Auf Augenhöhe

Bürgermeisterin von Großbreitenbach, Petra Enders. (Foto: privat)
Großbreitenbach: ... | Die süffisanten Blicke wird Petra Enders wohl nie vergessen. In den 90er Jahren trugen sie und einige Frauen aus Großbreitenbach bei der Stadt
ein Anliegen vor und merkten schnell, dass sie dort nicht ernst genommen wurden. ‚Würde ich auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzen‘ mag sich Petra Enders damals gedacht haben, ‚dann wäre das anders...‘.
Lebenspläne hatte die zierliche Frau schon sehr bald. Sie liebte Musik, Kunst
und Kultur. Politik gehörte ganz bestimmt nicht zu ihren Leidenschaften. „Ich spielte Akkordeon und Gitarre, nahm Gesangsunterricht“, erzählt sie. Doch dann sprach der Vater ein ernstes Wort, forderte einen „ordentlichen“
Beruf. Der solide Ausbildungsplatz fand sich schließlich im VEB Relaistechnik Großbreitenbach, der Petra zum Ökonomiestudium delegierte.
„1990 kam das Aus“, erinnert sich Enders. „Tausend Menschen wurden entlassen – ich war dabei“. Arbeitslos zu sein, nichts tun zu können, sei furchtbar gewesen, weiß sie noch heute. Nach und nach brachen die bis dahin
lebhaften sozialen Kontakte weg. „Einige Frauen taten sich schließlich zusammen und organisierten Veranstaltungen“. Petra Enders lacht, wenn sie an
diese Aufbruchphase denkt. Und daran, dass die erste eine Kosmetikveranstaltung war. „Wir fassten Mut, als 50 und mehr Menschen zur
Familienwanderung kamen. Zur Kinderweihnachtsfeier waren es sogar über 200“.
Am 4. März 1992 gründet sie mit ihren Mitstreiterinnen die Frauengruppe Großbreitenbach, die heute noch existiert und in Spitzenzeiten 150 Mitarbeiter beschäftigte. 1999 stellt die inzwischen initiierte „Wählergemeinschaft
Großbreitenbach 2000“ ihre Bürgermeisterkandidatin – Petra Enders. Seit 1. Juni desselben Jahres ist sie die erste Frau im Rathaus und sitzt nun tatsächlich auf der anderen Seite des Schreibtisches. Ihre Politik? – Erfrischend anders, sagen Großbreitenbacher Bürger. Mit ihnen sieht sich die
Bürgermeisterin auf Augenhöhe, bindet sie in wichtige Prozesse ein. „Ich glaube fest daran, dass direkte Demokratie der Schlüssel zum Erfolg ist“, sagt die Gegnerin von Politik im stillen Kämmerlein, die seit 1994 für „Die Linke“
im Kreistag sitzt und seit 2004 Abgeordnete des Thüringer Landtages ist.
„Doch dafür bedarf es Ehrlichkeit und Transparenz“. Glühend verehrt
sie die Politik der direkten Demokratie in der Schweiz. „Das würde ich mir auch für Deutschland wünschen.“ Wer Demokratie leben wolle, sagt sie, müsse sich aber Zeit für Diskussionen nehmen.
Die Bodenhaftung hat die sympathische Frau nie verloren. „Ich brauche die Bürgernähe. Landrätin zu sein, wäre für mich ein neues Ziel“.
Ihr Akkordeon holt Petra Enders nur noch selten aus dem Koffer. Zum letzten Mal tat sie das zum 100. Geburtstag von Ida Kranich. Die Rechte für das Ständchen hatte sich die betagte Dame bereits mit 97 gesichert.
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5 Kommentare
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Uwe Zerbst aus Gotha | 12.04.2012 | 09:54  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 12.04.2012 | 12:31  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 15.04.2012 | 00:50  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 17.04.2012 | 16:36  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.04.2012 | 02:28  
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