Wir sind Herzog! Die Herren von Hohenberg leben ganz normal - bis auf ihre Ausflüge in den Barock. Ein bisschen Luxus muss sein

"Wir lieben diese Ära!" - Die Herzöge Volker von Hohenberg Ruh (rechts) und Lebenspartner Peter Leopold in barocker Gewandung.
 
Heute unterwegs mit Hofdame Gräfin Nicole von Kochberg alias Nicole Lieder...
Greiz: ... |

Es gibt viele Leute, die sich gern verkleiden, um wenigstens in der Fantasie dem Adel anzugehören, der kaum an Faszination verloren hat. Auch Volker und Peter von Hohenberg Ruh verkleiden sich gern. Mit einem Unterschied zu Müller oder Meier: Wenn Hohenbergs die Gewandung ablegen, sind sie immer noch Herzog. Da passt der Wahlspruch des Hauses ganz gut: "Wer die Macht hat, braucht sie nicht zu zeigen."

Den Diplom-Ingenieur Karl Friedrich Volker Herzog von Hohenberg Ruh und den Herzog Karl II Eugen, 12. regierender Herzog von Württemberg, trennen eine Tür und zehn Minuten Umkleidezeit. Eben noch saß der Architekt von Hohenberg fröhlich plaudernd auf seinem Wohnzimmersofa. Kurze Zeit später steht er als Regent im barocken Gewand im Raum und erwartet einen Hofknicks.
Hohenbergs Lebenspartner, Peter Leopold, befindet sich derweil beim Schminken. Gleich wird er sich als Elisabeth Friederike Sophie Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth in rot-goldenem Gewand und neuem Hut präsentieren.
Herzöge sind beide mit und ohne Gewänder. AA-Reporterin Jana Scheiding erhielt bei Volker von Hohenberg Ruh in dessen Residenz Berga / Elster im Landkreis Greiz eine Audienz.


Dass ein echter Herzog in der Thälmannstraße wohnt, finde ich bemerkenswert.
Ich auch, seit ich weiß, wer das war. Das musste ich erst googeln. Zu diesem Zeitpunkt wohnten wir aber schon hier.

Hätte das Wissen Ihre Entscheidung beeinflusst?
Aber nein. Wir lieben diese kleine Wohnung im Grünen.

Sie spiegelt ein bürgerliches Leben wider.
Ich sehe schon, Sie sind skeptisch.

Von Hohenberg Ruh lacht, zückt Personalausweis und Krankenversicherungskarte.

Ich wuchs bürgerlich auf. Mit meinem Partner führe ich auch ein ganz normales Leben. Bis auf unsere Ausflüge in den Barock. Wir lieben diese Ära. Daher sind wir oft auf Veranstaltungen, Festumzügen und Bällen. Uns fällt immer wieder auf, wie begeistert die Menschen sind, wenn unsere Gruppe in barocker Gewandung flaniert. Deshalb wollen wir den 65. Geburtstag meines Partners Peter am 6. August in diesem Stil feiern, als nichtöffentliche Gesellschaft im „Kochtopf im Schlemmerkeller“ zu Berga. Zwischen Kaffee- und Abendtafel flanieren wir und tragen barocke Tänze vor. Wer möchte, darf mittanzen.

Ein neuer Akzent in Ihrer hübschen Stadt. Apropos: Wie kommen eine rheinische Frohnatur wie Sie und ein Österreicher nach Berga?
Durch unser Hobby sind wir viel in Sachsen unterwegs. Das war immer eine lange Anfahrt aus dem Burgenland. Eine Zeitlang bewohnten wir in Miltitz bei Meißen ein Schlösschen, hatten etliche Tiere. Eines Tages deckte ein starker Sturm das Dach ab - das Haus war plötzlich unbewohnbar. Ich wurde krank, wir konnten es nicht länger bewirtschaften, also zurück nach Österreich. Durch Familienbande und Bekannte kamen wir schließlich nach Berga, wo es uns sehr gut gefällt. Und flanieren können wir hier auch.

Fühlen Sie sich im barocken Gewand anders als in Pulli und Jeans?
Eindeutig. Das ist ein Wahnsinnsgefühl. Ich neige dazu, etwas vornübergebeugt zu gehen. Aber in den Gewändern gehe ich aufrecht, das können Sie mir glauben. Außerdem liebe ich die Farbenpracht. Wenn Männer ausgehen, sind sie meist schwarz, weiß oder grau gekleidet. Die Mode des Barock gibt uns die Möglichkeit, buntgefiedert unter die Menschen zu gehen, ohne dass jemand Anstoß daran nimmt.

Muss alles absolut authentisch sein?
Nicht bei uns. Wir betreiben unser Hobby nicht fanatisch. Wenn wir das täten, dürften wir kein Gummiband verwenden, nicht mit der Maschine nähen lassen und so weiter. Darauf kommt es uns nicht so sehr an. Die Verkleidung dient dem Amüsement.

Aber Sie recherchieren geschichtliche Zusammenhänge zwischen den Häusern und Personen, die Sie darstellen?
Ja, das ist etwas Anderes. Wir wollen Geschichte zum Teil nachstellen, deshalb sind die Fakten wichtig. Die Menschen wollen auch wissen, wie damals eine Festtafel gedeckt oder wie getanzt wurde. Oder was die Damen mit Fächern und Schönheitsflecken sagen wollten. Diese Sprachen habe ich allerdings noch nicht erforscht.

Alles zu seiner Zeit. Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für den Barock eigentlich entdeckt?
Wir waren zu einem Ball eingeladen, hatten aber nichts anzuziehen. In Köln befindet sich ein großes Kostümhaus für alle Epochen – dort kauften wir Karnevalskostüme. Peter sah ja anständig aus, aber bei meinem Kostüm waren die Hosenbeine unterschiedlich lang. Nun ist es so, dass man bei solch einem Empfang nach Rang und Namen aufgerufen wird. In der Rangfolge der anwesenden etwa 50 Paare hätten wir mit unseren Klamotten eigentlich zuletzt auflaufen dürfen, waren aber schon als Vierte an der Reihe und erhielten die Referenz des Gastgebers. Im Gegensatz zu den anderen Gästen wusste er, wen er vor sich hatte. Da waren wir „bei Hofe“ nicht gut gelitten, doch die Sache klärte sich rasch auf. Die Dame, die sich am meisten empörte, ist inzwischen eine gute Freundin von uns. Seitdem lieben wir den Barock und haben uns inzwischen auch ebenbürtige Kleidung zugelegt.

Ihr Partner sieht als Prinzessin zwar hinreißend aus, aber könnte er nicht auch als Mann gehen?
Das war im Barock nicht vorgesehen. Zu jedem Herrn an der Tafel gehört eine Tischdame. Deshalb ist Peter, wenn wir in diese Epoche reisen, meine Herzogin. (lacht). Inzwischen will er ohne seine Kleider und Hüte auch gar nicht mehr sein.

Termine:
27. August Barockfest Gotha
10. September Festung Berga
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