerjahre schon vor Studienbeginn wieder auf. "Ich hatte eine Müllerstochter kennengelernt und da bot es sich an, Müller zu werden." In der Nestlermühle Rudolstadt-Schwarza trifft Limmer auf Familientradition seit 1886. Heute teilt er sich die Geschäftsführung mit seinem Schwager Ulf Nestler.
"In vierzig Jahren hat sich das Berufsbild des Müllers enorm gewandelt. Maschinen nehmen heute viel körperliche Arbeit ab, dafür muss man technisch versiert sein", erklärt Limmer. "Der Müller von heute hat es sowohl mit 120 Jahre alter Technik als auch mit neuesten Apparaturen, Computer- und Sensortechnik zu tun."
Schwerpunkt der Tätigkeit sind Analyse und Kontrolle von Rohstoffendprodukten, zum Beispiel Weizen und das daraus entstehende Weizenmehl. Kontrolliert werden Eiweiß, Stärkegehalt, Feuchtigkeit, Ausbeute.
Versiertheit ist bei angehenden Müllern nicht nur in Technik gefragt. „In Biologie, Chemie, Mathe, Physik, Wirtschaft und Recht sollte man fit sein“, sagt Müllermeister Ulf Nestler. Und sein Schwager ergänzt: „Wer diesen Beruf ergreifen möchte, sollte außerdem handwerklich begabt sein. Die Arbeit tangiert Tischler- und Schlosserarbeiten, Pneumatik und Elektronik. Zum Tätigkeit gehören zum Beispiel auch Wartung und Pflege der Silofahrzeuge.“
Die beiden Müller aus Leidenschaft schildern ihren Tagesablauf: Morgens Dienstberatung, Beladen der Fahrzeuge für die Auslieferung, Kontrolle der Mühle, Vorbereiten und Absacken von Kleie und Mehl. „Wenn die Fahrzeuge zurückkehren, müssen sie wieder beladen werden. Dann stehen meist auch die Zulieferfahrzeuge bereits Schlange“, erklärt Ulf Nestler. „Der Müller muss das Getreide annehmen, kontrollieren, reinigen und in das Silo einlagern.“
„Das erledigt größtenteils Technik, aber die muss gewartet werden“, betont Robert Limmer. In der Nestlermühle werden in 24 Stunden 40 Tonnen Weizen und 20 Tonnen Roggen gemahlen. „Der Roggen ist nicht so fein wie der Weizen, deshalb dauert der Mahlgang erheblich länger“, erklärt Limmer.
Ab und an muss der Müller auch selbst backen, um die Rohstoffe zu testen. „Wenn Bäcker anrufen und Hilfe brauchen, sollte er ihre Fragen beantworten können.“
Besucher sind begeistert von der Technik aus 120 Jahren. Deshalb bieten die Hausherren seit einiger Zeit Führungen durch die Mühle an, was besonders auf das Interesse von Schulklassen trifft.
Bis vor wenigen Jahren gab es bei den selbstständigen Müllern noch einen Meisterzwang. Das ist heute nicht mehr so. „Wer an die Ausbildung noch ein Technikstudium hängt, ist für den internationalen Arbeitsmarkt wertvoll“, weiß Robert Limmer. Deshalb ist der Beruf inzwischen auch bei Frauen gefragt.


Hintergrund:

Wo?
Ausbildung an einer Berufsschule. Voraussetzung ist ein Ausbildungsbetrieb.
Oder: Technikerausbildung in Fachrichtung Mühlenbau, Getreide und Futtermitteltechnik. Zum Beispiel an der Deutschen Müllerschule Braunschweig.

Was?
Im Müllerberuf gibt es verschiedene Fachrichtungen: Er kann in Futter-, Getreide-, Gewürz-, Öl-, Senf- oder Schälmühlen arbeiten. Gefordert werden organisatorisches, technisches und kaufmännisches Denken und Handeln. Außerdem gesunde körperliche Verfassung.

Wo?
Die Ausbildungszeit in der Kombination Berufsschule / Ausbildungsbetrieb dauert drei Jahre. Der Berufsschulunterricht in Blockform beträgt etwa 12 Wochen im Jahr.
Die Technikerausbildung mit Fachrichtung Mühlenbau geht über vier Semester.

www.nestlermuehle.de
www.muellerbund.de
www.gehalt-tipps.de
www.berufe-lexikon.de
www.azubiyo.de/berufe/mueller
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2 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 19.03.2015 | 20:25  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 22.03.2015 | 11:06  
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