Zwei Kfz-Mechatonikerinnen behaupten sich in vermeintlicher Männerdomäne

Laura Bacher (l.) und Nadine Schneider haben im August ihre Lehre als Kfz-Mechatroniker im Autohaus Erhardt in Ilmenau begonnen.
Ölverschmierte Hände, rauher Umgangston und Gespräche über PS, Hubraum und Drehmoment. Autowerkstätten sind fest in Männerhand. So das gängige Klischee. Dass es auch anders geht, zeigt das Autohaus Erhardt in Ilmenau. Von den drei Lehrlingen, die dort Anfang August eine Lehre als Kfz-Mechatroniker begannen, sind mit Laura Bacher und Nadine Schneider zwei weiblich. „Von allen Bewerbern haben sie die besten Vorraussetzungen mitgebracht“, begründet Niederlassungsleiter Bernd Schraumann die Einstellung der beiden. Man habe bei den Einstellungsgesprächen nur die Leistungen bewertet. „Natürlich“, könnte man als Außenstehender sagen. Aber die Realität zeigt, dass es in der Branche noch genug Vorurteile gibt. „Einige Autohäuser, bei denen ich mich beworben habe, haben mir gesagt, dass sie keine Mädchen einstellen“, berichtet Nadine Schneider. Und auch Bernd Schraumann weiß, dass es „nicht die Norm ist“. Er schätzt, dass zwei bis vier Prozent der Bewerber für eine Lehrstelle als Mechatroniker weiblich ist.

Auch für das Autohaus Erhardt ist es eine neue Erfahrung. Denn auch dort gab es vorher keine weiblichen Mitarbeiter in den Werkstätten. „Vom Ergebnis sind wir positiv überrascht“, zeigt sich Bernd Schraumann begeistert über seine zwei Auszubildenden und hat auch schon konkrete Pläne, wie er sie in Zukunft einsetzen möchte. Er könne sich gut vorstellen, dass sie später in den Bereichen Service-Technik oder Diagnosetechnik eingesetzt werden. „Sie werden also keine LKW-Reifen rumschleppen sondern sich technisch weiterbilden“, schildert derNiederlassungsleiter. Auch vom rauhen Klima in der Werkstatt sei nichts mehr zu spüren.

Das können auch die beiden Mädels bestätigen. „Die Gesellen, denen wir zugeteilt sind, bemühen sich sehr“, sagt Laura Bacher. Vorurteile würde sie bei ihren Kollegen auch nicht spüren. Dass sie einmal in einer Werkstatt arbeiten wolle, steht für sie schon lange fest. „Ich habe früher schon an meinem Moped rumgeschraubt“, so die Auszubildende. Nach Praktikas in Werkstätten während der Schulzeit sei die Liebe zu diesem Beruf noch gewachsen. Ähnlich war es bei Nadine Schneider. Sie habe mit ihrem Vater und dem Freund an Autos gebastelt. Die Abiturientin kann sich später auch ein Ingenieure-Studium vorstellen. „Ich wollte aber erst mal was praktisches machen“, begründet sie die Entscheidung für die Lehre. Als Exoten fühlen sich beide nicht. Auch in ihrem persönlichen Umfeld reagiere keiner mit Erstaunen, wenn sie sagen was ihr Beruf ist. Dass sie in der in der Berufsschule die beiden einzigen Mädels in der Klasse sein werden, ist ihnen aber schon bewusst.
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