Zuwachs nach Ostern: Familie Müller/Franke aus Unterwellenborn freut sich auf ihr Gastkind aus Irkutsk

Jens Müller, Aniko Franke, Lotta (links) und Vicky freuen sich auf das neue Familienmitglied auf Zeit.
Unterwellenborn: ... | Das junge Mädchen ist bezaubernd. Wie es fröhlich seine Arme ausbreitet und in akzentuiertem, aber gutem Deutsch seine Videobotschaft in die Welt sendet. Im Hintergrund ist Wald mit viel Schnee zu sehen. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Eine Szene, die sich nebenan abspielen könnte, doch das Mädchen - es heißt Sofia Badmaeva - wohnt in Sibirien. In Irkutsk am Baikalsee. Im April wird die Dreizehnjährige knapp 6000 Flugkilometer zurücklegen und für ein Vierteljahr bei ihrer Gastfamilie in Unterwellenborn wohnen. Sie wird in die Klasse 7b des Erasmus-Reinhold-Gymnasiums in Saalfeld-Gorndorf gehen und drei Monate deutsche Mentalität (er)leben.

"Wir hoffen, Sofias Heimweh zu lindern, indem wir ihr so viel Offenheit und Nähe geben wie wir können", sagt Familienoberhaupt Jens Müller. In dem schicken gelben Haus wird der Gast ein eigenes Zimmer haben. "Sofia soll kein Gast sein, sondern in die Familie integriert werden", erklärt Ehefrau Aniko Franke. Die beiden Töchter Vicky (11) und Lotta (7) freuen sich schon mächtig darauf, der Russin die deutsche Sprache in Wort, Schrift und Grammatik näherzubringen.

Den Wunsch, vorübergehend einen ausländischen Gast aufzunehmen, hegte Jens Müller schon lange. "Ich suchte im Internet nach entsprechenden Organisationen und stieß auf den Verein 'Gastschüler in Deutschland'". Für April fehlen noch Plätze, deshalb sucht Christine Erb, Koordinatorin des Vereins für Sachsen und Thüringen, mehr Gastfamilien. Es dürfen auch ältere Gasteltern sein, deren Kinder nicht mehr zu Hause wohnen. Der Verein kümmert sich um das Organisatorische, die Gastgeber sorgen für Kost, Logis und Familienleben.

Jens Müller und seine Familie sehen der Zeit mit Sofia erwartungsvoll entgegen - immerhin ist es ihre Premiere als Gastfamilie. Der Informatiker las ein Buch über russische Mentalität. "Ein Russe empfindet es beispielsweise als unhöflich, im Beisein anderer die Nase zu putzen", hat er unter anderem daraus erfahren. Sofia soll ihrerseits die deutsche Mentalität kennenlernen. Ein wechselseitiger Austausch der Kulturen. Was versprechen sich die Müller-Frankes davon? - "Dass unsere Töchter sich mit anderen Lebenssituationen auseinandersetzen und lernen, sich selbst ein Stück zurückzunehmen", hofft Gastmutter in spe Aniko Franke. "Wir selbst möchten auch viel über die russische Lebensart erfahren", fügt sie hinzu.

Etwa zehn Prozent der Gasteltern fliegen zum Gegenbesuch nach Russland, hat Jens Müller recherchiert. Auch er könnte sich das vorstellen. Doch jetzt fiebert die Familie erst einmal Sofias Besuch in Thüringen entgegen. "Wir wissen, das Sofia gern tanzt. Wenn sie Lust hat, können wir bestimmt etwas organisieren", ist Aniko Franke zuversichtlich. Zu Ehren des Gastkindes will die Familie ihr traditionelles Sommerfest in den Frühsommer legen. "Zu unserer Mutzbratenparty kommen Verwandte und Freunde aus der ganzen Republik. Das ist immer sehr lustig."
Und auch zwei von Sofias sehnlichsten Reisewünschen wollen die Gastgeber unbedingt realisieren: Schloss Neuschwanstein und die Berliner Mauer.



Zur Sache:
Der Verein „Gastschüler für Deutschland e.V.“ lädt seit 20 Jahren Kinder aus ganz Russland nach Deutschland ein. Sie leben hier in einer Gastfamilie, besuchen eine Schule und erhalten Gelegenheit, ihr Deutsch unter Muttersprachlern zu vervollkommnen.
Der Verein mit Sitz in Berlin finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern und fördert auch solche Kinder, die aus finanziellen Gründen keine Gelegenheit hätten, an einem solchen Programm teilzunehmen. Pro Jahr sind das über 400 Kinder bundesweit.
Christine Erb betreut Kinder aus der Region Irkutsk, Angarsk, Tomsk und Krasnoyarsk und koordiniert Gäste und Gastfamilien. Sie arbeitet seit sieben Jahren ehrenamtlich im Verein und betreut selbst Gastkinder.
Kontakt: 0371/8200100 oder Christine.Erb@gmx.de
Bevor die Kinder kommen, veranstaltet der Verein Elternabende, um die Gastfamilien auf die Mentalitätsunterschiede vorzubereiten. Stimmt die Chemie nicht, nimmt der Verein die Kinder wieder aus der Familie.
Bei Interesse bekommen Familien zwei bis drei Bewerbungen per E-Mail zugesandt. Sie können sich ihr Kind auswählen und nehmen Kontakt mit ihm auf.
Während des Aufenthaltes besuchen die Kinder hier eine Schule, die die Gastfamilie auswählen kann. Die Bescheinigung der Schule ist Voraussetzung dafür, dass die Kinder das Visum erhalten. Während ihres Aufenthaltes sind die Kinder versichert.

www.gastschueler-in-deutschland.de
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.02.2015 | 17:49  
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