Zum Tag des offenen Denkmals lädt Barbara Leonhardt auf ihren Holunderhof nach Reinsfeld ein

Während meines Rundgangs durch Kunsthaus und Garten passt Kater Moritz auf meine Tasche auf.
 
Der Zaun ist frisch gestrichen - das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals lautet "Farbe".
Wipfratal: ... |

Mitten im Wipfratal liegt der schöne Ort Reinsfeld. Hinter einer Kurve stößt man so jäh auf Barbara Leonhardts "Kunsthaus", dass man fast daran vorbeifährt. Niemals schließt die freundliche, schlanke Frau das Tor zu ihrem Holunderhof. Jeden, dem nach einem Plausch zumute ist, heißt sie willkommen. Leider nähmen nur wenige Menschen dieses Angebot an, bedauert die Frau, der man ansieht, dass sie etwas anpackt.



Dabei gehört der großzügig angelegte Drei-Seiten-Hof zu den lauschigen Plätzen dieser Welt. Im gepflasterten Hof sind Abschnitte mit Heilpflanzen angelegt, es gibt Sitzgruppen, Kräuterbeete und 17 Holunderbäume. Bienen summen, es duftet nach frisch gemähtem Gras. Links neben dem Wohnhaus der Eingang zum Paradies. Mit alten Bäumen, Teich und Urwüchsigkeit. Grillen zirpen wie verrückt und auf einem Heuhaufen hat es sich eine Katze bequem gemacht. Einzig die am Grundstück vorbeifahrenden Autos stören die Vollkommenheit dieser ländlichen Idylle.

Der Traum vom Glück auf dem Land


Dass Barbara Leonhardt das 3500 Quadratmeter große Grundstück noch besitzt, verdankt sie einer Klausel im Kaufvertrag. Ein Blick zurück ins Jahr 1988.
Die Kunsterzieherin wohnt mit ihrem Mann, einem Architekten, und der zweijährigen Tochter Anne in Erfurt. Schon lange träumt das Paar vom Leben auf dem Land. Die Lehrerin telefoniert umliegende Gemeinden ab. In Reinsfeld hat gerade ein alter Mann seinen Hof zum Verkauf angeboten. Als Familie Leonhardt die Größe des Grundstücks erfährt, dass 1000 Quadratmeter davon bebaut und zum Teil von zwei alten Damen bewohnt sind, lehnt sie ab. "Trotzdem bin ich hingefahren und habe es mir angeschaut. Anschließend kaufte ich im Konsum eine Tafel Puffreisschokolade und beschloss beim Kauen, das Grundstück zu kaufen. Gemeinsam mit Freunden haben wir hier Pionierarbeit geleistet." Dann kam die Wende und die Freunde hatten anderes zu tun. Leonhardts wollten verkaufen, doch die Damen hatten lebenslanges Wohnrecht. Das Grundstück war somit unverkäuflich.

Weibliche Energie


Seit 2001 wird auf dem Holunderhof nur noch weibliche Energie versprüht. Barbara Leonhardt bewirtschaftet ihn mit Tochter Anne allein. Die alten Damen sind längst verstorben und die ehemalige Kunsterzieherin wollte das schiefergetäfelte Haus nie betreten. "Weil der Hof unter Denkmalschutz steht, durfte ich es nicht abreißen", erzählt sie. "Und das war gut so. Vergangenes Jahr fragte eine Freundin, ob ich das Gebäude nicht als Kunsthaus nutzen wolle." Barbara Leonhardt holte den rostigen Schlüssel hervor und eröffnete alsbald die erste Ausstellung. Hausmusik und Lesungen folgten. Der lichtdurchflutete Ausstellungsraum mit dem scharlachroten Plüschsofa und dem himmelblauen Kachelofen zieht den Blick auf sich. Im Nebenzimmer sind Schadstellen geschickt mit Papierstreifen kaschiert, auf denen Sprüche zu lesen sind. "Ich sammle schöne Worte und Sätze", erklärt Barbara Leonhardt lächelnd. Lehren und belehren will sie nicht mehr. Ihr Geld verdient sie heute als Märchenerzählerin, Gesellschafterin und charmante Gastgeberin. "Sicher dachte ich manchal, ich schaffe das alles nicht. Aber ich habe gelernt, mit dem mir zur Verfügung stehenden Raum zu spielen. Das nennt man wohl Lebenskunst."

Ein Garten für viele Projekte


Einen Gemeinschaftsgarten einzurichten, ist Leonhardts neueste Idee: "Ich stelle einen Teil meines Gartens für Projekte anderer Menschen zur Verfügung. Ein junger Mann hat dieses Angebot bereits genutzt und eine Gartendusche gebaut." Der Garten bietet noch viel Raum für Aktivitäten. Für eine Terrasse, auf der man Gäste zum Brunch empfangen kann, zum Beispiel. Oder gemeinsames Kochen in einer Sommerküche - die Zutaten griffbereit im Kräutergarten.
Zum Tag des offenen Denkmals ist auch der Holunderhof von Barbara Leonhardt für Besucher geöffnet. Für Unterhaltung sorgt die Gruppe "Pacivicus" aus Arnstadt, die sich als musikalisches Friedensprojekt versteht und meditative Musik des 14. bis 17. Jahrhunderts spielt. Passender könnte es wirklich nicht sein.


Tag des offenen Denkmals mit dem Motto "Farbe":
14. September, 10 bis 17 Uhr, Holunderhof Barbara Leonhardt, In Reinsfeld 29, Wipfratal.
Telefon: 036207/55579


www.barbaraleonhardt.de
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4 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 04.09.2014 | 22:22  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 04.09.2014 | 22:27  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 08.09.2014 | 18:23  
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Beate Funke aus Arnstadt | 26.06.2015 | 23:33  
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