Wie ist das Leben als Tischler, Herr Schaldach?

Thomas Schaldach mit alter und neuer Technik. Mit der Handsäge geht in einer modernen Tischlerei fast nichts mehr.
 
Raffiniert: Platz für eine coole Dusche ist in der kleinsten Hütte.
Blankenhain: ... |

Thomas Schaldach arbeitet unter Palmen. Von oben strahlt die Sonne, ein leichter Regen fällt auf ... den gefliesten Fußboden? Traum beiseite. Thomas Schaldach steht in seiner Werkstatt auf der Leiter und hat gerade ein Muster-Bad installiert. Palmen als Wandverkleidung, LED-Beleuchtung geschickt in der Decke versteckt, der Landregen strömt aus einem quadratischen Duschkopf. Müsste ein Tischler nicht an der Hobelbank stehen und Holz bearbeiten?

"Vor 65 Jahren hat mein Großvater so begonnen. Mit dieser Meister-Eder-Mentalität können Tischler heute aber keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das Berufsbild hat sich enorm gewandelt", erklärt der Tischlermeister und Restaurator im Handwerk aus Blankenhain. "Heute programmieren und bedienen Tischler computergesteuerte Anlagen, entwickeln Detailzeichnungen am PC und arbeiten selbstständig auf Baustellen."
Ein Realschulabschluss ist gefragt, mit guten Noten in den Naturwissenschaften. "Tischler müssen Lack- und Spraytechniken ebenso kennen wie die Eigenschaften von Leimen, Lacken, Farben, Ölen und Wachsen", erklärt Thomas Schaldach, der in dritter Generation als Tischler und Restaurator einen Familienbetrieb leitet. "Sie müssen sich mit Hölzern auskennen, sich ständig weiterbilden und Trends beobachten."

Holz allein ist nicht mehr trendy - die Mischung macht's


Holz allein ist heute nicht mehr in, Tischler kombinieren den Werkstoff mit Mineralien, Glas, Metall oder Stein. Voll im Trend liegt LED-Beleuchtung - die in, unter, über Schränken oder hinter Stoffbespannungen angebracht wird.
"Die Menschen sind gesundheitsbewusst und wählen deshalb Hölzer, die möglichst nicht ausdünsten. Fichte, Zirbe und Wildeiche sind die gefragtesten", sagt Thomas Schaldach.
Wer den Tischlerberuf ergreifen möchte, sollte sich vorher überlegen, ober er in die Serienproduktion gehen und dort Fenster, Türen oder Treppen fertigen oder lieber in einem kleinen bis mittelständischen Betrieb arbeiten möchte. "Hier gleicht kein Auftrag dem anderen. Viel Kreativität und Geschick sind gefragt: Zum Beispiel, wenn aus einem geraden Holzbalken etwas Rundes geformt werden soll."

Alles Räumliche ist des Tischlers Arbeitsplatz


Die gesamte Raumgestaltung obliegt dem Tischler, bis ins Detail. Er entwickelt auch das Konzept für die neue Einrichtung. Bäder, Küchen, Wohnungs-, Praxis- oder Krankenhauseinrichtungen, Tresen für Gaststätten und Brandschutzmöbel werden heute komplett in Tischlereien gefertigt.
Geeignet ist der Beruf auch für Frauen: "Er ist durch moderne Technik sauberer geworden und wir schleppen keine Baumstämme mehr", erklärt Thomas Schaldach lächelnd. "Trotzdem arbeiten wir noch viel mit der Hand." Und mit dem Kopf. Der Blankenhainer hat ein mobiles Pflegebett für Schwerstbehinderte entwickelt, mit dem er sich für den Thüringer Innovationspreis beworben hat. Die Entscheidung fällt im November.


Hintergrund

Wo & wie lange?
Tischler ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Drei Jahre duale Ausbildung in Berufsschule und Ausbildungsbetrieb (www.planet-beruf.de).
Abschluss als Geselle
Qualifikationen: Tischlermeister
Oder: Studium für Holztechnik, Gestalter im Handwerk
Auch möglich: Restaurator im Handwerk

Was?
Tischler stellen Möbel, Fenster, Türen, Treppen her. Ferner Innenausbauten, Ladeneinrichtungen, Einzelanfertigungen. Sie beraten Kunden, fertigen Skizzen am Computer, bedienen computergesteuerte Maschinen, legen Parkettböden, montieren Einbaumöbel, Raumteiler, Wandverkleidungen und reparieren beschädigte Möbel.

Voraussetzungen:
Handwerkliche Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen, teamfähig, innovativ, kreativ, geschickt, selbstständig und vorausschauend arbeiten, Kenntnisse in Naturwissenschaften.

Vita Thomas Schaldach:
1985 Realschulabschluss
1988 Abschluss als Tischlergeselle
1995 Tischlermeister
2002 staatlich geprüfter Restaurator
2006 Übernahme der väterlichen Tischlerei
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