Ach du dickes Ei: Zu Besuch auf dem Straußenhof Kleinhettstedt

 
Rene Meier, Inhaber des Straußenhofes in Kleinhettstadt, mit Straußendame Brunhilde.
Ilmtal: Kleinhettstedt |

Kein Tier auf der Welt legt größere Eier als der Vogel Strauß. Nach dem viel zu kalten März kommen auch die Hennen im Straußenhof Kleinhettstedt langsam in Stimmung. Faszinierend, wie in ihren Mega-Eiern neues Leben entsteht.



Was will die neue Henne im ­Gehege? Brunhilde ist verstimmt. Sie mustert die ­Nebenbuhlerin und startet eine Balz-Offensive. Entschlossen schmeißt sich die Straußen­dame auf die Knie, schlägt mit den Flügeln auf den Boden. Hahn Benni wird schon sehen, wer hier die Schönste ist. Viel zu lange hatte die Kälte jedes Frühlingsgefühl gekillt. Jetzt steigt die Sonne höher und mit ihr Brunis Lust aufs Eierlegen.

Gebrütet wird vollautomatisch

Komisch nur, dass ­ständig Eier aus dem Nest verschwinden, obwohl sie der Hahn doch streng bewacht. „Wir Züchter haben so unsere Tricks, um die Hennen stets aufs Neue zum Eierlegen zu animieren“, gibt sich Rene Meier als Eierdieb zu erkennen. Der Chef vom Straußen­hof in Kleinhettstedt säubert und desinfiziert die eingesammelten Exemplare, bugsiert die schönsten in den Brut­apparat. Jedes einzelne ist etwa anderthalb Kilo schwer, 25 bis 30 Hühnereier hätten darin Platz. Der vollautoma­tische Brüter wärmt, kippt und wendet die kostbare Fracht. Bis nach 39 Tagen Piepslaute aus dem Ei signalisieren: Wir wollen raus!

Der schwere Durchbruch

Schlüpfen – was so einfach klingt, ist eine Plackerei. Denn ausgerechnet Straußen­küken, die sich durch die dickste aller Eischalen im Tierreich kämpfen müssen, besitzen keinen Eizahn. Sie können die Hülle nicht von innen anritzen, sondern müssen sie mit ihren Muskeln sprengen. Ein Kraftakt, wie Rene Meier schildert, für welchen den Schlüpf­lingen extra ein kleines Muskelpolster gewachsen ist. Immerhin ist die Schale so dick wie Porzellangeschirr und hält einer Belastung von über 80 Kilogramm stand. „An eine Seite drückt das Küken den Nacken, an die andere die Füße. So stemmt und presst es über Stunden, ja manchmal bis zu drei Tage, ehe es sich befreit.“ Rackert ein Schlüpfling vergebens, greift der Züchter zum „Geburtshilfe­besteck“. Spitzzange und Schere liegen bereit. „Aber nur für den Notfall“, betont er. „Ein Küken braucht diesen Stress, der kräftigt die ­Beine.“ Taumelt das faustgroße Wesen endlich nass und erschöpft ins Leben, will es erst einmal schlafen – drei Tage am Stück.

Wachstum in Rekordzeit

Ein Päuschen, das es ruckzuck wettmacht. „Zehn Zenti­meter wächst ein Jungtier pro Woche.“ Dieses Tempo fasziniert Rene Meier immer wieder. Ebenso die Zutraulichkeit, mit der sich die Kleinen an ihn schmiegen. „Sie suchen die Nähe, kuscheln und zupfen.“ Wenn er im Sommer draußen auf der Wiese sitzt, wird er regelrecht belagert. Und angefunkelt – von diesen riesigen Kulleraugen. Bis zu fünf Zentimeter Durchmesser können sie bei erwachsenen Straußen erreichen. Das kann kein anderes Landlebewesen toppen. „Auch die Sehleistung ist enorm. Ein Strauß entdeckt Feinde noch locker in drei Kilometer Entfernung“, erzählt der Züchter. „Allerdings“, bemerkt er nebenbei, „sind seine Augen auch größer als sein Gehirn.“ Was soll‘s. Statt zu grübeln, saust der Laufvogel bei Gefahr eben einfach davon. Rasend schnell, mit bis zu Tempo 70. Auch, weil sein Fuß nur zwei Zehen hat. Mit Krallen, die selbst Löwen fürchten.

Ein Tänzchen zur Balz

Kein Grund also, den Kopf in den Sand zu stecken. Diese Annahme ist wirklich an den Federn herbeigezogen. Ein Irrglaube, wohl weil Strauße ständig am Boden picken, um Futter, Gräser und Insekten zu fressen. 120 Kilogramm bringt Brunhilde auf die Waage, dafür putzt sie ganz schön was weg, ist doch klar. Im Moment aber hat sie anderes im Sinn und nur Augen für Hahn Benni. Der wirft sich in Positur, streckt die schwarzen Flügel in die Luft, tippelt von einem Bein aufs andere, plustert den Hals auf und stößt ein dumpfes Grollen hervor. Die Balz geht weiter. Wann, wenn nicht jetzt im Frühling.
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