Naturführer Rudi Krannich kennt die Schönheiten der Thüringer Wildnis

"Das Tor zur Wildnis" - so bezeichnet Rudi Krannich gerne diesen umgestürtzen Baum.
 
Der Weg schlängelt sich durch die urige Natur.
Stützerbach: Auerhahn |

Wildnis in Thüringen? Ja, sie gibt es wirklich noch. Und in diesem Jahr kann man mit einem Naturführer sogar auf Wildnis-Tour gehen.

Rudi Krannich lenkt sicher seine Schritte über schmale, meist bewachsene Wege, vorbei an unzähligen Farnpflanzen, umgestürzten Bäumen mit ausgerissenen Wurzeln und moosbedecktem Totholz. Dabei lauscht er dem Gesang der Vögel, genießt das gleichmäßige Rauschen der Baumkronen im Wind und fühlt sich hier tief mit der Natur verbunden. Der Ilmenauer ist wieder einmal unterwegs in der Wildnis – und das mitten in Thüringen. In den Kernzonen vom UNESCO-Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald ist diese noch zu finden. Der Wald wird hier nicht bewirtschaftet. „Was für uns zunächst chaotisch erscheint, folgt genauen Gesetzmäßigkeiten der Natur. Ein Baum der umfällt bleibt eben einfach so liegen“, erklärt Rudi Krannich. Als ausgebildeter Natur- und Landschaftsführer weiß er dazu viel zu erzählen. „Die Baumpilze besiedeln sofort das Holz und sorgen dann dafür, dass es sich langsam zersetzt.“

Vom Dreiherrenstein oder Auerhahn ist eines dieser Gebiete gut zu erreichen. In diesem Jahr gibt es erstmals geführte Wildnis-Touren in dieses Areal. Rudi Krannich leitet vier dieser Touren - und ist dabei einer von fünf Wanderführern. Zwei Jahre Vorbereitungszeit haben die Mitarbeiter vom Biosphärenreservat und dem Forstamt Frauenwald benötigt, damit die Stecke gut begehbar ist. „Ich bin die Wege im Vorfeld mehrfach abgelaufen. Einen Teil davon kenne ich noch gut aus früheren Zeiten - als hier noch keine Kernzone war. Mit meiner Familie war ich hier viel unterwegs. An manchen Bäumen sind sogar noch ganz verblasst die alten Markierungen, wie blaue Kreise oder Streifen, erkennbar. Wegweiser gibt es hier heute nicht mehr. Sie wurden alle rückgebaut. Es soll keinen Eingriff in die Natur geben. Aber als Wanderführer habe ich natürlich die Karte im Kopf.“

Auf der Tour ist Rudi Krannich ein aufmerksamer Beobachter, macht auf Felsen, gewaltige Bäume und ausgerissene Wurzeln, den Wasserfall, die wilde Natur im Marktal, die Weißtannen, Reste der einstigen Köhlerei oder Forsteinschnitte in Bäumen aufmerksam. Er erblickt auch Tierspuren im feuchten Boden oder einen Fischreiher am Seifigen Teich. Zu allem weiß der Naturführer etwas zu erzählen. Das Wissen erlangte er aus Materialien vom Biosphärenreservat oder hat es sich durch eigene Recherchen selbst angeeignet. So kennt er auch Sagen zu besonderen Orten, wie den blauen Schatten am Dreiherrenstein, oder weiß Goethe passend zu zitieren. Einen Lieblingsplatz hat er auf dieser Tour nicht. „Die Natur ist einfach überall schön. Aber wenn der Nebel langsam aufsteigt und sich die Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Bäume bahnen, finde ich den Anblick sehr schön. Vieles davon verliert auf einem Foto seine Wirkung. Ich sage deshalb immer: Nehmt die schönen Bilder in euren Gedanken mit, dann habt ihr lange etwas davon.“


Wildnis-Tour: 19. Juni, Treffpunkt 10 Uhr, Wanderparkplatz am Gasthaus Auerhahn (gelegen an der Straße Ilmenau-Neustadt a.R.), Dauer fünf Stunden, mittelschwere Wanderung mit Naturführer Rudi Krannich, festes Schuhwerk und angepasste Kleidung erforderlich, Anmeldung/Informationen: Biosphärenreservat Vessertal, 036784/ 5 02 11

Weitere Termine:
- ab Bushaltestelle Dreiherrenstein (Dauer 3,5 Stunden): 27. Juni, 11. und 25. Juli, 8. und 22. August
- ab Wanderparkplatz am Gasthaus Auerhahn (Dauer 5 Stunden),: 16. und 30. Juli, 10. und 31. August
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Renate Jung aus Erfurt | 16.06.2015 | 12:22  
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