Zukunftspläne für das „Neue Schloss“

 

Theorie trifft Praxis: Studentische Arbeit der FH Erfurt über einen Teilbereich der ehemaligen Jugendstrafanstalt Ichtershausen

Im Mai dieses Jahres wurden die letzten Strafgefangenen in die neue Jugendarrestanstalt Arnstadt umgesiedelt. Seit dem wird der „alte Knast“ in Ichtershausen wird geräumt und die Rohstoffverwerter sind auch bereits aktiv. Ein historisches und interessantes Gelände erzählt viele Geschichten. Pfarrer Dirk Sterzig, der ehemalige Pfarrer und Seelsorger der Einrichtung, schreibt sogar seine Doktorarbeit über diese historischen Bauten.
Ideen zur Nachnutzung des Areals werden bereits seit mehreren Jahren gesammelt. Sehr aktiv an diesem Geschehen arbeiten bislang die ehemalige Gemeinde und Bürger Ichtershausens, gemeinsam mit dem Collegiatstift St. Peter & Paul e. V. mit Sitz in Erfurt. Während dieser letzten Monate wurden Wünsche und Vorstellungen in Teilbereichen schon ziemlich konkret formuliert. Das gesamte Gelände stellt man sich als ein neues einheitliches Quartier vor, untergliedert in drei wirtschaftlich selbständige Nutzungsbereiche.
So plant das Collegiatsstift im Bereich Klosterkirche/ Altes Schloss die Entwicklung eines CollegiatsWohnen. Ein Ort mit Kultur und Kirche zum Leben und Arbeiten, zum Wohnen, Wachsen und Gedeihen. Also eine Oase der Entschleunigung in unserer schnelllebigen Zeit. Die Vereinigte Wohnungsgenossenschaft Arnstadt eG (VWG) zeigt ebenso Interesse an der Entwicklung dieses wertvollen Standortes zur Bebauung vorgesehener Teilflächen mit modernem Mietwohnraum. Das Kleeblatt ist noch nicht vollständig. Das heißt die dritte Teilfläche, nämlich die Fläche des „Neuen Schlosses“, hat noch keine konkrete Nutzungsidee.
Aus diesem Grund trafen sich Studenten und Vertreter der Interessengemeinschaft zur Nachnutzung der Jugendstrafanstalt (JSA) kürzlich hinter den Gefängnismauern und machten eine Stippvisite. Zum Besichtigungstermin kamen Architekturstudenten der Fachhochschule Erfurt und Gastwissenschaftlerin Antje Osterwold vom Architekturbüro „Osterwold & Schmidt“ aus Weimar. Ziel des Termins war es, sich einen Eindruck von dem Gelände der JSA, von dem Gebäudekomplex Neues Schloss sowie der Gemeinde Ichtershausen zu verschaffen.
Die studentische Aufgabe wird keine einfache sein. Das Thema untergliedert sich in zwei Teilbereiche. Erstens: der städtebauliche Teil. Ein sogenannter Masterplan soll für das gesamte Gelände erarbeitet werden. Zweitens: der hochbauliche Teil. Hier sollen Umbau, Rückbau sowie bauliche Erweiterungen am Neuen Schloss und dem bestehenden Hafthaus untersucht werden. Als Nutzungsidee ist eine Bildungseinrichtung, die Schaffung eines Gymnasiums mit Internat vorgegeben.
Carola Busse von der Wachsenburg Baugruppe, ist als Bauträgerin und Architektin erfahren in der Entwicklung schwieriger Quartiere. Sie verschaffte sich interessiert einen Überblick vom Zustand der Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters und Schlosses. Dr. Thomas A. Seidel, Lutherbeauftragter Land Thüringen, informierte über die Geschichte und Zusammenhänge des gesamten Areals. Sebastian v. Kloch-Kornitz vom „Förderverein Collegiatstift St. Peter und Paul“ war ebenfalls mit von der Partie.
Das Neue Schloss soll weitestgehend erhalten und wiederhergestellt werden. Die anderen Gefängnisbauten sollen abgerissen und Neubauten verschiedener Funktion errichtet werden. Viel Grün, entschleunigtes Wohnen, eine Herberge, Klosterschenke, eine Eliteschule, ein Internat oder ein zweizügiges Gymnasium – Vieles ist denkbar.
Die Aufgabe der Studenten war es, „den Geist des Ortes zu inhalieren“ und für ihre Arbeit zu dokumentieren, denn das Areal bietet viel Platz für Visionen. Mit großem Schlüsselbund öffnete Gunther Ziegenhorn die Türen und ließ die Gruppe eintreten. Der ehemalige Lehrausbilder und Sozialarbeiter arbeitete hier seit 1972 und wusste so manch traurige Geschichte der jungen Insassen zu erzählen.
Gespannt und voller Erwartungen sahen sich die Besucher um. Stacheldraht wohin man schaute, Überwachungskameras, vergitterte Fenster. Ein Kräutergarten, Unterrichtsräume, Einzelzellen, verschiedene Fachwerkstätten, dunkle Kellergewölke, ein Sportsaal, die Küche und Essensräume - viele Eindrücke und ein Mix aus Reliquien längst vergangener Tage, Spuren aus DDR-Zeiten und jüngster Vergangenheit prallten auf die Gäste ein.
„Gemeinsam einfach leben“ heißt das Motto, das in einer einheitlichen Philosophie betrachtet werden soll. Bau und Bestand, Geschichte, Freiräume, Schönheiten, Besonderheiten, Gasse- und Wegebeziehungen, Konfliktpotentiale, Denkmalschutz, Anbindung an den Ort. Stuck, alte Türen, abgehängte Decken, aufgesetzte Stockwerke – wie sah es hier früher aus? Was kann erhalten werden? Wie sind die Besitzverhältnisse? Ist das Neue Schloss als Gymnasium geeignet? Das alles und noch vieles mehr müssen die Studenten untersuchen und in ihre Arbeit einbeziehen. Die finale Präsentation findet im März 2015 statt.
Sehr viel Arbeit, aber „ein schönes Projekt mit Geschichte zum Anfassen“, sind sich die Studenten einig. Dann wird es auch für die Bauunternehmerin interessant: „Mit Phantasie und Engagement kann man sich hier einen wundervollen neuen lebendigen Ort vorstellen“, so Carola Busse.
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