Abriss mit großen Emotionen - Das Kulturhaus "Lindeneck"

Bauleiter Sascha Lattermann (re) dreht eine letzte Runde mit Gerhard Drapela durch das ehemalige Kulturhaus. Einzig Plakate an den Wänden erinnern an viel schöne Veranstaltungen in dem Traditionshaus. Fotos: Andreas Abendroth
  Arnstadt: Lindeneck | Abriss mit großen Emotionen

Königseer Sacha Lattermann erlebt eine etwas andere Baustelle

Von Andreas Abendroth

ARNSTADT. „Ich bin seit 16 Jahren auf Baustellen tätig. Aber einen solches Bauobjekt habe ich noch nie erlebt“, betont Bauleiter Sascha Lattermann.
Damit meint der Königseer nicht etwa das verwickelte Objekt des ehemaligen RFT-Kulturhauses „Lindeneck“, welches jetzt komplett aus dem Stadtbild verschwinden wird. Es geht um die Menschen aus Arnstadt und der Umgebung.

„Als es publik wurde, dass das Ensemble zurück gebaut wird, wir mit den Arbeiten vor Ort begannen, kamen die Leute in Scharen geströmt. Dürfen wir noch einmal einen letzten Blick hineinwerfen, so der hundertfach ausgesprochene Wunsch“, berichtet der Bauleiter.

Einigen, so den zwei letzten Klubhausleitern, wurde dieser Wunsch erfüllt. Die Menschen sind voller positiver Erinnerungen, von Emotionen aufgewühlt. Hier habe ich das erste Mal getanzt, hier gab es den ersten Kuss. Sie berichten von Kaffeehausmusiken, Betriebsfestspielen, der Sportveranstaltung „Mach mit - bleib fit“, vom Fotozirkel und von einmaligen Konzerten.

"Einen Abriss, verbunden mit solchen Emotionen in der Bevölkerung, habe ich noch nie erlebt." Bauleiter Sascha Lattermann aus Königsee

So auch Gerhard Drapela. Er steht am Bauzaun, fragt ganz höflich ob er noch einmal das Kulturhaus betreten darf. Sascha Lattermann nimmt ihn in den großen Saal mit. Den einstigen Glanz kann man hier nur noch erahnen. Doch die Augen des Arnstädters glänzen. „Was haben wir hier Rock 'n' Roll getanzt“, sinniert er.

Schätze haben die Bauarbeiter im Objekt nicht mehr gefunden. „Alles was von Wert war, wurde wohl zuvor herausgeholt. Die blanke Verwüstung und haufenweise Müll haben wir vorgefunden. Dazu unzählige Bewerbungsunterlagen von Köchen und Gastropersonal, Kontoauszüge und Rechnungen. Die Unterlagen haben wir aus datenrechtlichen Gründen natürlich fachgerecht entsorgt“, berichtet Lattermann.

Bis zum 19. Oktober muss das Gelände beräumt sein. Nach Aussagen des neuen Eigentümers soll das insgesamt dreieinhalbtausend Meter große Gelände komplett neu gestaltet werden.
Dann ist das „Lindeneck“ nur noch Geschichte.

Ist dies das Haus, das der Dichter Willibald Alexis 1852 als Sommersitz errichten ließ? Und das später, in der Hochzeit des Arnstädter Solbad-Betriebs, ab 1893 als eines der schönsten Kurhäuser Thüringens galt?

Vandalismus und mehrere Brände haben ihre Spuren im Lindeneck


(Auszug: Presseinformation des neuen Eigentümers, der Erfurter Bank eG)

Seit Jahren steht das Haus leer und verrottete buchstäblich unter den
Witterungseinflüssen. Die Insolvenz des letzten Besitzers veranlasste
die Erfurter Bank eG, das Objekt 2011 zu erwerben. Sie hatte die
Kreditierung übernommen und konnte durch den Kauf noch größeren
wirtschaftlichen Schaden abwenden. Die Fachleute sind sich einig,
dass das Gebäude nicht zu retten ist. Der Stadtrat hat seine
Zustimmung zum Abriss erteilt.
Das insgesamt dreieinhalbtausend Quadratmeter großen Areal wird
komplett neu gestaltet und das gesamte Quartier damit aufgewertet.
Wie das neue Haus genau aussehen wird, ist noch nicht entschieden.
Die Erfurter Bank hat Architekten beauftragt, die derzeit die
bestmögliche Lösung für das neue Objekt entwickeln.
Es entsteht ein zeitgemäßes, energieeffizientes Gebäude, das mit
Gedenktafeln an Willibald Alexis und Rosa Luxemburg das alte
Lindeneck nicht vergessen lässt.
Denn das Lindeneck in Arnstadt hat eine bewegte Geschichte.
Trotzdem oder gerade deshalb steht es nicht unter Denkmalschutz. Das
Gebäude, einst 1852 errichtet vom Dichter Willibald Alexis als
Sommerresidenz, späterhin erweitert und als Kurhaus genutzt, hat
aufgrund seiner Historie immer wieder Veränderungen über sich
ergehen lassen müssen. Insbesondere in den 1960er Jahren verlor es
seinen Charme. Einst ein schönes Gebäude, war es nach diversen An- und
Umbauten kaum noch zu erkennen.
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